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Dr. Jan-Thomas Fischer neuer Institutsleiter am BFW

Bearbeitet von Jörg Fischer

Seit August 2021 leitet der international renommierte Wissenschaftler Dr. Jan-Thomas Fischer das Institut für Naturgefahren des Bundesforschungszentrums für Wald (BFW) in Innsbruck. Dem Schutzwald will er künftig eine größere Bedeutung einräumen.

Jan-Thomas Fischer ist seit 2010 am Bundesforschungszentrum für Wald (BFW) in Innsbruck tätig. 2018 übernahm er die Leitung der Abteilung Schnee und Lawine. Mit der schweren Krankheit und dem Tod von Dr. Karl Kleemayr wurde er im letzten Jahr interimistischer Institutsleiter. Zu seiner Laufbahn: Jan-Thomas Fischer hat in Bonn und Canberra (Australien) Geophysik studiert und seine Diplomarbeit an der WSL (Davos) zur Lawinensimulation verfasst. Mit der Dissertation an der Universität in Innsbruck vertiefte er sich weiter in das Thema Lawinendynamik. Als Lehrbeauftragter an der Universität für Bodenkultur in Wien hält er Vorlesungen über das Thema Schnee und Lawinen und ist gerade dabei, seine Habilitation zum Thema „gravitative Massenbewegungen“ zu verfassen. Seine internationalen Netzwerke reichen von der University Centre in Svalbrad in Spitzbergen bis hin zu universitären Organisationen in Japan u. a. und großen Netzwerken wie der ISSW (International Snow Science Workshop), die 2018 in Innsbruck stattgefunden hat.

Fischers Schwerpunkte: Schutzwald und Interdisziplinarität

Auf die Frage, was sich an der Ausrichtung des Instituts ändert, erklärte Fischer: „Große oder grobe Änderungen sind nicht geplant. Wir müssen uns allerdings an die Umwälzungen, die mit der Zeit kommen, anpassen und damit gleichzeitig die Chancen nutzen, die Zukunft mitzugestalten. Das heißt, dass der Wald als Schutzwald eine noch zentralere Rolle in der institutsübergreifenden Zusammenarbeit einnehmen wird.“

Die Frage, welche Schritte nun notwendig seien, um mit den momentan deutlich spürbaren Folgen des Klimawandels umzugehen, beantwortete Fischer so: „Unsere wissenschaftlichen Arbeiten im gesamten Naturgefahrenspektrum zeigen, dass insbesondere die Rolle des Schutzwaldes durch klima- und gesellschaftlichen Wandel stark beeinflusst wird. Während man immer besser versteht, welchen Einfluss geringste Temperaturunterschiede auf das Fließverhalten und damit die möglichen Schäden durch Lawinen, Muren und Steinschlag haben, fehlen für einen Paradigmen-Wechsel vom Gefahren- zu Risikodenken noch die passenden Entscheidungshilfen und deren politische Akzeptanz. Gedanken zur ökologischen Bilanz nehmen im Naturgefahrenmanagement und insbesondere bei integralen Schutzkonzepten mit waldbaulichen und technischen Maßnahmen eine immer größere Rolle ein.“

Wissensvermittlung forcieren

Fischers Anliegen ist es, exzellentes Forschungs- und Fachwissen über Naturgefahren zu generieren und dieses dann aus dem Schutzwald in die Praxis, Politik und Fachöffentlichkeit zu transferieren. Insbesondere bei Naturgefahren – einem Themenfeld, das die Gesellschaft im alpinen Lebensraum direkt betrifft – gilt es die unterschiedlichsten Interessensgruppen mit der Wissensvermittlung zu erreichen. Herausforderung an seinem Institut sieht er auch darin, einen attraktiven, modernen, digitalen und nachhaltigen Arbeitsplatz für Fachkräfte bereitzustellen und gemeinsam mit den Partnern die Nische zwischen universitären und rein öffentlichen Einrichtung zu füllen, sodass das Institut auch in einer sich wandelnden Zukunft die Naturgefahrenfragen für eine informierte Wissensgesellschaft aufbereiten und beantworten kann.

Quelle: BFW