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Die Winter-Linde ist Baum des Jahres 2016

Die Winter-Linde ist Baum des Jahres 2016

Dr. Silvius Wodarz, Präsident der Baum des Jahres Stiftung hat am 15. Oktober in Berlin die vom Kuratorium Baum des Jahres vorgeschlagene Winter-Linde (Tilia cordata), zum Baum des Jahres 2016 ausgerufen. Die Schirmherrschaft hat Gitta Connemann, MdB, stellvertretende Vorsitzende der CDU Bundestagsfraktion, übernommen. Als Deutsche Baumkönigin 2016 stellte sich die Forststudentin Lil Wendeler bei der Feier im Berliner Zoo vor.

Linden sind die häufigste Baumart Deutschlands und Mitteleuropas in Stadt und Landschaft. Die Stiftung würdigte damit die Winter-Linde als Baum mit den vielfältigsten Verwendungsmöglichkeiten, der höchsten Wertschätzung und der größten Bedeutung in der Mythologie.
Wer kennt und liebt sie nicht, die Linden?
Am bekanntesten sind sicherlich die beiden Schwestern: die starkwüchsige Sommer-Linde (Tilia platyphyllos) und die etwas zierlichere Winter-Linde (Tilia cordata). Die Sommer-Linde war bereits 1991 einer der ersten Bäume des Jahres.
Der auch für Nichtfachleute augenfällige Unterschied zwischen Winter- und Sommer-Linde liegt in deren Wuchshöhe und in der Form der Blätter. Die Winter-Linde wird nur etwa 15 bis 25 m hoch, wohingegen Sommer-Linden über 40 m hoch werden können. Ihre großen Blätter und ihr hoher Wuchs geben so viel Schatten, dass diese Bäume früher häufig an Gerichtsplätzen, Tanzstätten oder kultischen Orten angepflanzt wurden. Die Blätter der Sommer-Linde sind herzförmig und bis zu 12 cm lang. Die Blätter der Winter-Linde, auch Kleinblättrige Linde genannt, sind im Umriss fast kreisrund. Die Krone der Winter-Linde, ihr Habitus, hat die Form eines Herzens mit der Spitze nach oben. Mit ihrer leuchtend goldgelben Herbstfärbung ist sie der Schmuck vieler Gärten und Parks.
Der Stamm der Linden kann mehrere Meter dick werden. Die stärksten Linden sind allerdings Sommer-Linden wie z.B. das Riesenexemplar in Heede im Emsland mit 18 m Stammumfang. Eine der wohl stärksten Winter-Linden steht bei Rochlitz/Mittelsachsen mit einem Stammumfang von etwa 9 m.
Die Blüten der Winter-Linde öffnen sich zur Freude der Imker erst im Juli, daher auch der deutsche Name Spät-Linde. Wenn Linden blühen, kann man schon auf größere Entfernung ihren charakteristischen Honigduft wahrnehmen.
Die Wurzeln entwickeln ein Herzwurzelsystem und passen in der Gestalt zur Krone. Wird eine Winter-Linde gefällt, treibt sie sehr stark aus dem Stock wieder aus.
Das Heimatareal der Winter-Linde erstreckt sich über ganz Europa (außer dem hohen Norden). Die beiden Schwestern unterscheiden sich bei ihren Ansprüchen an Licht, Wasser, Wärme und Nährstoffe. Grundsätzlich ist die Sommer-Linde die anspruchsvollere.
Die Linden haben eine hohe Schattentoleranz, die bei der waldbaulichen Behandlung der Linden von Bedeutung ist. Sie gedeiht mit dieser Eigenschaft auch unter älteren Bäumen. Weil sie zum Beispiel die Stämme von Eichen „ummantelt“, das heißt beschattet, hält sie sie „astrein“. Diese dienende Funktion nutzt man im Waldbau.
Schon im Juli findet man unter blühenden Linden häufig viele tote Hummeln. Dies noch mehr unter Winter-Linden, da sie etwa zwei Wochen später blühen als die Sommer-Linden. Der Grund ist erstaunlich: Die spät blühenden Linden üben eine starke Lockwirkung auf die Hummeln aus, zumal im Spätsommer die Nahrungsquellen schon versiegen. Um Hummeln zu fördern müssten also mehr Winter-Linden gepflanzt werden, aber auch blühende Wiesen und ein insgesamt abwechslungsreiches Nahrungsangebot im Hoch- und Spätsommer wäre günstig.
Die Krone ist ein beliebter Lebensraum von Vögeln, Pilzen und der Laubholzmistel. Das Holz von Winter- und Sommer-Linde ist mit herkömmlichen Mitteln nicht zu unterscheiden.
Das Holz ist hell, weich und relativ leicht. Es ist das beste Schnitzholz. Aus Lindenholz sind die meisten Altar- und Wandfiguren in Kirchen – es wird daher auch als Sakral- oder „Heiligenholz“ (Lignum sanctum) bezeichnet.
Als Stadtbaum ist die Linde sehr beliebt. Sie ist eine wichtige Bienenweide, zudem sehr anspruchslos und tolerant, was den Standort angeht. Linden haben kaum Krankheiten oder Schäden und erreichen ein hohes Lebensalter (bis zu 1000 Jahre). Ärgerlich für den Menschen kann allerdings der aus Lindenkronen tropfende Honigtau werden. Die Zuckerwasser-Tröpfchen sind zwar vollkommen unschädlich, machen aber Fahrräder, Autos und Bänke für kurze Zeit klebrig. Der Belag ist jedoch mit Wasser leicht abzuwaschen.
Linden sind geeignet für Alleen, Parkplätze, Parks, Fußgängerzonen, große Gärten und als Hausbaum. Dorflinden, Gerichtslinden, Kirchlinden, Tanzlinden und Hoflinden, aber auch Sagen, Gebräuche und Ortsnamen zeugen von einer jahrhundertelangen vielseitigen Bedeutung der Linden. Tanzlinden sind etwas besonders Schönes. In die Krone der Linde wurde ein Tanzboden eingebaut, den man über Treppen/Leitern erreichte. Besonders schöne Exemplare, in denen auch heute noch gefeiert wird, stehen in Effelder (Thüringen) und Effeltrich (Bayern). In Limmersdorf (Oberfranken) gibt es sogar ein Tanzlindenmuseum.
In der Naturheilkunde haben vor allem die Lindenblüten große Bedeutung: Lindenblütenhonig, aber auch Lindenblütentee und -umschläge, sogar Öl wird aus Lindenblüten hergestellt.
Die Linde ist das Symbol ehelicher Liebe, der Güte, der Gastfreundschaft und Bescheidenheit. Der häufigste Gasthausname in Deutschland ist mit über 1000 Nennungen „Zur Linde“ und zahlreiche Orts- und Personennamen gehen auf die Linde zurück.
 

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Kuratorium Baum des Jahres

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