Baum und Natur

Die Moor-Birke (Betula pubescens)

Bearbeitet von Mirjam Kronschnabl-Ritz

Name

(Betula pubescens), Haar-Birke, Besen-Birke, Glasbirke, Behaarte Birke……

Vorkommen der Moor-Birke

Die Moor-Birke kommt in den gemäßigten Klimazonen Europas und Asiens vor. Sie besiedelt feuchte bis staunasse Böden und wächst häufig in Zwischen- und Hochmooren, sowie in Anmooren. Anders als die nur in gestörten Mooren auftretende Sand-Birke ist die Moor-Birke schon in intakten Mooren ursprünglich beheimatet. (Müller-Kroehling 2018) Die Moor-Birke benötigt einen ausreichend nährstoffreichen, durchnässten und sauren Untergrund. Ihre Erscheinungsgestalt ist vielfältig, da sie im Flachland eher als Baumform, in Hochlagen jedoch als Strauchform, vorkommt. Des Weiteren findet man die Moor-Birke in Bruchwäldern, Auenwäldern und als Bestandteil feuchter Hecken. Südlich der Alpen ist es der Moor-Birke aber zu warm. (Müller-Kroehling 2019)

Beschreibung und Biologie der Moor-Birke

Die Moor-Birke ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Birken (Betula) und gehört zur Familie der Birkengewächse (Betulaceae).

  • Baum: Die Rinde der Moor-Birke ist grauweiß bis schmutzig weiß mit langen quer verlaufenden Korkwarzenbändern. Die charakteristische schwarze rissige Borke, die vom Stammfuß her nach oben wandert, bildet die Birke erst im Alter aus. Je nach Standort erreicht sie eine Höhe von 5 bis 20 m. Sie ist oft mehrstämmig und hat aufsteigende bis waagrechte Äste. Die Zweige der Moor-Birke sind – anders als bei der Hänge-Birke – nicht überhängend. In Hochlagen kommt die Birke, aufgrund von mangelnder Nährstoffversorgung, nur als Strauchform vor.
  • Knospe und Blatt: Die 4 bis 6 cm langen Blätter der Moor-Birke sind breit und eiförmig. Der Stängel sowie, zumindest in den meisten Fällen auch die Blattunterseite, weisen eine Behaarung auf. Die Oberseite des Blattes ist glänzend grün, die Unterseite hingegen mattgrün.
  • Blüte: Die Blütenstände heißen Kätzchen, wobei an den Zweigen die weiblichen unterhalb der männlichen stehen. Mit dem Laubaustrieb bildet die Moor-Birke sog. Blütenkätzchen. Diese sind, verglichen mit den Kätzchen der Hänge-Birke kleiner. Die männlichen Blütenstände hängen einzeln in kleinen Gruppen meist an den Enden der Zweige. Die Birke blüht im April und Mai. Wie alle Birken ist die Moor-Birke einhäusig getrenntgeschlechtig (monözisch).
  • Früchte: Die Samen der Moor-Birke sind ca. 3 mm groß. Man nennt sie auch Nussfrüchte oder Nüsschen. Sie sind breitgeflügelt und können so besser durch den Wind verbreitet werden. Die Früchte reifen ab August.
Der Blattgrund der Moor-Birkenblätter ist rundlich. Foto. S. Müller-Kroehling, LWF
Der Stamm der Moor-Birke kann durchaus mit dem der Sand-Birke verwechselt werden. Die Rinde der Moor-Birke hat oft noch einen Grauschleier und kann zum Teil auch weitgehend schwarz sein. Foto: S. Müller-Kroehling, LWF

Ökologie der Moor-Birke

Die Moor-Birke ist eine Lichtholzbaumart und wächst daher gern auf freien Flächen und Rohböden, was sie als Pionierbaumart wertvoll macht. Sie weist eine hohe Samenproduktion auf, wodurch sie Kahlflächen noch rascher besiedelt. Außerdem wächst sie besonders schnell. Da sie häufig in subarktischen Gebieten beheimatet ist, komm sie mit Nährstoffarmut und Kälte gut klar. In den Mooren trägt sie zur habitattypischen Artenvielfalt bei, da viele im Moor lebende Arten an die Birken im Moor gebunden sind. Die Moor-Birke hat nicht viele bei uns heimische Kahlfraß-Schädlinge. (Müller-Kroehling 2018) Allerdings ist sie stärker verbissbelastet als die Sand-Birke. Grund sind hier wahrscheinlich die weichen Triebe und die Inhaltsstoffe der Knospen und Triebe. (Müller-Kroehling 2018) In sumpfigen forstlichen „Problemstandorten“ ist sie eine mögliche Alternative zur Schwarzerle. (Müller-Kroehling 2018)

Geschichte und Mythologie

Die Moor-Birke ist ein echter Frühstarter. Sie treibt sehr früh im Jahr aus und steht daher als Symbol für den Frühling, das Leben, sowie Fruchtbarkeit und Zähigkeit. Der Name Birke leitet sich von der keltischen Gottheit Birgit ab. Sie ist die Göttin der Pflanzenwelt und der Wiedergeburt des Feuers.

Die alten Germanen verwendeten die Birke als Zeltabdeckung und stellten aus ihr Kleidung und Schuhe her. Auch wasserdichte Gefäße ließen sich mit den Birkenruten fertigen.

In vielen Teilen Deutschlands wird die Birke heute als „Maibaum“ verwendet. Das geht, wie so vieles, auf die Kelten zurück. Im keltischen Baumkalender steht die Birke als Zeichen des Anfangs. Diesen Anfang begehen die Menschen im Mai, wenn sie die wiedererwachte Natur nach der Winterzeit feiern. Früher legten junge Männer einen Birkenzweig oder stellten ein kleines Birkenbäumchen vor das Haus ihrer Angebeteten. Dies war ein ernster Liebesbeweis und galt als symbolischer Heiratsantrag.

Heilkunde

Die Blätter der Moor-Birke enthalten viel Vitamin C und ätherische Öle. Sie werden vielseitig eingesetzt. Tees aus Birkenblättern bewirken eine vermehrte Ausscheidung von Salzen und Wasser, weswegen sie vor allem bei Entzündungen der Harnwege oder auch der Nieren verwendet werden. Auch gegen Gicht und Rheuma können sie aufgrund ihrer harnsäuresenkenden Wirkung helfen. In Frühlingssalaten machen sich die jungen Birkenblätter besonders gut.

Bekannt ist auch das Birkenwasser, das seit vielen Jahrhunderten genutzt wird, da der Saft frei von Nebenwirkungen ist. Der Saft kann pur getrunken werden und soll entzündungshemmend und cholesterinsenkend wirken. Nach altem Glauben stärkt Birkenwasser das Immunsystem und hilft gegen Haarausfall. Als Haarwasser verwendet soll der Sud von Birkenblättern, aber auch das Birkenwasser gegen Schuppen und trockene Kopfhaut wirken.

Der Birkensaft soll gegen vielerlei Beschwerden helfen. Der Saft enthält viele wichtige Nährstoffe. Durch den natürlichen Gehalt an Xylit schmeckt der Saft leicht süßlich. Foto: Александр Довянский – stock.adobe.com

Verwendung und Holznutzung

Das Holz der Moor-Birke weist kaum Maserung auf und ist fast weiß. Es lässt sich leicht bearbeiten und wird daher gern im Möbelbau eingesetzt, jedoch nur im Innenbereich, da sich das Birkenholz unter fäulnisfördernden Bedingungen sehr schnell zersetzen kann. Sichtöfen-Liebhaber verwenden die Birke gerne als Brennholz. Die Gründe sind vielseitig: Birkenholz brennt schneller, schlägt kaum Funken und auch das ansprechende Flammenbild (bläulich-hell) ist sehr beliebt. Durch die enthaltenen ätherischen Öle im Birkenholz verströmen die Scheite im Kamin oder Ofen einen angenehmen Geruch. Birkenholz ist das einzige Holz, das auch in nassem Zustand brennt. Aus Birkenholz werden zudem Sportgeräte, Musikinstrumente und Stiele für Bürsten und Pinsel hergestellt.

„Willst du schöne Flammen sehen, musst du Birkenwälder suchen gehen“ – Birkenholz gilt aufgrund des schönen Flammenbildes als beliebtes Brennholz. Foto: ratmaner – stock.adobe.com

Ein weiteres bekanntes Erzeugnis der Birke ist das Birkenpech. Es entsteht durch die trockene Destillation der Birkenrinde. Früher wurde es als Kaugummi oder Klebstoff eingesetzt. Auch als Abdichtmittel, v. a. beim Bau von Holzschiffen oder Holzfässern, sowie beim Bau von steinzeitlichen Waffen und Werkzeugen fand es rege Verwendung. Die Vorstufe vom Birkenpech ist der Birkenteer. Dieser wird in Schweden und Finnland als Holzschutzmittel eingesetzt. In Apotheken wird der Birkenteer aber auch in Form von Salben gegen Hauterkrankungen verkauft.

Holzpreise

Die Birke ist vor allem als Brennholz beliebt. Als Rundholz im Wald kostet sie dann etwa 40 – 60 €/Fm. Ofenfertiges Brennholz vom Händler kostet in der Regel über 100 €/Rm. Für Sägerundholz werden in der Regel 60 – 80 €/Fm erzielt. Ausgesuchte Qualitäten landen gelegentlich auf Submissionen und erzielen dort zwischen 100 und 200 €/Fm.

„Wussten Sie“

Die Moor-Birke gilt als die nördlichste Baumart Europas. Auch bei bis zu -33 °C weist sie keine Vitalitätseinbußen auf. Häufig wird davon ausgegangen, dass Hybriden zwischen Moor- und Sand-Birke verbreitet sind. Das ist aber aufgrund von Kreuzungsbarrieren nicht der Fall. Als Hybriden erscheinende Individuen sind meistens Moor-Birken. (Müller-Kroehling 2019). In manchen Mittelgebirgen und den Alpen kommt die Karpatenbirke (ssp.carpathica) vor; als Eiszeitrelikt ist sie eine vorkommende Unterart der Moor-Birke. (Müller-Kroehling, schriftl. Aussage)

Quellen:

  • Mayer, Schwegler: Welcher Baum ist das?
  • Müller-Kroehling, S. (2018): In Dubio pro Betula – Plädoyer für mehr Toleranz gegenüber der Moorbirke in Mooren. ANLiegen Natur 41(1): 135-144.
  • Müller-Kroehling, S. (2019): Birken in Mooren: Plädoyer für eine forstliche Neubewertung. – AFZ/Der Wald 4/2019: 10-13
  • Internetquellen: Wikipedia, Tierfreund, Mypfadfinder, Garten-Treffpunkt
Quelle: Mirjam Kronschnabl-Ritz