Peter Braunert, ehemaliger Revierförster (mintgrüne Jacke), erklärt Details zum Erdmannwald
Peter Braunert, ehemaliger Revierförster (mintgrüne Jacke), erklärt Details zum Erdmannwald
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Die Erdmannwälder: Waldgebiet des Jahres 2022

Anfang des Jahres bekannt gegeben, folgte am 29. April die feierliche Verleihung des Titels „Waldgebiet des Jahres“ an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Niedersächsischen Forstamtes Nienburg. Die Erdmannwälder, 40 Kilometer südlich von Bremen gelegen, reihen sich damit ein in die bespielhaften von Forstleuten gepflegten und bewirtschafteten Waldgebiete, die vom Bund Deutscher Forstleute (BDF) seit nunmher 10 Jahren als „Waldgebiet des Jahres“ ausgezeichnet werden.

150 Personen waren der Einladung des Bundes Deutscher Forstleute (BDF) gefolgt und wohnten am 29. April 2022 der Verleihung des Titels „Waldgebiet des Jahres“ an die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des zuständigen Niedersächsischen Forstamtes Nienburg in Bassum-Neubruchhausen bei.

Genau vor 130 Jahren nahm dort Oberförster Friedrich Erdmann seinen Dienst auf und legte den Grundstein für eine besondere Form von Mischwäldern. „Dass diese Wälder die Waldschäden der letzten vier Jahre fast unbeschadet überstanden haben, war für uns als Forstgewerkschaft ein Hauptgrund diese zukunftsweisende Waldform und die heutigen Forstleute, die diese Mischwälder erhalten, auszuzeichnen“, so Ulrich Dohle, Bundesvorsitzender des BDF, der von der Politik forderte jetzt die Weichen zu stellen für eine systemrelevante Jahrhundertaufgabe – den Waldumbau. Dafür brauche es kluge Ideen, innovative Programme und neben Geld vor allem genügend Forstleute für die Umsetzung.

Anschließend präsentierten die Belegschaft des Forstamtes Nienburg, welches die Erdmannwälder betreut, ein buntes Programm. Nach einem Videoclip zu Erdmanns Kinderstube, den die Waldpädagoginnen Vera Henze und Angelika Gremm zusammen mit den Waldzwergen des Waldkindergartens in Syke produziert hatten, skizzierte Revierförster Uwe Niedergesäss, Bruchhausen-Vilsen in einem launigen Beitrag den Werdegang und das Wirken von Friedrich Erdmann, der vor 130 Jahren in Neubruchhausen den Waldbau revolutionierte, den Bedarf an engagierten Fachkräften und die Gewinnung von Saatgut für die Gestaltung neuer Wälder thematisierten.

In einer Gesprächsrunde zum Erdmannwald betonte Dr. Martin Hauskeller von den Niedersächsischen Landesforsten die schwierige Lage in den Schadensgebieten wie dem Harz, die ohne den vor 30 Jahren begonnenen Waldumbau noch problematischer wäre. „Die Erdmannwälder sind hervorragende Beispiele, wo es künftig hingehen soll.“ Forstreferendarin Carolin Kemper hat die Waldschäden im Forstamt Nienburg ausgewertet und festgestellt, dass in den Erdmannwäldern vergleichsweise sehr wenig Schadholz angefallen ist. „Diese Wälder können dem Klimawandel die Stirn bieten.“

Erdmannprojekt 2030

Für den ehemaligen Schwafördener Revierförster Peter Braunert ist die Baumartenvielfalt in den Erdmannrevieren niedersachsenweit einmalig. Mit einem Zitat von 1850, „Fragt die Bäume wie sie erzogen sein wollen, sie werden Euch besser darüber belehren als es die Bücher thun.“ weist er auf Notwendigkeit des ständigen Beobachtens der Entwicklungen im Wald hin.

Amtsleiter Henning Schmidtke sieht sich in der Erdmann-Tradition mit der großflächigen Saat von Weisstannen aus heimischer Ernte und dem Erdmannprojekt 2030, mit dem weitere Wälder im Forstamt umgestaltet werden sollen, auf einem guten Weg. „Das alles geht nur gemeinsam“, betont Schmidtke den dafür notwenigen Teamgeist. Er weist ausdrücklich auf die Möglichkeit hin für die Entstehung neuer Wälder im Sinne Erdmanns als Sponsor aufzutreten oder zu spenden.

In einer Interviewrunde stellten die beiden Forstwirt-Auszubildenden Felix Gessner und Inka Peglow ihre Begeisterung für die Waldarbeit dar, die von der Holzernte über Naturschutzarbeiten bis hin zum Bedienen von großen Holzerntemaschinen reicht.

Video über die Erdmannwälder

Mit einem Video der Niedersächsischen Landesforsten, von Förster Alexander Ahrenhold über die Vielfalt der Erdmannwälder endete das Programm und die Auszeichnung „Waldgebiet des Jahres“ wurde an die fast vollständig erschienene Belegschaft des Forstamtes Nienburg übergeben. „Die Früchte Ihrer guten Arbeit sind in den Erdmannwäldern erkennbar“, mit diesen Worten überreicht BDF-Bundesvorsitzender Ulrich Dohle die Auszeichnung für alle Mitarbeiter. Eine Abordnung aus dem mecklenburgischen Forstamt Stavenhagen, in dem das vorjährige Waldgebiet des Jahres, die „Ivenacker Eichen“ liegt, übergab den hölzernen Wanderpokal an die Nienburger, zusammen mit Sämlingen der weltberühmten Ivenacker Eichen.

Mit Schlussworten von Ulrich Dohle und dem Präsidenten der Niedersächsischen Landesforsten, Dr. Klaus Merker endete die Veranstaltung im Saal. Merker dankte dem Team des Forstamtes Nienburg in seinen Schlussworten und hielt fest: „Gerade in diesen Zeiten ist Innovationskraft gefragt und auch die Gabe, zu erkennen, welche Innovationen tragen und zukunftsfähig sind. Erdmanns Visionen waren zukunftsfähig und sind für uns Leitbild für den Wald von morgen: Lebens- und Erholungsraum, Klimaschützer und Holzlieferant.“

Quelle: NLF