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Dr. Günter Pietschmann 90 Jahre

Am 27. September wurde Dr. Günter Pietschmann 90 Jahre.

Günter Pietschmann ist am 27. September 1928 in Magdeburg geboren worden. Er wuchs dort auf und wurde wie viele seines Jahrgangs noch intensiv in den Zweiten Weltkrieg involviert: Luftwaffenhelfer, Arbeits- und Wehrdienst. Nach dem Abitur und einer Forstarbeiterlehre studierte er von 1950 bis 1954 Forstwissenschaften in Eberswalde.

Seine Tätigkeit als Diplom-Forstwirt begann er 1955 im nördlich von Halberstadt gelegenen Höhenzug Huy, u.a. mit der Aufforstung von 150 ha Ödland, meist aufgegebenen Schafhutungen. Deren Erfolg führte ihn zum „Sonderbeauftragten“ des Rates des Bezirkes Magdeburg für die Wiederaufforstung des Oberharzes in den Staatlichen Forstwirtschaftsbetrieben Wernigerode und Blankenburg. Es ging um mehr als 3.000 ha Kahlflächen aus den Kriegs- und Nachkriegsjahren von der Organisation der Pflanzenanzucht über die rationelle Pflanzung bis zur Kulturpflege. Ab 1963 führte er die Oberförsterei Büchenberg zwischen Wernigerode und Elbingerode, später übernahm er die im benachbarten Elend.

Pietschmanns Ruf als Macher und Durchsetzer führte ihn 1968 zum Fachdirektor für Holzeinschlag („Rohholzbereitstellung“ nach Nomenklatur der DDR) im Staatlichen Forstbetrieb Wernigerode. Die Großflächigkeit, Sturm- und Borkenkäfergefährdung der aus dem Fachwerk hervorgegangenen Fichtenbestände veranlasste Pietschmann zu einer Aspirantur am Institut für Forsteinrichtung in Tharandt zum Thema „Untersuchungen zur Verbesserung der räumlichen Ordnung in den Fichtenwäldern des Staatlichen Forstwirtschaftsbetriebes Wernigerode“ (Technische Univ. Dresden, Sektion Forstwirtschaft Tharandt, Diss. A, 1974, 261 S.), die er 1972 erfolgreich abschloss. Die Kartierung der Sturmbahnen in Abhängigkeit von Geländeausformung und Bestandeslagerung sowie die schmale Hiebsführung, auch mit Frei-, Los- und Gliederungshieben waren seine Anliegen, mit deren praktischer Umsetzung er selbst erfolgreich begann (z.B. an der Straße von Elbingerode nach Hohne). Die spätere Zuordnung erheblicher Fichtenkomplexe zum Nationalpark Harz und der „freie“ Waldbau seit den 1990er Jahren schränken die Wirksamkeit von Pietschmanns Anregungen ein. Konsequenter Hieb gegen die Hauptgefahrenrichtung, Randschutz, schmale Verjüngungszonen und intensive Bestandespflege bleiben notwendig.

Die Versetzung von Dr. Günter Pietschmann 1977 in den Fläming mindert seinen Einfluss im Harz, dafür wird er zum Förderer der dortigen teils berühmten Waldkultur.

Am 1. September 1977 wurde Günter Pietschmann zum Fachdirektor für Produktion im Staatlichen Forstwirtschaftsbetrieb (StFB) Zerbst in Nedlitz durch Oberforstmeister Johannes Heggemann ernannt. Diese Funktion hatte er bis kurz vor Auflösung der staatlichen Forstwirtschaftsbetriebe zum 31.12.1991 inne.

Der StFB Zerbst war für eine Gesamtwaldfläche von über 34.000 ha in den politischen Kreisen Zerbst, Staßfurt, Schönebeck, Magdeburg und anteilig Burg zuständig. lm StFB waren in den verschiedenen Fachbereichen und 5 Oberförstereien über 600 Mitarbeiter beschäftigt. Als Fachdirektor für Produktion war Pietschmann für die gesamte forstliche Produktion mit einem Holzeinschlag von 80.000 bis 100.000 Fm, einer jährlichen Aufforstungsfläche von über 300 ha, einer 28 ha großen Forstbaumschule, einem leistungsstarken Fuhrpark mit Werkstatt und einem zentralen Holzausformungs- und Verladeplatz zuständig. Hinzu kamen die fast jährlichen Umsetzungen in andere Betriebe der DDR zur Unterstützung bei der Aufarbeitung von Schadholz.

Seine außerordentliche Leistungsbereitschaft und auch kritische Auseinandersetzung mit Unzulänglichkeit im Betriebsablauf, haben Günter Pietschmann Anerkennung im Kollegenkreis gebracht. Dabei war es ihm auch ein besonderes Anliegen die Motivation der Mitarbeiter zu fördern. Auch sein Wahlspruch „Keine Kritik ist auch ein Lob“ ist den Unterzeichnern noch heute in Erinnerung geblieben.

Neben seiner anspruchsvollen beruflichen Tätigkeit hat Günter Pietschmann viele lngenieur- und Diplomarbeiten fachlich begleitet. Auch auf den vielen forstlichen Fachexkursionen, hier besonders die der Sektion Forstwirtschaft in Tharandt, hat er sich durch sein fundiertes Fachwissen eingebracht.

Schon seit Tätigkeitsbeginn im StFB Zerbst in Nedlitz hat sich Günter Pietschmann stark für den Erhalt des in der Forstwelt weithin bekannten Reviers Bärenthoren engagiert. Sein Vortrag zur Veranstaltung „100 Jahre Bärenthorener Kiefernnaturverjüngungswirtschaft“ (1984), im Besonderen seine Forderung zum Erhalt des Reviers als „Waldkulturdenkmal“, fand allgemeine Anerkennung. Ihm ist es mit zu verdanken, dass die Waldbestände Bärenthorens, trotz der hohen Holznachfrage zu Zeiten der DDR, erhalten geblieben sind. Und damit das Beispiel schlechthin von Alfred Möllers (1860 – 1922) Dauerwaldidee auf uns überkommen konnte.

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands musste sich Günter Pietschmann bis zum 31. August 1991 mit der Abwicklung des staatlichen Forstwirtschaftsbetriebes beschäftigen. Ab dem 1. September 1991 bis zur Vollendung des 65. Lebensjahres war er Leiter der lnspektion Elbe-Havelwinkel und Dezernent für Holzvermarktung bei der Bezirksregierung Magdeburg.

Mit der ihm eigenen Beharrlichkeit hat sich Günter Pietschmann auch weiterhin mit der wissenschaftlichen Aufarbeitung zur Geschichte der Reviers Bärenthoren und Geschichte der Familie Friedrich v. Kalitschs beschäftigt. Die Ergebnisse seiner Arbeit hat er in zahlreichen Veröffentlichungen in Fachzeitschriften und Broschüren der Landesforstverwaltung Sachsen-Anhalt dargelegt.

Günter Pietschmann hat sich auch stark dafür engagiert, dass das „Volkswaldrevier“ Bärenthoren, welches 1991 in Zuständigkeit der bundeseigenen BVVG Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH übergegangen war, beim Land Sachsen-Anhalt bleibt. Auf der Grundlage eines freiwilligen Flächentauschs der BVVG mit dem Land Sachsen-Anhalt wurde das Revier Bärenthoren (rund 750 ha) am 24. März 1998 in Eigentum des Landes überführt. Damit hat das Land für das Revier, als der „Wiege des Dauerwaldes“, ein forsthistorisches Erbe und die forstliche Verantwortung für die Fortführung der Bärenthorener Kiefernwirtschaft übernommen.

lm Rahmen der periodischen Betriebsregelung im Forstamt Nedlitz wurde für das Revier eine Sonderbetriebsklasse (733 ha) „Historische Waldbewirtschaftungsform – Bärenthoren“ ausgewiesen. Zur Sicherstellung der weiteren Bewirtschaftung der Waldbestände, im Sinne Friedrich von Kalitschs, wurde im Dezember 2002 der Fachausschuss „Freunde Bärenthorens“ beim Landesforstverein Sachsen-Anhalt ins Leben gerufen, zu dessen Vorsitzenden Günter Pietschmann gewählt wurde. Unter seiner Federführung entstand die wissenschaftliche Arbeitsgrundlage zur Einrichtung eines Lehrpfades durch das historische Dauerwaldrevier Bärenthoren. Als fundierter Kenner der Geschichte des Reviers Bärenthoren hat er zahlreiche Fachexkursionen begleitet und den Teilnehmern das Lebenswerk des Kammerherrn Friedrich v. Kalitsch nahe gebracht.

Mit der Strukturreform der Landesforstverwaltung 2006 wurde im Landesforstbetrieb (LFB), im Teilbetrieb Anhalt das Forstrevier Hoher Fläming mit den Revierteilen Golmenglin und Bärenthoren gebildet. Der Sturm „Kyrill“ am 18. Januar 2007 hat im Revier Hoher Fläming (2.887 ha Holzboden) zu einem Schadholzanteil von über 132.000 Fm geführt, davon in der Sonderbetriebsklasse 17.172 Fm. Begleitend durch den Fachausschuss wurden im Revierteil Bärenthoren, auf historischer Grundlage, 20,5 ha mit Kiefer wiederaufgeforstet.

Mit Verordnung nach $ 18 Landeswaldgesetz Sachsen-Anhalt am 14. April 2009 wurde auf einer Fläche von 240,1 ha das Waldschutzgebiet „Dauerwald Bärenthoren“ ausgewiesen. Mit dieser Ausweisung im Kerngebiet des Reviers wurde eine der Hauptforderungen des Fachausschusses erreicht und ein lang gehegter Wunsch von Günter Pietschmann erfüllt. Aus gesundheitlichen Gründen hat Günter Pietschmann 2009 den Vorsitz im Fachausschuss abgegeben.

Mit der Forsteinrichtung des Reviers Hoher Fläming zum 1. Januar 2010 wurden die Bestände im Waldschutzgebiet im Sinne der Zielstellungen des „Dauerwaldes“ beplant und durch den LFB umgesetzt.

Wir wünschen Dr. Günter Pietschmann zu seinem Jubiläum alles erdenklich Gute, Gesundheit und Schaffenskraft und noch lange Jahre im Kreis seiner Familie.

 

Literaturhinweise:

[1] Pietschmann, G. (1984): 100 Jahre Bärenthorener Kiefernnaturverjüngungswirtschaft. Zur Geschichte des Revieres Bärenthoren. Vortrag anlässlich der Veranstaltung der Agrarwissenschaftlichen Gesellschaft, Bezirksverband Magdeburg, am 30. August 1984 in Garitz, Krs. Zerbst. Druck: Betriebsorganisation Dresden, Otto-Buchwitz-Str. 70, S. 4 – 25.

[2] Pietschmann, G. (1997): Zur Geschichte des Reviers Bärenthoren. Schriftenreihe Wald in Sachsen-Anhalt 01/97, Hrsg.: Landesforstverwaltung Sachsen-Anhalt in Zusammenarbeit mit dem Landesforstverein Sachsen-Anhalt e.V., 54 S.

[3] Pietschmann, G. (1999): Zur Geschichte des Revieres Bärenthoren. ln memoriam Dr. h.c. Friedrich von Katitsch. AFZ-DerWald, H. 1/1999, S. 34/35.

[4] Pietschmann, G. (2000): Literatursammlung zur Geschichte des Reviers Bärenthoren, zur Familie von Kalitsch und zum Dauerwald. Schriftenreihe Wald in Sachsen-Anhalt 7/00, Hrsg.: Landesforstverwaltung Sachsen-Anhalt, 84 S.

[5] Pietschmann, G. (2002): Beitrag zur Forstgeschichte und Waldentwicklung im Staatlichen Forstamt Nedlitz. Schriftenreihe Wald in Sachsen-Anhalt 12/02, Hrsg.: Landesforstverwaltung Sachsen-Anhalt, 126 S.

[6] Pietschmann, G. (2008): Zur Geschichte des Reviers Bärenthoren mit Schwerpunkt 1920 bis 1945. Reihe Wald in Sachsen-Anhalt, Heft Nr. 17, Hrsg.: Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt, 80 S.

[7] Loboda, S. (2009): 125 Jahre Bärenthorener Kiefernwirtschaft „Jubiläum in Bärenthoren“, Vortrags- und Exkursionsveranstaltung. AFZ-DerWald, H. 19/2009, S. 1.036 – 1.038.

Horst Kurth, Prof. Dr. habil. Dr. h.c., Halle;
Wilhelm Uschmann, Leiter Forstbetrieb Anhalt

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