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Wüchsig und durchmesserstark ? Douglasienholz wird von der heimischen Holzindustrie gut nachgefragt. Foto: ThüringenForst

Douglasie: Fremd und doch heimisch

Forst und Naturschutz einigten sich auf gemeinsame Anbauempfehlungen für die Douglasie.

Während Forstleute bereits Mitte des 18. Jahrhunderts damalig unter dem Eindruck allgemeiner Holznot die leistungsfähige Douglasie aus dem Westen der USA einführten und anbauten, kritisierten Naturschützer die gebietsfremde Art, die heimische Arten verdrängen und für Ökosysteme ein erhebliches Gefahrenpotenzial darstellen würde.
ThüringenForst, mit 200.000 ha flächengrößter Waldbesitzer im Freistaat, begrüßt nun die Einigung des Deutschen Verbands Forstlicher Versuchs- und Forschungsanstalten (DVFFA) und dem Bundesamt für Naturschutz (BfN) zum Umgang mit dieser Baumart. Damit können die 180.000 Waldbesitzer im Freistaat den verantwortungsvollen Anbau der Douglasie fortsetzen. Die Douglasie gilt im Vergleich zur heimischen Fichte als klimastabile Baumart. Das widerstandsfähige, rötliche Holz ist außerdem sehr beliebt.
Douglasie hat die letzte Eiszeit in Europa nicht überlebt
Die Vorfahren der Douglasie, die zur Familie der Kieferngewächse gehört, war bis zur letzten Eiszeit auch in europäischen Wäldern heimisch, wie Funde u.a. in der Oberlausitz zeigen, ist dann aber ausgestorben. Insofern ist sie nach Ansicht der Förster keine „fremde“ Baumart, sondern ein Rückkehrer. Für die Naturschützer ist die Douglasie, die nach dem Botaniker David Douglas benannt ist, dagegen gebietsfremd und invasiv.
Langfristige Beobachtungen zeigen nach Meinung führender Forstwissenschaftler übereinstimmend, dass eine unkontrollierte, aggressive Ausbreitung der durchaus konkurrenzstarken Art nicht zu befürchten ist. „Forstwirtschaft und Naturschutz sind mit der Douglasie in Deutschland und damit auch Thüringen gemeinsam möglich“, so Volker Gebhardt, ThüringenForst-Vorstand.
Klimawandel wird unsere Wälder verändern
Thüringens Forstexperten sind davon überzeugt, dass der vom Menschen verursachte Klimawandel die Zusammensetzung der heimischen Wälder mittelfristig verändern wird. Eine verlängerte Vegetationsperiode, trockenheiße Sommer, regenreiche Winter und häufige Witterungsextreme werden die bisherig verbreiteten Baumarten auf eine harte Probe stellen. Insbesondere die Baumart Fichte gilt als großer Verlierer, insbesondere in tieferen Lagen etwa im Thüringer Becken, aber auch in der Vorbergzone. An manchen dieser Standorte kann die Douglasie die Fichte maßvoll ersetzen.
Die Douglasie gilt als ökologisch robust, sie kommt mit milden Wintern zurecht und nutzt lange Vegetationsperioden. Ihr tiefes Wurzelwerk macht sie stabil gegen Sturm, in Europa sind viele ihre Schädlinge nicht vorhanden.
Waldbesitzer sollten maßvoll handeln
Derzeit ist die Douglasie mit einem sehr geringen Anteil von 0,4 % in den heimischen Wäldern vertreten, die Fichte dagegen mit 38 %. Trotzdem empfiehlt Gebhardt den Waldbesitzern, Douglasien nur aus geeignetem Vermehrungsgut, nur auf passenden Standorten und nur mit weiteren heimischen Baumarten wie etwa Weißtanne, Buche oder Fichte in Mischung anzubauen. Naturschutzfachlich wertvolle Sonderstandorte sollten gemieden werden.
Gleichzeitig wird die Landesforstanstalt ihre Forschung zur Douglasie fortführen. Reh-, Rot- und Damwild kann die Douglasie durch Verbiss-, Fege-, Schäl- und Schlagschäden beeinträchtigen. Insbesondere Jungbestände können an Rußiger Douglasienschütte leiden. Douglasienkulturen werden durch den Großen Braunen Rüsselkäfer angenommen.
ThüringenForst
Wüchsig und durchmesserstark ? Douglasienholz wird von der heimischen Holzindustrie gut nachgefragt. Foto: ThüringenForst Tausende junge Douglasien warten auf Ihre Auspflanzung im Staatswald der ThüringenForst-AöR. Foto: ThüringenForst

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