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Die Musik kommt aus den Wäldern

Die Musik kommt aus den Wäldern

Vor rund 3000 Jahren entdeckte der Mensch, dass Holz zum Klingen gebracht werden kann, die Geburtsstunde hölzerner Trommeln und Flöten. Aber erst im Mittelalter fanden Holzmusikinstrumente weitere Verbreitung. Seit Jahrzehnten hält die Geiger-Weltelite eine Stradivari für ein vollendetes Violinspiel für unverzichtbar. Das die Musik, egal welcher Stilrichtung, damit maßgeblich aus den Wäldern kommt, ist den heutigen Musikliebhabern oftmals nicht gegenwärtig.
Ausgerechnet Fichte als Musikholz
„Noch mehr überrascht, dass hierbei die Baumart Fichte, landläufig Inbegriff für Monokultur und Industrieforstwirtschaft, eine ganz maßgebliche Rolle spielte und spielt“, so Volker Gebhardt, ThüringenForst-Vorstand. Eine 8 mm starke Platte aus Fichtenholz beherbergt als Resonanzboden die Seele des Klaviers. Ebenso ist der Resonanzboden bei Contrabass, Harfe oder Violine aus Fichte. Aber auch andere Hölzer lassen Klangwelten entstehen: Ahorn bildet das Griffbrett einer Gitarre oder den Korpus eines Fagotts. Kirsche, Nussbaum, Ulme und Esche finden sich in der Harfe, Ebenholz in der Oboe.
Enger, gleichmäßiger Jahrringaufbau und lange Holzfasern
Derartige „Musikbäume“ werden auch immer wieder in den höheren Mittelgebirgslagen Thüringens gesucht, etwa im Thüringer Forstamt Oberhof. Nicht oft, die meisten Tonhölzer wachsen in Hochgebirgswäldern etwa im Karwendel-Gebirge nahe Mittenwald. Entscheidend für die Verwendung als Tonholz ist ein enger und gleichmäßiger Jahrringaufbau. Zwischen 2 bis 4 mm sollen die Jahresringe breit sein, keinesfalls mehr. Die alpinen unwirtlichen Umweltbedingungen mit kargen Böden und kurzen Sommern sind ideal um solche engen Jahrringe entstehen zu lassen. Aber damit nicht genug: Klangholz erfordert lange gerade Holzfasern. Starke und wechselhafte Winde oder gar Stürme führen zu Drehwuchs und Unregelmäßigkeiten im Holzaufbau. Förster und Holzkäufer achten deshalb insbesondere auf Standort und Wuchsbedingungen – und begutachten jeden Baumstamm stehend, noch vor der Holzernte.
Der Mythos Stradivari als klimatischer Zufall
Von den etwa 1.100 durch den italienischen Schreiner Antonio Stradivari im 18. Jahrhundert gebauten Violinen existieren heute noch etwa 600, 100 davon gelten als Spitzeninstrumente. Wissenschaftler haben den Mythos Stradivari entzaubert: Von 1.300 bis 1.850 herrschte in Europa eine „kleine Eiszeit“. Wegen der niedrigeren Durchschnitttemperaturen bildeten die Bäume so enge Jahrringe aus, wie seither niemals wieder. Die Klangqualität des Holzes war hervorragend, die handwerklichen Qualitäten des wohl berühmtesten Geigenbauers der Welt taten ihr übriges. Aktueller Schätzpreis für Stradivaris: etwa 3,5 Mio. € pro Stück.
Klanghölzer erzielen auch heute Spitzenpreise
Klanghölzer gehören, auch in Thüringen, zu den höchstbezahlten Hölzern, die ein Waldbesitzer veräußern kann. Bis zu 800 % Wertsteigerung kann eine Fichte erreichen, wird sie zum Bau von Musikinstrumenten gekauft. ThüringenForst verkauft jährlich jedoch nur 20 bis 30 Fm dieses Fichten-Klangholzes. Es bleibt damit ein ausgesprochenes Nischensortiment. Da hofft jeder Waldbesitzer mit dem norwegischen Schriftsteller Trygve Gulbranssen: „Und ewig singen die Wälder“.
ThüringenForst

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