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Die DLG-Waldtage als Freilandausstellung mit praxisnahen Vorführungen und einem umfangreichen Fachprogramm bieten noch bis zum 15. September Gelegenheit, sich über aktuelle Entwicklungen und Trends rund um das Thema Forstwirtschaft zu informieren.

DLG-Waldtage 2019 eröffnet

Auf den DLG-Waldtagen 2019 vom 13. bis zum 15. September in Lichtenau (Westfalen) stehen die Themen Waldbau im Klimawandel und forstliche Boden- und Wegebearbeitung im Fokus – ergänzt durch tägliche Live-Vorführungen und Fachvorträge auf dem 13. Briloner Waldsymposium.

Die DLG-Waldtage 2019 sind eröffnet. Mehr als 200 Aussteller aus zehn Ländern präsentieren auf einer 50 ha großen Wald- und Wiesenfläche in Lichtenau (Westfalen) ein einzigartiges Angebot rund um die effiziente Bewirtschaftung von Privat- und Kommunalwald. „Die Energiestadt Lichtenau, mit seinen 15 Gemeinden Hauptstadt der Windenergie, ist somit in den nächsten Tagen der Branchentreffpunkt“, erklärte DLG-Vizepräsident Philipp Schulze-Esking bei der heutigen Eröffnungsfeier.

Aktuelle Waldkrise im Fokus der Eröffnungsreden

„Die Bundesrepublik ist in Sachen Wald gleich zweimal Spitzenreiter: Sie ist nicht nur das waldreichste Land Mitteleuropas, sondern auch das holzreichste Land in ganz Europa“, betonte Schulze-Esking und ergänzte: „Rund 11,4 Mio. ha, und damit fast ein Drittel der Gesamtfläche Deutschlands, sind mit Wald bedeckt.“ 1,1 Mio. Menschen seien in den Bereichen Forst und Holz beschäftigt und damit deutlich mehr als im Maschinen- und Anlagenbau oder in der Automobilindustrie. „Vor allem im ländlichen Raum ist die Forstwirtschaft eine wichtige wirtschaftliche Säule, die für Beschäftigung und Wertschöpfung sorgt – eine Waldbewirtschaftung getreu dem Motto ‚Schützen durch Nützen‘ vorausgesetzt“, sagte der DLG-Vizepräsident.

Gerade aber in den letzten Monaten und vor allem in der nahen Zukunft werde die Branche aber auf eine harte Probe gestellt. Der Sturm „Friederike“ und die jetzt über zwei Jahre anhaltende Trockenheit setzten dem Wald stark zu. „Die Wörter Dürre, Borkenkäfer, Kalamität oder Flächenräumung sind starke Anwärter zum forstlichen Unwort des Jahres 2019“, so Schulze-Esking.

Nahezu die Hälfte des deutschen Waldes sei Privatwald, der überwiegend kleinstrukturiert ist. Nach dem Kartellurteil, der Schaffung neuer Strukturen in der Holzvermarktung und in Zeiten einer Überschwemmung des Holzmarktes stünden viele Waldbesitzer vor teils scheinbar unlösbaren Aufgaben, führte der DLG-Vizepräsident aus. Diese beträfen nicht nur sie, sondern insbesondere auch die nachfolgenden Generationen. Die jetzige Identifikation neuer, ökonomisch tragfähiger Geschäftsmodelle für den Privatwald stelle die Branche ebenso vor eine Herausforderung wie die fachgerechte Wiederaufforstung zur Anpassung an den Klimawandel.

Um die Potenziale des Waldes zur Reduktion von Treibhausgasen und als Holzlieferant weiterhin nutzen zu können, sei eine nachhaltige und zukunftsorientierte Waldbewirtschaftung unabdingbar. Eine Waldbewirtschaftung, die nicht auf romantisierenden, jegliche Art von Eingriffen ablehnenden Vorstellungen basiere, so Schulze-Esking weiter. Wissenschaftliche Erkenntnisse und individuelle, an die jeweiligen Standortbedingungen angepasste Konzepte, müssten als Maßstab für eine nachhaltige Forstwirtschaft dienen. Das bedeute auch, vorhandene Möglichkeiten ausschöpfen zu können und beispielsweise Roteichen, Douglasien und Küstentannen nicht einer faktenbefreiten Diskussion um heimisches Holz zu opfern, unterstrich Schulze-Esking.

Die DLG-Waldtage als Freilandausstellung mit praxisnahen Vorführungen und einem umfangreichen Fachprogramm seien die ideale Plattform, um sich über aktuelle Entwicklungen und Trends rund um das Thema Forstwirtschaft zu informieren und Antworten auf die Herausforderungen der Branche zu finden. „Sie bieten eine einzigartige Informations- und Kommunikationsplattform für private Waldbesitzer, darunter zahlreiche Landwirte mit Waldbesitz, Brennholzselbstwerber, kommunale Waldbesitzer und viele weitere Fachleute aus dem Bereich Forst und Holz“, so der Vizepräsident der DLG abschließend.

Dr. Heinrich Bottermann, Staatssekretär im Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, richtete in Vertretung für Ministerin Ursula Heinen-Esser ein Grußwort zur Eröffnung der DLG-Waldtage an das Auditorium. Dabei betonte er die Bedeutung einer multifunktionalen Forstwirtschaft: „Der Wald liefert einen wertvollen nachwachsenden Rohstoff, bietet Tier- und Pflanzenarten Lebensraum, schafft Arbeitsplätze im Cluster Forst und Holz, dient der Erholung, spendet Trinkwasser, filtert die Luft, hat positive Wirkungen auf das Lokalklima und speichert CO2. Die verheerenden Schäden durch Sturm, Dürre und Borkenkäfer erfordern jetzt alle Kraft, diese Funktionen auch für die Zukunft sicherzustellen. Neben der Ad-hoc-Hilfe bei der Aufarbeitung der Schäden ist es ein wichtiges Anliegen der Landesregierung, auch die Wiederbewaldung und den Aufbau stabiler und klimafester Wälder zu unterstützen.“

Hans-Georg von der Marwitz, Vorsitzender des AGDW – die Waldeigentümer, wies in seinem Grußwort darauf hin, dass der Klimawandel für die Branche nicht neu ist, und sich Waldeigentümer und Forstwirtschaft bereits seit Jahrzehnten im Waldbau darauf einstellten. Die gesamte Forstbranche müsse nun zusammenstehen, um die Herausforderungen der vergangenen zwei Jahre mit Dürre und den Folgeschäden bei inzwischen allen Baumarten zu meistern. „Unabhängig von der aktuellen Krise im Wald brauchen wir langfristige Lösungen, um die Wälder weiterhin auf die Auswirkungen des Klimawandels einzustellen“, so von der Marwitz.

Georg Schirmbeck, Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrats, sagte, dass der Deutsche Forstwirtschaftsrat ein umfassendes Maßnahmenpaket für den Walderhalt und Anpassung der Wälder an den Klimawandel vorgelegt habe. „Es ist mir sehr wichtig, dass jetzt notwendige Soforthilfemaßnahmen beschlossen werden und gleichzeitig eine langfristige Strategie zur zukunftsfähigen Waldentwicklung auf den Weg gebracht werden“, so Schirmbeck.

V. l.: Manfred Müller, Hans-Georg von der Marwitz, Dr. Christof Bartsch, Heinrich Bottermann, Josef Hartmann, Georg Schirmbeck, Andreas Wiebe, Philipp Schulze-Esking, Dr. Philipp Freiherr Heereman
V. l.: Manfred Müller, Hans-Georg von der Marwitz, Dr. Christof Bartsch, Heinrich Bottermann, Josef Hartmann, Georg Schirmbeck, Andreas Wiebe, Philipp Schulze-Esking, Dr. Philipp Freiherr Heereman Foto: M. Steinfath

Podiumsdiskussion mit lokalen Partnern

Im Rahmen einer Podiumsdiskussion, die von dem ehemaligen WDR-Redakteur Michael Blaschke, jetzt beim Landesbetrieb Wald und Holz Nordrhein-Westfalen, moderiert wurde, stellten die Teilnehmer ihre Positionen und Visionen zur aktuellen Situation vor.

Manfred Müller, Landrat des Kreises Paderborn, wies auf die wichtige Rolle des Waldes für die Erholung der Menschen hin, der deswegen besonderen Schutz bedürfe und großen gesellschaftlichen Nutzen stifte. „Wir Menschen brauchen den Wald, sie wollen ihn erleben – aber braucht der Wald auch uns Menschen?“, stellte er provokativ in die Runde.

„Die durch Stürme, Hitze, Dürre und Schädlinge ausgelöste derzeitige Waldsituation stellt die Forstbetriebe, so auch den großen Forstbetrieb der Stadt Brilon, vor vielfältige Herausforderungen“, betonte der Bürgermeister der Stadt Brilon, Dr. Christof Bartsch. Neben die Aufgaben der Schadensbeseitigung, der Schadensprophylaxe, zunehmenden Anforderungen an die Verkehrssicherung aufgrund vorgeschädigter Bestände und einer einigermaßen wirtschaftlich sinnvollen Vermarktung stelle sich die Frage, wie in Zukunft ein ‚richtiger‘ Waldumbau aussehe. „In Quantität und Qualität gilt es, die Kräfte zu bündeln; d. h., dass finanzielle Hilfen allein nicht ausreichen werden, sondern auch Wissenstransfers und gemeinsames Handeln gefordert sind“, so Bartsch.

„Nachhaltigkeit wird bei uns nicht nur im Energiebereich sondern auch bei der Bewirtschaftung des Waldes groß geschrieben“, sagte Josef Hartmann, Bürgermeister der Stadt Lichtenau. „Schon nach ‚Kyrill‘ haben wir 75 ha ehemaliger Fichtenflächen erfolgreich durch Laubhölzer ersetzt.“

Dr. Philipp Freiherr Heereman vom Waldbauernverband Nordrhein-Westfalen, wies darauf hin, dass der Wald jetzt zwar ein Opfer sei, er aber auch der Retter im Klimawandel sein könne. Nur der bewirtschaftete Wald und eine moderne Holz- und Bauwirtschaft könnten durch Bindung von CO2 hier helfen. Die Aussteller der DLG Waldtage würden zeigen, dass sich die deutsche Forst- und Holzwirtschaft durch Forschung, Technik und Innovation diesem Problem erfolgreich stellen kann. Er betonte: „Wenn nicht wir, wer denn sonst?“ Insgesamt gesehen seien aber Frieden und Wohlstand in einer Gesellschaft die beste Versicherung für einen umsetzbaren Klimaschutz.

Andreas Wiebe vom Landesbetrieb Wald und Holz Nordrhein-Westfalen stellte die Personalsituation in den Mittelpunkt: „Wir stehen in den nächsten Jahren vor einer Herkulesaufgabe und brauchen jetzt zusätzliches, gut ausgebildetes forstliches Personal. Dem Wald im Klimastress und den Waldbesitzerinnen und Waldbesitzern zu helfen, hat jetzt vor allen anderen Aufgaben die höchste Priorität. Die Borkenkäferkalamität wird uns noch bis 2023 beschäftigen.“

Hintergrund

Die DLG-Waldtage 2019 werden von der DLG in enger Zusammenarbeit mit dem Kommunalwaldbetrieb Brilon, dem Waldbauernverband Nordrhein-Westfalen, dem Landesbetrieb Wald und Holz Nordrhein-Westfalen sowie mit den Fachpartnern Raiffeisen Waren-Zentrale Rhein-Main eG durchgeführt. Die Schirmherrschaft haben Ministerin Ursula Heinen-Esser, Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen und Hans-Georg von der Marwitz von der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände e. V. übernommen.

Die DLG-Waldtage laufen noch bis einschließlich Sonntag, den 15. September 2019.

Quelle: DLG

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