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Deutsche Wälder speichern mehr Kohlenstoff als vor 20 Jahren

Deutsche Wälder speichern mehr Kohlenstoff als vor 20 Jahren

Ohne seine Wälder würde Deutschland deutlich mehr zum Klimawandel beitragen, als es derzeit der Fall ist. Das geht aus Erhebungen des Thünen-Instituts hervor, die im aktuellen, vom Umweltbundesamt herausgegebenen nationalen Inventarbericht enthalten sind. Mit einer jährlichen Senkenleistung von rund 52 Mio. t CO2-Äquivalenten sind die deutschen Wälder ein erheblicher Kohlenstoffspeicher. Das Thünen-Institut für Waldökosysteme liefert Daten, mit denen sich die Speicherfunktion des Waldes in Deutschland berechnen lässt.
  
Eine wichtige Grundlage dafür sind bundesweite Inventuren, die am Institut koordiniert und ausgewertet werden: die Bundeswaldinventur und die Bodenzustandserhebung Wald. Die Daten fließen in die Inventare zur nationalen Treibhausgas-Emission ein, die Deutschland als Vertragsstaat der UN-Klimarahmenkonvention und Unterzeichner des Kyoto-Protokolls regelmäßig erstellen muss.
Fakten aus dem Thünen-Institut
Bäume nehmen Kohlendioxid (CO2) aus der Atmosphäre auf und verwandeln es letztlich in Biomasse. Neben den Bäumen ist auch der Waldboden ein kohlenstoffreiches Substrat.
Die Berechnungen des Thünen-Instituts zeigen, dass die deutschen Wälder in ihrer oberirdischen Biomasse eine Kohlenstoffmenge von rund 993 Mio. t bevorraten, hinzu kommen 156 Mio. t in unterirdischer Biomasse, vor allem den Wurzeln, und 20 Mio. t im Totholz. In der Humusauflage und den oberen 30 cm des Mineralbodens sind noch einmal 850 Mio. t Kohlenstoff festgelegt. Aktuell speichern die Wälder damit rund 300 Mio. t mehr als noch im Jahr 1990.
Klimaschutzbeitrag des Forst-/Holzsektors größer als bisher angenommen
Natürlich wird durch den Einschlag und Abtransport von Holz auch wieder Kohlenstoff aus dem Wald entfernt. Doch der Saldo ist positiv – der Wald legt mehr Kohlenstoff fest, als er durch Holzernte und andere Faktoren verliert. Damit dient er in der Klimabetrachtung als Senke: Mit rund 52 Mio. t CO2-Äquivalenten schlägt sie im Mittel der letzten Jahre zu Buche. Die Erhebungen zeigen, dass der Wald seit Beginn der Treibhausgas-Berichterstattung 1990 immer eine Kohlenstoffsenke gewesen ist.
Bei umfassender Betrachtung ist die Senkenleistung sogar noch erheblich höher. Denn anders als bei einjährigen Kulturpflanzen wie Weizen oder Mais speichert Holz den Kohlenstoff auch längerfristig. Bei stofflicher Nutzung, zum Beispiel beim Hausbau oder in der Möbelfertigung, bleibt der Kohlenstoff teils über Jahrzehnte festgelegt. Bei energetischer Nutzung ersetzt Holz fossile Energieträger, was in der CO2-Bilanz ebenfalls positiv zu Buche schlägt.
Nach ersten Berechnungen des Thünen-Instituts konnten von 2005 bis 2009 durch die stoffliche Verwendung von Holz jährlich rund 57 Mio. t und durch die energetische Nutzung 30 Mio. t CO2-Äquivalente substituiert werden. Der Klimaschutzbeitrag des Forst- und Holzsektors bei der Einsparung von Treibhausgasen ist also noch größer als bislang in der Berichterstattung angegeben.
 

Nähere Informationen im Thünen-Magazin

 
Thünen-Institut

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