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Mehr Großtechnik

Die DLG-Waldtage verzeichneten bei ihrer zweiten Auflage vom 15. bis 17. September in Brilon nicht nur einen leichten Besucherzuwachs auf 10 500, sondern hatten auch mehr Aussteller als vor zwei Jahren. Den Anstieg von 160 auf 190 Firmen verdankte die Messe besonders den Anbietern von Großmaschinen. Ein Beispiel dafür war die Clohse Group, die den neuen Skidder Tigercat 602 vorstellte.

Vor zwei Jahren waren die meisten Anbieter von Forstspezialschleppern, Harvestern und Forwardern gar nicht präsent. Nur einige Forstunternehmer oder Servicepartner hatten Maschinen in den Briloner Wald gestellt. Ein weise Entscheidung, könnte man annehmen, denn die Messe richtet sich offiziell an den privaten Waldbesitz und an Brennholzselbstwerber. Und wer braucht schon noch eine weitere Forstmesse? Dennoch waren dieses Jahr die meisten Großmaschinenmarken präsent. Der Grund dafür, ist nicht nur darin zu suchen, dass die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft (DLG) sich um diese Firmen bemüht hat. Er liegt auch darin, dass zahlreiche Forstunternehmer die Messe besuchen, nicht nur die aus Nordrhein-Westfalen. Viele Aussteller wollten zudem die Messe als Alternative zu anderen Veranstaltungen in Norddeutschland testen. Und nicht zuletzt lockte das Flair einer Messe im Wald, die das Vorführen der Maschinen gestattet.

Kleiner Tigercat

Überraschender Weise hatten die Firmen sogar Neuheiten im Gepäck. Die Firma Pfanzelt stellte bespielsweise erstmals die Sechsradvariante ihrer neuen Felix-Generation vor. Die Firma Wahlers hatte als Deutschlandpremiere den Harvester Ponsse Ergo mit Activ Frame im Gepäck, und die Clohse Group aus Luxemburg zeigte den neuen Skidder des kanadischen Herstellers Tigercat. Auf diese Maschine, die ihre Weltpremiere im Juni beim Skidderwettbewerb „Les Cognees“ in Frankreich erlebte, wollen wir uns im Folgenden konzentrieren.

Mit seiner bulligen Schnauze und der teilweise vergitterten Kabine ist dem 602 auf den ersten Blick die nordamerikanische Herkunft anzusehen. Allerdings sind seine Dimensionen an mitteleuropäische Verhältnisse angepasst. Es ist sogar der kleinste und leichteste Skidder, den Tigercat in den 25 Jahren seit seiner Gründung jemals gebaut hat. Mit den 600 mm breiten Reifen (24.5-32) ist das Exemplar am Messestand 2,70 m breit und wiegt mit Eintrommel-Seilwinde und Charlier-Rückekran nach Auskunft von Dieter Clohse um die 17 t. Selbst mit 800 mm breiten Reifen kommt die Maschine nicht über 2,80 m Breite.

Tigercat erfüllt mit der Neuheit einen lang gehegten Wunsch der Clohse Group, die seit etwa fünf Jahren die Forstmaschinen von Tigercat nach Benelux, Deutschland und Frankreich importiert, besonders Forwarder und Skidder, die mit über 3 m Breite in Deutschland aber kaum Nachfrage finden. Mit dem Tigercat 602 könnte sich das jetzt ändern, denn die Maschine stößt in eine Lücke, die John Deere mit der Einstellung des Skiddermodells JD 548 hinterlassen hat. Clohse weiß, dass es reichlich Freunde der nordamerikanischen Forstmaschinen in Deutschland gibt, viele von ihnen sind früher John-Deere-Skidder gefahren. In Frankreich und Belgien spielen die US-typischen Skidder ohnehin noch eine größere Rolle.

Angetrieben wird der 602 von einem 125 kW starken Vierzylindermotor des italienischen Herstellers Fiat Power Train (FPT), der selbstverständlich die Abgasnorm Tier 4 final erfüllt. Die Kraftübertragung leistet ein hydrostatischer Antrieb, mit dem die Maschine eine Fahrgeschwindigkeit von maximal 21 km/h erreicht. Wie Besucher der DLG-Waldtage anmerkten, ist die Kabine – anders als man bei Überseemaschinen vermuten würde – durchaus geräumig. Der Fahrer bedient in ihr alle Funktionen über Fußpedale und über Joysticks, die an einem drehbaren Sitz montiert sind.

Bei der Forstausrüstung konzentriert sich die Clohse Group zunächst auf folgende Varianten: Auf der Messe stand der Tigercat 602 mit einer Rückezange des belgischen Herstellers Charlier mit 3,7 m Reichweite. Er ist seitlich um 100° schwenkbar und entwickelt ein Hubmoment von 200 kNm bzw. ein Schwenkmoment von 70 kNm. Um Holz beiziehen zu können, verfügt die Maschine über eine Eintrommelwinde mit 18 t Zugkraft. Eine ungewöhnliche, aber praktikable Lösung ist der Seilauslass, der unten in den Hauptarm des Krans integriert wurde.

Auch mit Fahrfunk

Daneben bietet die Clohse Group die Maschine mit hydraulisch verstellbaren Bergstützen, mit Rückekranen und Doppeltrommelwinden an. Erste Wahl bei den Rückekranen sind verschiedene Modelle von Epsilon bis hin zum X 120 R72 mit diversen Reichweiten. Bei den hydraulisch angetriebenen Seilwinden hat Clohse für den französischen Markt bisher Doppeltrommelwinden der Firmen CMC und CCM mit 2 × 16 t Zugkraft und bis zu 220 m Seillänge verbaut. Nicht zuletzt ist der 602 neben der Funksteuerung für die Seilwinde auch mit Fahrfunk erhältlich.

In Belgien und Frankreich wurden bisher fünf Exemplare des Tigercat 602 verkauft. Aufgebaut wird die Forstausstattung von Partnerbetrieben. In Frankreich ist das die Firma Foretmat, in Deutschland verhandelt die Clohse Group gerade mit einem Partner.

Oliver Gabriel

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