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Kurzholztolztransporter bei Torger

Die Aufhebung des Kabotage-Verbotes wird missbraucht

Die Arbeitsgemeinschaft Rohholz (AGR) hat im Oktober beim Bundesverkehrsministerium beantragt, die Aufhebung des Kabotage-Verbotes für den Transport von Schadholz bis zum Ende des Jahres 2020 zu verlängern. Die Behörden der Bundesländer sehen noch bis zum 31. Dezember 2019 davon ab, Kabotageverstöße zu ahnden.

Der Verband hält dies auch weiterhin für ein unverzichtbares Instrument, um die Abfuhr von Schadholz zu gewährleisten. Die AGR argumentiert mit den Schadholzmengen, die im Laufe des Sommers drastisch gestiegen sind, während die Transportlogistik ein Engpass bleibt. Es sei zwar möglich, dass die Kapazitäten in manchen Regionen nicht ausgelastet seien. Doch ließen sie sich nicht ohne weiteres in entfernte Schadholzgebiete verlegen, weil die Fahrer das nicht mitmachten. Ein weiteres Argument: Durch die Aquirierung neuer Kapazitäten kann die Aussetzung des Kabotageverbotes dazu beitragen, dass die Holzpolter im Wald nicht unnötig mit Insektiziden behandelt werden.

Wilder Westen im Osten

Die Rundholzspediteure sehen das Thema Kabotage grundlegend anders. Besonders in den neuen Bundesländern, aber auch im Westharz oder in Nordrhein-Westfalen sind heute zahlreiche osteuropäische Speditionen aktiv. In Ostdeutschland liefern sie bis zu 70 % des Rundholzes an die Holzindustrie.

Während aus Kreisen der Holzabnehmer zu hören ist, dass sie ohne auswärtige Frächter ihre Werke nicht versorgen könnten, haben die heimischen Rundholzspeditionen das Nachsehen: „Ich glaube hier ist gerade Wilder Westen“, schildert ein Fuhrunternehmen die Situation im Harz. Ob bei Ante Holz, bei HIT in Torgau oder auch bei Mercer in Stendal: Oft bilden die polnische Fahrzeuge tagsüber lange Schlangen vor den Werkstoren, die heimischen Unternehmen weichen dagegen in die Nacht aus, weil sie nicht stundenlang warten wollen.

Ein anderer Spediteur berichtet davon, dass die Arbeit für regionale Fuhrleute schon wieder knapp wird und die Auftraggeber über vertraglich vereinbarte Preise verhandeln. Beispielsweise sollen die Speditionen bei großen Holzpoltern Rabatte gewähren. Tun sie das nicht, ist der Auftrag weg.

Ein dritter Holzfahrer ist der Meinung, dass die eigentlich gut gedachte Aussetzung der Kabotage schlichtweg missbraucht wird. Gedacht war sie, um Engpässe beim Abtransport von Sturm- und Käferholz zu beseitigen. Mittlerweile nutzen das die Werke das Instrument aber in erster Linie, um normale Frischholztransporte mit ausländischen Speditionen möglichst kostengünstig abwickeln zu können. Zulasten der heimischen Rundholzspediteure.

BdHG fordert Runden Tisch

Die Bundesvereinigung für das Holztransportgewerbe (BdHG) und der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) sprechen sich daher kategorisch dagegen aus, die Kabotageregelungen weiterhin auszusetzen. Sonst habe die heimische Transportwirtschaft keinen Anreiz mehr, in neue Fahrzeuge zu investieren oder geeignetes Fahrpersoal auszubilden. Stattdessen würde sie sich schrittweise aus dem Markt zurückziehen.

Um tragfähige Lösungen zu erarbeiten, haben die beiden Verbände dem Bundesverkehrsministerium die Einberufung eines Runden Tisches vorgeschlagen.

Oliver Gabriel

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