ABO
Dr. Hans-Joachim Weimann †

Dr. Hans-Joachim Weimann †

Am 14. Dezember 2012 starb plötzlich und unerwartet der langjährige Leiter der Landesanstalt für Forsteinrichtung, Waldforschung und Waldökologie, Prof. Dr. Hans-Joachim Weimann im Alter von 80 Jahren.
Hans-Joachim Weimann war ein vielseitig begabter und interessierter Forstwissenschaftler, er galt als Experte für Waldbewertungen, Pionier der forstlichen Informatik, Kenner der Forstgeschichte und energischer Verfechter des Nachhaltigkeitsgedankens. Sein außergewöhnliches mathematisch-logisches Verständnis brachte er in die Hessische Forsteinrichtungsanstalt ein, bei der er bis zu seiner Pensionierung wirkte und die er über Jahrzehnte maßgeblich prägte.
 
Weimann beschäftigte sich frühzeitig mit Fragen der Waldwertschätzung und forstlichen Bodenbewertung, initiierte die Arbeitsgemeinschaft Waldwertschätzung in Deutschland und war auch deren erster Vorsitzender. Im Bereich der forstlichen Betriebswirtschaft arbeitete er auch wissenschaftlich, was in seiner Dissertation zu Erfolgsanalyseverfahren in Forstbetrieben und der Habilitation zur Waldbodenbewertung mündete. Als außerplanmäßiger Professor für Forstliche Planung hielt er von 1990 bis 2000 an der Gießener Universität Vorlesungen für Studenten des Studienganges „Umwelt“. Pionierarbeit leistete Prof. Dr. Weimann mit dem Aufbau und der Organisation verschiedener EDV-Systeme für die Forstwirtschaft. Das von ihm entwickelte, dezentral nutzbare PC-Programm für die Fortschreibung, Neuaufnahme und Auswertung von Forsteinrichtungsdaten war eine bundesweite Neuerung. Das Programm fand hohe Akzeptanz. Davon zeugt auch die für Computerprogramme ungewöhnliche lange Laufzeit über Jahrzehnte.
 
Seine frühzeitig entwickelten Programme zu Waldwert- und Schadensschätzungen und die Entwicklung von Berechnungsweisen zur Quantifizierung pauschalierter Waldschadenskomponenten werden in aktualisierter Form noch angewandt. Prof. Dr. Hans-Joachim Weimann galt als der Experte für den forstlichen Klassiker Georg Ludwig Hartig. Mit hohem Aufwand hat er die Geschichte Hartigs und dessen Familie erforscht und hat wertvolle Dokumente sichern können. Die Ergebnisse seiner Untersuchungen hat er in seinem Buch „Hartigiana Georg Ludwig Hartig inmitten von fünf Generationen einer Försterfamilie“ einem breiten Publikum zugänglich gemacht.
 
Eine Herzensangelegenheit war es ihm aber auch, Hartigs Grundsätze und Ideen zur Nachhaltigkeit zu verbreiten. Daher konnte die Georg-Ludwig-Hartig-Stiftung immer auf Prof. Dr. Weimann zählen. So gehörte er von der Gründung 1987 bis 1997 dem Stiftungsrat an, von 2000 bis 2004 war er dessen Vorsitzender. Mit Vorträgen und Veröffentlichungen trug er dazu bei, den Nachhaltigkeitsgedanken Hartigs im forstlichen Tun weiter zu festigen und diesen auch auf andere Lebensbereiche zu übertragen. Engagiert wies er immer wieder auf Fehlentwicklung des oft inflationär gebrauchten Begriffes Nachhaltigkeit hin. Noch im September hielt er in Dillenburg einen viel beachteten Vortrag zum Begriff der Nachhaltigkeit in Zeiten Hartigs und heute.
 
In Anerkennung seiner Leistungen wurde ihm 2009 der Georg-Ludwig-Hartig-Preis verliehen. Die hessische Landesforstverwaltung und die Georg-Ludwig-Hartig-Stiftung verlieren mit Prof. Dr. Hans-Joachim Weimann einen engagierten und kenntnisreichen Kollegen und Mitstreiter, der die hessische Forstwirtschaft in den letzten Jahrzehnten stark mitgeprägt hat.

Auch interessant

von