Baum und Natur

Die Gewöhnliche Mehlbeere (Sorbus aria)

Bearbeitet von Mirjam Kronschnabl-Ritz

Name

(Sorbus aria), Echte Mehlbeere

Vorkommen der Gewöhnlichen Mehlbeere

Die Mehlbeere ist in West-, Mittel- und Südeuropa verbreitet. In anderen Teilen Europas kommt sie nicht vor. Sie wächst gern an südexponierten Hängen auf kalkreichem Boden. Mit Trockenheit kommt sie gut klar, daher gedeiht sie besonders gut an sommerwarmen Stellen wie z.B. im Trockengebüsch, Steinriegeln, Trockenhängen oder auch Felsen. Zerstreut ist sie auch in sonnigen Eichen- und Buchenwäldern zu finden. In der Bergregion kommt sie bei guten Rahmenbedingungen bis 1.600 m vor.

Beschreibung und Biologie der Gewöhnlichen Mehlbeere

Die Mehlbeere ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Mehlbeeren (Sorbus) und gehört zur Familie der Rosengewächse (Rosaceae)

  • Baum: Die Mehlbeere ist besonders an ihrer ebenmäßigen breiten Krone zu erkennen, die so kaum bei einem anderen Gehölz vorkommt. In der Regel werden Mehlbeeren bis zu 15 m hoch, selten bis 25 m. Die Rinde ist grau und weist Längsrisse auf, erst sehr spät bildet sich eine Borke.
  • Knospe und Blatt: Die Knospen der Mehlbeere sind dick eiförmig und rot-braun glänzend. Die 6 bis 12 cm langen und eiförmigen Blätter sind am Rand unregelmäßig gezähnt. Der Blattstiel wie auch die Blattunterseite sind weißfilzig behaart. Die Blattoberseite hingegen glänzt dunkelgrün.
  • Blüte: Die weißen Blüten haben einen Durchmesser von 2 cm und sind in flachen Schirmrispen angeordnet. Der Kelch der Blüte ist auffällig filzig-weiß behaart.
  • Blühzeit: Die cremig weißen Blüten blühen zwischen Mai und Juni.
  • Früchte: Ab September trägt die Mehlbeere rotorange kugelige Früchte mit einem Durchmesser von ca. 1 cm. Die Früchte schmecken mehlig und fad. Wie alle Sorbus-Arten sollten die Früchte vor dem Sammeln Frost abbekommen haben. Dadurch schmecken sie leicht süßlich. Weiter dienen die Früchte Vögeln als Nahrung.
Ein typisches Merkmal der Mehlbeere sind die filzig-behaarten Blätter. Die filzige Behaarung ist auch der Grund warum die Blätter weniger Wasser verdunsten. Foto: ©Peter Fleming – stock.adobe.com

Ökologie der Gewöhnlichen Mehlbeere

Die Mehlbeere ist eine eher konkurrenzschwache Art, die nie in reinen Beständen vorkommt. Zu finden ist sie immer nur als Mischbaumart, dabei nicht dominierend, sondern eher „eingesperrt“. Die Blüten werden durch Insekten bestäubt. Außerdem verbreiten die Schirmrispen einen wohlriechenden Duft, der zusammen mit dem Nektar zahlreiche Insekten, v.a. Bienen, anlockt. Die Arten der Gattung Sorbus neigen zur Bastard-Bildung. Daher findet man in der Natur selten Bäume, die eindeutig als Elsbeere oder Echte Mehlbeere zu bezeichnen sind.

Geschichte und Mythologie

Bei den Germanen sollte der Mehlbeerstrauch, ähnlich wie die Eberesche, gegen bösen Zauber schützen.

Die Mehlbeere wird im altnordischen „reynir“ genannt, was so viel bedeutet wie „rot“, es wird hier auf die auffälligen roten Früchte angespielt. Noch heute glauben die Schweden, dass ein Stab von „reynir“ (schwedisch „rönn“) gegen schlechten Zauber schütze. In Schiffen wird daher gerne etwas aus „rönnholz“ verarbeitet, um Sturm und Wassergeister fern zu halten.

Heilkunde

In der Volksmedizin fand die Mehlbeere vor allem in Gebirgsregionen Verwendung bei Husten, Durchfall und Katarrh. Hierzu wurde aus den Früchten ein Tee gebrüht. Auch wurden die Früchte bei Nieren- und Menstruationsbeschwerden eingesetzt. Heutzutage wird die Mehlbeere kaum noch in der Heilkunde verwendet.

Anfangs sind die Früchte der Mehlbeere grün. Wenn sie reif sind, erlangen sie ihre rote Farbe. Irrtümlicherweise denken viele, dass die Früchte giftig sind. Foto: ©M. Schuppich – stock.adobe.com

Verwendung und Holznutzung

Im Vergleich zu anderen Sorbus-Arten wird die Mehlbeere nur sehr wenig weiterverarbeitet. Ihre Früchte sind fast geschmacklos, weswegen sie höchstens zur Gewinnung von Branntwein und Essig verwendet werden. Früher wurden die reifen und getrockneten Früchte dem Brotmehl beigemischt. Daraus entwickelte sich im Laufe der Zeit der Name „Mehlbeere“.

Durch den hohen Gehalt von Parasorbinsäure in den Früchten können sie, roh verzehrt, zu Magenverstimmungen führen.

Weiter wurden die Früchte in der Schweinemast eingesetzt und dienten als Futter für Kleinvieh. Im Herbst schnitten die Menschen früher die Zweige klein und konnten so eine schwarze Farbe für das Färben von Wolle gewinnen.

Als Zierbaum in Parks und als Straßenbaum ist die Mehlbeere heute gleichermaßen bekannt und beliebt.

Das Holz der Mehlbeere gehört zu den härtesten europäischen Hölzern. Es zeichnet sich weiter durch Zähigkeit aus, weswegen das Holz gerne zu Fassdauben oder Werkzeugstielen verarbeitet wird. Es ist witterungsfest und leicht zu bearbeiten. Lokal ist es beliebt für Schnitz- und Drechselarbeiten.

Holzpreise

Die Mehlbeere ist sehr selten in Deutschlands Wäldern und kommt dementsprechend selten zum Verkauf. Vereinzelt taucht sie auf Versteigerungen und Submissionen auf und kann als Wertholz dann auch einige hundert Euro pro Festmeter erzielen. Ansonsten spielt sie am Holzmarkt keine Rolle.

Blick in die Zukunft

Im Kampf gegen den Klimawandel hat die Mehlbeere gute Chancen. Sie überlebt sowohl Trockenheit als auch feuchte Wetterbedingungen. Auf extrem trockenen Standorten wirft die Mehlbeere frühzeitig ihre Blätter ab und das bewiesenermaßen ohne Folgeschäden für den Austrieb und das Wachstum im Folgejahr. Lediglich mit extremer Beschattung kommt die Mehlbeere nicht zurecht, daher ist sie eher eine Beimisch-Baumart für den Waldrand.

„Wussten Sie“

Da das Holz der Mehlbeere Ähnlichkeit mit dem Holz der Birne aufweist, wird es zusammen mit anderen Sorbus-Arten wie z.B. Vogelbeere und Speierling unter der Handelsbezeichnung „Schweizer Birnbaum“ verkauft.

Quellen:

  • Mayer, Schwegler: Welcher Baum ist das?
  • Reader´s Digest; Sonderausgabe; Wegweiser durch die Natur – Pflanzen und Tiere Mitteleuropas
  • Internetrecherche: Pflanzenvielfalt, Google.Books, Wikipedia, Baumkunde
Mirjam Kronschnabl-Ritz