Baum und Natur

Die Vogelbeere (Sorbus aucuparia)

Bearbeitet von Mirjam Kronschnabl-Ritz

Name

(Sorbus aucuparia), Eberesche, Drosselbeere, Quitsche, Nielesche, Mooseisch….

Vorkommen der Vogelbeere

Die Vogelbeere kommt in Gebüschen, an Waldrändern, auf Lichtungen, Brachflächen und auf Kahlschlagsplätzen vor. Letzteres zeigt auf, dass sie wie die Birke und die Weide zu den Pionierbaumarten gehört. Sie ist frosthart und in ihren Anforderungen an den Boden anspruchslos. Als Licht- und Halbschattengewächs bevorzugt sie vor allem feuchte Steinböden, Hochmoore und Heiden.

Beschreibung und Biologie der Vogelbeere

Die Vogelbeere ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Mehlbeere (Sorbus) und gehört zur Familie der Rosengewächse (Rosaceae).

  • Baum: Die Vogelbeere ist ein wenig verzweigter Baum mit ovaler bis rundlicher Krone. Ebereschen werden in der Regel 80 Jahre alt, selten, und dann vor allem wenn sie im Gebirge vorkommen, können sie auch 120 Jahre alt werden. Die durchschnittliche Wuchshöhe beträgt 15m. Obwohl sie 25m erreichen könnte, schafft sie es in den seltensten Fällen, da ihre Beeren als beliebtes Futter für wilde Pflanzenfresser ganz oben stehen. Ein weiterer Grund sind oftmals konkurrierende Gehölzarten oder die starke Beschattung. Die Eberesche betreibt auch Stockausschläge. Die Rinde einer ausgewachsenen Eberesche ist grau und besitzt die für Rosengewächse typische Querbänderung.
  • Knospe und Blatt: Die Blätter sind unpaarig gefiedert und können bis zu 20cm lang werden.
  • Blüte: Die Blütendolden sind weiß und verbreiten einen, von vielen Menschen als unangenehm empfundenen, Duft. Blühzeit ist im Mai.
  • Früchte: Ab August trägt die Eberesche erbsengroße, scharlachrote Früchte. Diese Früchte gehören im botanischen Sinne zu den Apfelfrüchten, obwohl sie im Volksmund „Beeren“ genannt werden. Die Früchte bleiben häufig bis in den Winter hinein am Baum. Wird der Baum als Ziergehölz verkauft, gibt es Sorten mit extra starken Bitterstoffen in den Früchten, um die Vögel davon fernzuhalten.
Die Blüte der Vogelbeere von Mai bis Juni ist vergleichsweise von kurzer Dauer. Foto: M. Schuppich – stock.adobe.com

Ökologie der Vogelbeere

Besonders für Vögel und Kleinsäuger ist die Eberesche einer der wichtigsten Bäume im Wald und Garten. Die Früchte werden u.a. von Spechten, Kleiber, Buchfink und Meisen verspeist. An den Trieben und Knospen bedient sich v.a. das Schalenwild. Im Gesamten betrachtet, trägt sie stark zur Biodiversität im Wald bei.

Geschichte und Mythologie

Die Vogelbeere wird im Alltagsgebrauch eher Eberesche oder Vogelbeerbaum genannt, da ihre Blätter, die der Esche (Fraxinus excelsior) ähneln. Der vorangegangene Wortteil „Eber“ leitet sich in aller Wahrscheinlichkeit von der Bezeichnung für das männliche Schwein ab, da die Früchte der Vogelbeere früher zur Schweinemast verwendet wurden. Der wissenschaftliche Name aucuparia wird aus ‚au‘ (avis = der Vogel) und ‚cuparia‘ (capere= fangen) gebildet und stammt daher, dass die roten Beeren früher häufig als Köder beim Vogelfang eingesetzt wurden.

Auch in der Mythologie wird die Eberesche mehrmals genannt. In germanischen galt sie als Baum des Donnergottes Thor. In einer Saga soll sie Thor aus einem reisenden Fluss geholfen haben, nachdem er einen Zweig des Baumes ergriff. Im Norwegischen heißt die Vogelbeere bis heute „Thorsbjörg“ (Thors Begegnung). Im Deutschen Volksglauben wurden Kränze aus Vogelbeeren vor die Fenster und an die Dachstühle gehängt, um Blitze und Unwetter abzuhalten. Bei den Kelten galt Sorbus als spiritueller Baum, der an ihren Heiligen Plätzen wuchs, und aus dem die Druiden ihre Stäbe schnitzten.

Heilkunde

Die Vogelbeeren enthalten viel Vitamin C und viele sekundäre Pflanzenstoffe. Daher wirken sie u.a. gegen Entzündungen der Haut, der äußeren Schleimhäute, sowie des Halses. Auch gegen Verdauungsprobleme und zur Vorbeugung bei Erkältungen und Herzkreislauferkrankungen kann die Vogelbeere helfen. Die in den Früchten enthaltene Sorbose diente früher als Zuckerersatz. Früher wurde daraus Sorbit gewonnen, der auch für Diabetiker geeignet ist. Heute stellt man den Stoff industriell her.

Die roten Früchte werden im Herbst reif. Werden sie nach dem ersten Frost geerntet, schmecken sie nicht mehr bitter, sondern aromatisch süß. Foto: pixs:sell – stock.adobe.com

Verwendung und Holznutzung

Die Früchte selbst werden oft als zu bitter wahrgenommen. Roh sollten sie nicht verzehrt werden, da sie Bauchschmerzen auslösen können. Gekocht kann man aus ihnen allerdings wunderbare Gelees, Liköre und Marmeladen zaubern. Giftig sind die Früchte aber zu keiner Zeit.

Das fein strukturierte Holz der Vogelbeere ist hart und dennoch elastisch. Weiterhin wird das Holz als gut biegsam eingestuft. Die Bearbeitung von Vogelbeeren-Holz ist einfach, da es keinerlei Probleme hinsichtlich Sägen, Glätten, Schleifen und Polieren gibt. Trotz der guten Eigenschaften wird es nur regional verwendet. Da es farblich ansprechend und schön gezeichnet ist, kann man das Holz in massiver Form, aber auch als Furnier zur Möbelherstellung im Innenbereich verwenden. Im Außenbereich wird es dagegen nicht eingesetzt. Weitere Einsatzmöglichkeiten sind, Sitzmöbel, Türen, Fertigparkett und Wände.

Holzpreise

Die Vogelbeere/Eberesche landet, wenn sie keine reine dienende Funktion für den Hauptbestand hat, zumeist im Brennholz und erzielt dort die üblichen Preise von 50 – 60 €/Fm. Sehr selten schafft es ein Stamm auf eine Submission und kann dort als Drechselholz Preise von über 100 €/Fm erzielen. Bisweilen wird die Vogelbeere zusammen mit Speierling und Elsbeere unter den Handelsnamen „Schweizer Birnbaum“ geführt.

Blick in die Zukunft

Die Eberesche gilt als robust und anpassungsfähig, verträgt allerdings die Hitze nicht besonders gut. Kühle-luftfeuchte Lagen mag sie daher am liebsten. Ein funktionierendes Waldinnenklima ist besonders wichtig, um die Eberesche langfristig zu etablieren. Im Zuge des Klimawandels wird sie aufgrund der nicht vorhandenen Hitzeresistenz eher weniger eine Rolle spielen. Für die Forstwirtschaft kann sie dennoch nützlich sein, da sie in Buchenverjüngungen die Verbissschäden durch das Wild niedrig hält.

„Wussten Sie“

Unter der glatten Rinde der Zweige befindet sich Chlorophyll. Das nutzt der Baum, um bereits vor dem Laubaustrieb Photosynthese zu betreiben. So ist es der Eberesche möglich, auch in höheren Lagen zu überleben.

Quellen:

  • Mayer, Schwegler; Welcher Baum ist das?
  • Reader´s Digest; Wegweiser durch die Natur
  • Internetrecherche: Materialien von LfL Bayern, Utopia, Baumkunde,
Mirjam Kronschnabl-Ritz