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Dornhöschen

Schnittschutzhose

PSS X-treme Vectran 5×5

im Test

Die junge Firma Pfeiffer Sicherheitssysteme PSS erregte 2014 Aufsehen mit ihrer superleichten Schnittschutzhose X-treme light. Diese unterbot die magische Grenze von 1 000 g. Ihre neuen Kreationen gehen in eine andere Richtung.

Das Modell PSS X-treme Vectran, seit knapp einem Jahr auf dem Markt, will eine besonders widerstandsfähige Schnittschutzhose sein. Der namensgebende Oberstoff Vectran ist ein flüssigkristallines Polymer, in der Struktur ähnlich wie Spinnenseide. Leichter als Kevlar und weniger voluminös, soll es trotzdem sehr abriebfest sein und dabei so reißfest wie Ripstop-Nylon. Die Firma in Hirrlingen, 45 km südlich von Stuttgart, legt Wert darauf, dass der eingearbeitete Schnittschutz in Deutschland produziert wird. Davon sind auch nur fünf Lagen notwendig um die Sicherheitsklasse I zu erreichen. Weil der Schnittschutz-Prüfstand an der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg nur wenige Kilometer entfernt ist, liegt es nahe, dass die Brüder Stephan und Johannes Pfeiffer ihre Produkte auch dort testen lassen. Mit einer Kettenstoppzeit von durchschnittlich 60 ms gehört sie zu den echten „Schnellbremsern“ im Vergleich zu anderen Hosen. Allerdings hat die Sägekette am tiefsten Punkt des Eindringens immer noch eine Geschwindigkeit von 7 m/s und kommt erst im Aufsteigen zum Stillstand. Das bedeutet, dass bei einer hohen Auftreffkraft der Säge, z. B. in einer Kickback-Situation, die Hose schneller durchtrennt würde als bei einer „härteren“ Konstruktion. Die gute Nachricht ist jedoch: Die Hose hat v. a. oberhalb des Knies sogar noch Reserven. Beim Normschnitt werden dort meist nur vier Lagen durchtrennt. Bisher war die PSS Vectran nur in der Farbgebung schwarz/grau erhältlich, in diesen Tagen kommt sie auch in rot auf den Markt. Unserem Tester Thomas Birklein war das aber ganz recht so. Schließlich bekommt eine Schnittschutzhose unweigerlich dunkle Flecken von Harz und Öl. Das von ihm scherzhaft „Metzgerhose“ getaufte feine graue Karo bleibt da wesentlich länger ansehnlich als die üblichen Leuchtfarben.

Natürlich kann eine besonders stabile Konstruktion keinen Weltrekord im Federgewicht aufstellen. Die von uns gewogenen 1 200 g (Größe 52) sind jedoch trotzdem ein guter Wert. Auch die Atmungsaktivität kann mit einem massiven Oberstoff und einer Nässeschutzmembran auf der Beinvorderseite erst mal nicht unendlich hoch sein. Dagegen arbeitet PSS mit dem aufwändigen Air-System: An der Rückseite der Oberschenkel gibt es zwei riesige Belüftungsreißverschlüsse, die schräg angesetzt sind, damit sie auch im Sitzen nicht stören. Weil warme Luft nach oben steigt, befindet sich am Bund ein breiter Streifen eines grobmaschigen Gewebes zur Wärmeabfuhr. Die dünnen Schnittschutzeinlagen tragen natürlich auch dazu bei, dass sich wenig staut. In Verbindung mit einem hohen Stretchanteil auf der Rückseite bestätigte unser Test einen hervorragenden Tragekomfort, auch bei gelegentlichen Baumkletter-Einsätzen.

Beim Einstandspreis von 259 € muss eine Arbeitshose schon eine gute Dauerhaltbarkeit aufweisen, findet Thomas Birklein, damit sich die höhere Investition gegenüber einfacheren Hosen rechnet. Um das unter Beweis zu stellen verordneten wir dem Probanden die Höchststrafe: Tagelanges Ausgrasen in der Brombeer-Wüste. Dabei erwies sich der Vectran-Stoff wirklich als sehr robust: Irgendwann war die Marken-Stickerei am Oberschenkel völlig abgewetzt, dem Hosenbein selbst fehlte aber nichts. Das gilt aber nur für die Vorderseite. Das weiche Stretchmaterial hinten lässt die harten Spitzen recht schnell durch und hier hat es auch nach relativ kurzer Zeit einige Fäden gezogen.

Ein Kritikpunkt betraf die Zollstock- bzw. Werkzeugtasche: Der Klettverschluss verschmutzt extrem schnell und hält schon nach wenigen Wochen nicht mehr zuverlässig. Hier hat PSS aber zwischenzeitlich nachgebessert und verbaut einen Druckknopf.

Heinrich Höllerl

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