Forstpolitik

Länder werben Forstmaschinenfahrer ab

Bearbeitet von Oliver Gabriel

Eigentlich wollte sich der Gesamtvorstand des Deutschen Forstunternehmer-Verbandes schon im April treffen. Die Pandemie hat dies verhindert, so bei wie praktisch allen forstlichen Terminen. Die Unternehmer waren daher froh, sich am 8. und 9. Oktober endlich wieder persönlich treffen zu können.

Drei neue Gesichter markierten den Anfang der Tagung des Deutschen Forstunternehmer-Verbandes (DFUV). Geschäftsführer Dr. Maurice Strunk konnte trotz steigender Corona-Infektionen zwar nicht alle, aber doch einen Großteil der Mitglieder in Alsfeld-Eudorf begrüßen. Ihnen stellte er zunächst die Forststudentin Marlen Brinkord vor. Sie verstärkt seit dem 1. September in Teilzeit die Geschäftsstelle in Göttingen und entlastet Dr. Strunk von administrativen Aufgaben.

Ein Neuling war desweiteren Reiner Linnig von der Firma Pewag Schneeketten, die im DFUV den Kreis der Forsttechnikanbieter verstärkt. Dritter im Bunde war Forstunternehmer Ralf Kremer, der sich in Oberfranken seit Jahren beispielhaft für die Belange der Forstwirtschaft einsetzt. Wie der weitere Verlauf zeigte, kann dieses Plus an Schlagkraft nicht schaden, denn die Aufgaben sind groß, und der Raum für Betätigung ist weit.

Keine Entschädigung für ASP

Beispiele dafür gaben die Berichte aus den Bundesländern. In Brandenburg etwa ist am 10. September das erste mit der Afrikanischen Schweinepest (ASP) infizierte Wildschwein aufgetaucht. In drei Landkreisen gibt es bis heute 71 bestätigte Fälle. Sylvia Settekorn berichtet, dass die Seuche auch die Forstunternehmer betrifft, denn in einem Umkreis von 25 km um den ersten Fundort herum (Gefährdete Zone) ist die forstwirtschaftliche Nutzung seitdem nur eingeschränkt möglich. Forstliche Tätigkeiten wie das Auszeichnen, die Pflanzung, das Rücken mit Pferden oder die Holzabfuhr bleiben zwar erlaubt, der Maschineneinsatz aber nicht.

Anders als Landwirte und Waldbesitzer werden Forstunternehmer darüber hinaus nicht für Einnahmeausfälle entschädigt. Die Verantwortlichen in Brandenburg haben diese Lücke mittlerweile erkannt – für eine Lösung muss sich aber der DFUV einschalten, denn die Seuche wird kaum dauerhaft in Brandenburg bleiben.

Landesforsbetriebe werben Fahrer ab

Auch in Mecklenburg-Vorpommern gibt es Arbeit. Wie Dirk Reishaus berichtet, hat der Landesforstbetrieb wieder zwei Holzerntemaschinen gekauft – und sucht nun per Stellenausschreibung Fahrer. Dabei hat das Land in Gesprächen immer ausgeschlossen, Personal bei den Forstunternehmern abzuwerben.

DFUV-Vorstand Norbert Harrer kennt das auch aus Bayern. Er weiß vor allem, dass die Forstunternehmer die Fahrer in solchen Fällen kaum halten können, denn beim Staat sei das Nest wärmer, lockten weniger Stress und Pendelei. Sein Vorstandskollege Dr. Micheal Sachse will mit dem DFUV bei diesem Thema einhaken und bezieht die staatlichen Maschinenkäufe mit ein. In der weiteren Diskussion bemängeln einige Teilnehmer die hohen Rabatte für staatliche Abnehmer.

Die Händler weisen das zurück: Das sei normale Preispolitik, in deren Genuss auch private Unternehmer bei entsprechenden Stückzahlen kommen könnten. Wilfried Möhler von WFW weist zudem darauf hin, dass die Ausschreibungskonditionen bei staatlichen Ausschreibungen keineswegs verlockend seien. Am Ende einigte sich die Versammlung darauf, den aktuellen Maschinenbestand der Staatsbetriebe zu erheben. Ein Hebel, um dagegen vorzugehen, sind aus Sicht von Dr. Strunk die Landesrechnungshöfe. Die Niedersächsischen Landesforsten haben mit dem ihrem bereits Erfahrungen gemacht.

Eine Branche im Wandel

Im Hinblick auf die wirtschaftliche Situation zeigen die Länderberichte unterschiedliche Tendenzen und spezifische Probleme. Festhalten kann man insgesamt das schlechte Holzpreisniveau, das vor allem den Privatwald dazu veranlasst, sich beim Einschlag zurückzuhalten – sofern die staatliche Förderung dem nicht entgegenwirkt. In den Schadholzgebieten gibt es weiter Arbeit ohne Ende. Jedoch melden mehrere Teilnehmer wieder ein sinkendes Niveau bei den Dienstleistungspreisen.

Aus Brandenburg hört man von Abschlüssen unter 10 €/Fm frei Waldstraße. In Thüringen haben die Forstunternehmer bei der Nadelholzernte in den letzten zwei Jahren mit 20 bis 25 €/ Fm in befahrbaren Lagen auskömmlich verdient. Langsam gehe der Preis aber auf 15 €/Fm zurück. Christoph Kraas aus NRW befürchtet, dass der Preiskampf bald wieder losgehen dürfte.

Wegen des schlechten Holzabflusses kaufen in einigen Regionen große Forstunternehmen das Holz für 1 €/Fm auf dem Stock. Diese Holzmengen fehlen dann den Dienstleistern. Die Firmen kommen auch aus Österreich, dem Baltikum oder Finnland, wobei letztere dazu übergehen, deutsche Niederlassungen zu gründen. Ralf Dreeke von Wahlers Forsttechnik weiß allein von 40 bis 50 ausländischen Ponsse-Maschinen, die in Deutschland arbeiten.

Abgesehen davon, dass diese Unternehmen eher kein Bioöl fahren und nicht zertifiziert sind, fragt er sich, was sie hier vorhaben. Die Dienstleistungspreise seien es wohl eher nicht. Sie sind allerdings schlagkräftig und sehr modern aufgestellt und könnten den hiesigen Dienstleistern noch Kopfzerbrechen bereiten. Dreeke sieht insgesamt einen Wandel auf die Unternehmerschaft zukommen. Den kleinen, flexiblen Betrieben wird es aus seiner Sicht noch lange gut gehen, ebenso den großen Unternehmen. „Aber was ist mit dem Mittelstand dazwischen?“ fragt er.

Maschinenmarkt

Dass eine neue Zeit anbrechen könnte, zeigen auch seine Ausführungen zum Forstmaschinenmarkt. „Die Party wird bald vorbei sein“, lautet sein Resumee. Der Neumaschinenmarkt in Deutschland nahm in den letzten Jahren zwischen 300 bis 350 Harvester und Forwarder auf. Dazu kamen noch Grauimporte und die Forstschlepper. Allerdings ist die Nachfrage dieses Jahr soweit gesunken, dass die Lieferzeiten nicht mehr zwölf, sondern nur drei bis vier Monate betragen.

Er schätzt, dass die weltweite Nachfrage um 20 bis 30 % nachgeben wird, und dass die Forstunternehmen ihre Maschinenbestände in zwei bis drei Jahren abbauen werden. Für die Händler sei das verkraftbar, wenn es sich dabei um hochwertige Maschinen handelt, die man gut ins Ausland verkaufen kann. Das ist bei deutschen Gebrauchtmaschinen meist der Fall. Trotzdem kann das nur klappen, wenn die weltweite Konjunktur es erlaubt.

Förderung für Forsttechnik

Zusammen genommen trifft es es sich daher gut, dass die Bundesregierung wegen der Corona-Pandemie ein Konjunkturpaket geschnürt hat, von dem auch die Forst- und Holzwirtschaft mit 700 Mio. € profitiert. 500 Mio. € sind für die privaten und kommunalen Waldbesitzer vorgesehen, 150 Mio. € für die Holzindustrie und die Förderung der Holzabsatzes. Es bleiben 50 Mio. € für Investionen in Forsttechnik (Zuschuss 40 %, Darlehen 60 %). Die Förderrichtlinie soll Anfang November veröffentlicht werden. Wie Dr. Strunk erläutert, hat der DFUV erreicht, dass Harvester und Forwarder nicht in die Positivliste der Richtlinie aufgenommen werden. Auch Forstschlepper und Großhacker sind nicht enthalten. Dafür digitale Produkte aller Art, aber auch Anbaugeräte, Entrindungstechnik oder Zubehör für die motormanuelle Holzernte. Die Forstunternehmer – so der Rat von Dr. Strunk – sollten sich schnell überlegen, was sie in ihrem Betrieb benötigen und möglichst noch dieses Jahr ihren Antrag stellen.

Der Gesamtvorstand besprach noch viele weitere Themen: den aktuellen Stand bei der harvestergestützten Holzernte, das weitere Vorgehen beim Ausbildungsberuf Forstmaschinentechniker, die PEFC-Revision oder die Zusammenarbeit mit dem europäischen Verband Ceettar. Auch darüber wird noch zu berichten sein.

Oliver Gabriel