Bestand eines Kiefernwaldes auf Dolomitgestein
Ein typischer Bestand eines lichten Kiefernwaldes auf einem Dolomit-Riff erscheint auf den ersten Blick nicht besonders artenreich. Auf den Zweiten stellt man jedoch fest, dass hier bedrohte Tier- und Pflanzenarten beheimatet sind, die in Mischwäldern nicht vorkommen.
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Dolomitkiefernwälder zeigen Artenvielfalt in Nadelwäldern

14. Januar 2023
Auch Nadelwälder können Heimat seltener Arten sein und sollten daher – an manchen Orten – geschützt werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie zu besonderen Kieferbeständen in der Fränkischen Alb.

Die Studie der Universität Bayreuth zeigte Mitte 2022, dass die Artenvielfalt in Kiefernwäldern auf Dolomitgestein (botanisch: Buphthalmo-Pinetum) im Nördlichen Frankenjura besonders hoch ist. Seit 1950 sei allerdings 99 % der Waldfläche verlorengegangen. Zum Schutz der restlichen Bestände wird weiter geforscht.

Ziele der Forstpolitik nicht immer nah am Wald

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Die Gewöhnliche Gebirgsschrecke
Die Gewöhnliche Gebirgsschrecke ist ein Eiszeitrelikt: Sie kommt meist nur noch im Randbereich der Dolomitkiefernwälder vor.
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Die Wälder gehören als Lebensraum zum Natura-2000-Netzwerk. Über drei Jahrzehnte wurden 600 der artenreichen Bestände untersucht. Als Ursachen für den Schwund der Dolomitkiefernwälder werden in den Forschungsergebnissen die Änderung der Landnutzung sowie die Verdrängung der Kiefern durch den Waldumbau hin zu Mischwäldern genannt.

„Der starke Rückgang der Dolomitkiefernwälder zeigt, dass weithin akzeptierte Ziele der Forstpolitik in Deutschland nicht immer mit den Anforderungen übereinstimmen, die sich aus dem rechtlichen Status von Natura-2000-Lebensräumen oder auch aus dem Bayerischen Naturschutzgesetz ergeben. In unserer Studie haben wir zudem eindeutige Indizien dafür gefunden, dass der Verlust pflanzlicher Artenvielfalt auch die Tierwelt nachteilig beeinflusst und insbesondere zu einem Rückgang von Insekten- und Vogelarten führt“, so die Bayreuther Biologin Dr. Claudia Hemp vom Lehrstuhl für Pflanzensystematik, die zugleich am Senckenberg Forschungszentrum für Biodiversität und Klima in Frankfurt am Main tätig ist.

Ziel des neuen BayernNetzNatur-Projekts, das von PD Dr. Andreas Hemp, Erstautor der Studie und Mitarbeiter am Lehrstuhl für Pflanzensystematik der Universität Bayreuth, wissenschaftlich begleitet wird, ist es daher, die Dolomitkiefernwälder besser zu schützen. Das sei jahrzehntelang vernachlässigt worden. Seit Juli 2022 wird daher speziell das Vorhaben „Biotopkomplex Kiefernwälder und Trockenrasen der Dolomitkuppenalb“ vom Bayerischen Naturschutzfonds gefördert.

Maßnahmen, um Biodiversität zu erhalten

In ihrer Veröffentlichung erläuterten die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler den schnellen Verlust der wertvollen Biodiversitätsressource. Seitdem hat sich Andreas Hemp weiter mit den Ergebnissen beschäftigt, einen Vortrag auf einer Tagung zum Thema “Naturschutz im Wald” gehalten und sich mit Forst- und Naturschutzakteuren über die Bestände ausgetauscht.

Um die Dolomitkiefernwälder und ihre Biodiversität zu erhalten, seien mehrere Maßnahmen nötig: „In der Regel handelt sich um Entfernen überwiegend von Fichten, aber auch Büschen und jungen Buchen. Ein Beweidungskonzept spielt ebenfalls eine große Rolle, genauso wie die Wildbestände“, so Andreas Hemp. Künftig sollen Daueruntersuchungsflächen eingerichtet werden mit Forstinventuren und wiederholten Vegetationsaufnahmen sowie Verjüngungsexperimenten mit der Kiefer.

Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer, Revierförsterinnen und -förster sowie die regionale Politik würden außerdem über den Zustand der Kiefernwälder informiert. „Die Maßnahmen werden vom Naturschutzzentrum Wengleinpark und dem Landschaftspflegeverein Nürnberger Land koordiniert“, ergänzt Andreas Hemp. Auch sind Informationstafeln und Führungen in den Kiefernwäldern bereits in Planung.

Potenzielle Saatgutbestände: Kiefer im Klimawandel

Im Klimawandel könnte der Erhalt der Kiefer als Hauptbaumart an diesem Standort auch noch aus einer anderen Perspektive heraus interessant werden: „Wir nehmen an – das wollen wir noch genetisch untersuchen –, dass die Kiefernbestände in der Nördlichen Frankenalb indigen sind und sich seit der letzten Eiszeit über viele Jahrtausende an die Klimaschwankungen anpassen konnten. Da sie auch nach den letzten Trockenjahren kaum Schäden aufweisen, halten wir sie als Quelle für Saatgut für besonders geeignet“, so Andreas Hemp. Das könne in Zukunft für Kiefernbestände in Europa relevant werden, die unter Trockenheit leiden.

Wer allerdings in den Dolomitenkiefernwäldern Bayerns künftig Saatgut gewinnen könnte – das sei noch unklar. Zuerst einmal wollen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler herausfinden, wann Bedränger wie die Buche in die Frankenalb eingewandert sind sowie Fragen der Herkunft der widerstandsfähigen Kiefern klären. Dazu sei die Zusammenarbeit mit der Humboldt-Universität in Berlin an einem forstgenetischen Kiefern-Projekt geplant.

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Mit Material der Uni Bayreuth