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Dialog „Nachhaltiger Holzbau“ in Berlin

Zum dritten Mal luden die Berliner Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz und der Gesamtverband Deutscher Holzhandel (GD Holz) zum Fachdialog „Nachhaltiger Holzbau“ nach Berlin ein.

Mit dem dritten gemeinsamen Fachdialog zum Nachhaltigen Holzbau gaben die Berliner Senatsverwaltung und der GD Holz erneut Impulse, um dem nachwachsenden Baustoff Holz in der Hauptstadt den Weg zu ebnen. Bis vor drei Jahren wurde dieser bei öffentlichen Baumaßnahmen dort nicht eingesetzt. Es ist der Politik des Landes, den Anstrengungen von Holzhandel, Handwerk und Holzindustrie und nicht zuletzt auch den Fachdialogen zu verdanken, dass der urbane Holzbau inzwischen akzeptiert ist und landesweit eine hohe Dynamik entfaltet.

Als ein Vorreiter des nachhaltigen Bauens in Deutschland will die Landesregierung von Berlin den nachwachsenden Baustoff Holz verstärkt bei der Errichtung von öffentlichen und privaten Gebäuden einsetzen und alle damit verbundenen Vorteile – u.a. im Klimaschutz – konsequent nutzen. Stellvertretend für Umweltsenatorin Regine Günther traf Dr. Benjamin Bongardt, als Referatsleiter der Senatsverwaltung u.a. für umweltfreundliche Beschaffung zuständig, die Einschätzung: „Insbesondere bei den geplanten Neubauten von Schulen mit einer Investitionssumme von rund 5,5 Milliarden Euro geht die Senatsumweltverwaltung davon aus, dass der Holzbau eine wichtige Rolle wahrnehmen wird.“

Die Signale für Holz stehen auf Grün. Denn einerseits entfernte Berlin baurechtliche Hemmnisse und gab andererseits ehrgeizige Umweltziele für den Gebäudebereich aus:

  • Wie zuvor nur Baden-Württemberg und Hamburg verfügt Berlin seit 2018 über eine holzbaufreundliche Bauordnung. Auf dieser Basis entschied sich das Berliner Landesparlament in diesem Jahr einstimmig für die Förderung des urbanen Holzbaus unter Nachhaltigkeitskriterien (Beschaffung von zertifiziertem Holz aus nachhaltiger Waldwirtschaft; öffentliches Bauen nur noch nach dem nationalen Bewertungssystem „Nachhaltiges Bauen“ mit Gold- oder Silberstandard).
  • Der Berliner Senat verfolgt das langfristige Ziel, Berlin bis zum Jahr 2050 zu einer klimaneutralen Stadt zu entwickeln und die Kohlendioxidemissionen um mindestens 85 % bezogen auf das Basisjahr 1990 zu reduzieren.

Auch beim Berliner Wohnungsbau stößt der moderne Holzbau auf ein großes Potenzial. Dipl.-Ing. Architekt Stefan Schautes informierte die 140 Tagungsteilnehmer über das ehrgeizige Ziel Berlins, jährlich 6.000 Wohneinheiten fertigzustellen. Die HOWOGE Wohnungsbaugesellschaft mbH Berlin, für die Schautes Prokura hat, realisiert davon rund 1.500 pro Jahr – und heute schon viele in Systembauweise mit hohem Holzanteil. Das Bauen mit Holz sei zwar nicht preisgünstiger, jedenfalls was die anfänglichen Investitionskosten betrifft, bewähre sich aber durch die schnelle Ausführung dank hoher Vorfertigung, durch effiziente Wohngrundrisse mit schlanken (Außen-)Wänden, durch ein hochwertiges Wohnklima und durch die leichte Um- und Rückbaubarkeit in späteren Jahren.

Der Holzbau braucht keine Leuchtturmprojekte mehr

Die Schaffung von bezahlbarem und zugleich umweltgerechtem Wohnraum gefiel Univ.-Prof. Tom Kaden (Kaden und Lager GmbH). In seinem Vortrag zeigte der Holzbauvisionär, der an der TU Graz lehrt, die konstruktiven Stärken aber auch wirtschaftlichen Grenzen des urbanen Holzbaus auf. Obgleich sein zehngeschossiges Wohnhaus SKAIO in Heilbronn mit 34 m Höhe seit April das höchste Haus Deutschlands in Holzbauweise darstellt, postulierte Kaden: „Die Zeit der Leuchtturmprojekte muss endlich vorbei sein.“ Mit systemischer Wiederholung werde der Holzbau zunehmend preiswerter und erobere sich die Breite des Marktes.

Flankierung der Entwicklung durch Forschung und Förderung

Um den „Holzbau als zeitgemäßen Standard zu etablieren“, seien begleitende Marktstudien als Entscheidungsgrundlage der Politik sinnvoll und notwendig. Darauf wies Gastgeberin und Moderatorin Dr. Katharina Gamillscheg, Stellvertretende Geschäftsführerin des GD Holz, hin. Sie begrüßte Prof. Eike Roswag-Klinge, Dipl.-Ing. Architekt BDA bei ZRS Architekten GvA mbH, Berlin, und bat ihn, die Ergebnisse einer Marktstudie, welche die Senatsumweltverwaltung und der Landesbeirat Holz Berlin / Brandenburg zum nachhaltigen Bauen mit Holz im Ballungsraum Berlin in Auftrag gegeben hatte, vorzustellen. 59 Unternehmen aus dem D-A-CH-Gebiet hatten an der Erhebung des Landesbeirats Holz teilgenommen, davon neun aus den benachbarten Bundesländern. Als größtes Hemmnis für die öffentliche Hand zu arbeiten, nannten die Firmen den hohen Aufwand zur Teilnahme am Vergabeverfahren. Bei Wohnungsbauunternehmen bemängelten sie vor allem die fehlende Bereitschaft und Nachfrage zur Aufstockung in Holzbauweise.

Prof. Roswag-Klinge appellierte, möglichst wenig Anbieter von vornherein auszugrenzen. Die Volumina der Ausschreibungen sollten möglichst an die Leistungsfähigkeit der regionalen Betriebe angepasst werden, die meist mit höchstens 50 Mitarbeitern maximal 10 Mio. € Jahresumsatz realisierten. Daraus könne sich ein starkes Wirtschafts-Cluster aus Handel, Handwerk und Industrie entwickeln. Außerdem solle bei Großprojekten ein Architekturwettbewerb vorgeschaltet werden.

Steht genug Holz dem boomenden Baumarkt zur Verfügung?

Diese Frage beantwortete Ulrich Bick vom Thünen Institut für Internationale Waldwirtschaft und Forstökonomie (Hamburg) mit einem klaren Ja. „Das Nachhaltigkeitsprinzip im Wald ist hierzulande nach wie vor gewahrt, und aus den vorhandenen Potenzialen ergeben sich insgesamt keine Einschränkungen für den Holzbau“, so der Wissenschaftler. Er verwies darauf, dass der Holzhandel mit einer Handelsmenge von 1,94 Mrd. Quadratmeter Rohholzäquivalenten heute global organisiert sei und regionale Knappheiten – etwa beim Nadelholz – durch Einfuhren abgemildert werden. Dank der Europäischen Holzhandelsverordnung und der Nachprüfbarkeit der Herkunft durch Zertifizierungssysteme und Einzelnachweise können deutsche Auftraggeber die Legalität und Nachhaltigkeit des eingesetzten Holzes sicher kontrollieren.

Noch unterdurchschnittliche Holzbaustruktur

„Förderinstrumente für den Holzbau – Best practice-Beispiele“ stellte Dr. Denny Ohnesorge, Geschäftsführer des Deutschen Holzwirtschaftsrates (DHWR) und Vorsitzender des Landesbeirats Holz Berlin-Brandenburg vor. Er benannte die Kategorien von Fördermaßnahmen und stellte mustergültige nationale und internationale Programme vor. In Schweden etwa bewirkten staatliche Fördermaßnahmen einen rasanten Anstieg der Marktanteile zwischen 2000 und 2017: beispielsweise von 1 auf 21 % bei mehrgeschossigen Wohnbauten und von 5 auf 40 % bei Hallen. Das politische Statement wirkte „marktaktivierend“ und nachhaltig. „Der Holzbau benötigt die Unterstützung der Politik auch in Berlin und Brandenburg“, so Ohnesorge. Die noch „unterdurchschnittliche Holzbaustruktur“ könne durch ein Clustermanagement, durch eine ländergreifende Strategie für Berlin und Brandenburg und Förderkonzepte gezielt entwickelt werden.

Fachkräftemangel ein akutes Problem

Ein akutes Problem thematisierte am Schluss Dr. Katharina Gamillscheg: Den Fachkräftemangel am Berliner Markt. Darüber klage jeder Unternehmer, den man darauf anspräche und er würde auch als Grund für nicht realisierte Bauprojekte angegeben. Der GD Holz und seine angeschlossenen Mitgliedsunternehmen engagierten sich deshalb seit Jahren schon im Nachwuchs- und Weiterbildungsbereich. Der Handel unternehme alle Anstrengungen, um dem Fachkräftemangel entgegenzutreten und dem Markt mit gut ausgebildeten Mitarbeitern als verlässlicher Partner zur Seite zu stehen.

Gamillscheg rief die Anwesenden dazu auf, das Ihrige dazu beizutragen, junge Menschen für den Bau- und Werkstoff Holz zu begeistern.

GDH/Red.

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