Holzindustrie, -verbände

Deutsche Möbelindustrie erholt sich weiter

von Marc Kubatta-Große

Dank der hohen Nachfrage der Verbraucher hat sich die deutsche Möbelindustrie über die Sommermonate gut vom Lockdown im Frühjahr erholt, stellt Jan Kurth, Geschäftsführer des Verbands der deutschen Möbelindustrie (VDM) und der Herforder Möbelfachverbände, mit Blick auf die jüngsten Erhebungen des Statistischen Bundesamts fest.

Im September steigerten die auf den privaten Möbelbedarf ausgerichteten Sparten ihren Umsatz um 5,7 % auf 1,3 Mrd. €. Besonders stachen dabei die Polstermöbelproduzenten mit einem Umsatzplus von 17,8 % auf 92 Mio. € und die Küchenmöbelhersteller mit einem Umsatzplus von 11,6 % auf 560 Mio. € heraus. Ein annähernd stabiles Geschäft verbuchte die Sparte „Sonstige Möbel“, in der die Wohn, Ess- und Schlafzimmermöbel, aber auch Kleinmöbel, nicht-gepolsterte Sitzmöbel und Möbelteile erfasst werden (minus 0,9 % auf 603 Mio. €). Die Matratzenhersteller erzielten ein Wachstum von 6,8 % auf 71,8 Mio. €.

Privater Möbelbedarf boomt

Angespannt stellt sich dagegen die Lage im Investitionsgüterbereich dar: Die Büro- und Ladenmöbelhersteller setzten wegen der Investitionszurückhaltung breiter Teile der Wirtschaft im September mit 352 Mio. € 14 % weniger um als im Vorjahresmonat.

Über alle Sparten hinweg ergibt sich damit für die deutsche Möbelindustrie im September insgesamt ein Umsatzplus von 0,8 % auf 1,68 Mrd. €. Während der Inlandsumsatz um 1,9 % auf 1,15 Mrd. € anzog, ging der Auslandsumsatz um 1,5 % auf 533 Mio. € zurück.

Konzentration auf Zuhause

Die durch den Lockdown verursachten drastischen Umsatzeinbußen im April (-28,7 %) und Mai (-23,3 %) habe die Branche mittlerweile zum größten Teil wieder wettgemacht, berichtet Kurth weiter. Neben der Mehrwertsteuersenkung habe dabei die Tatsache geholfen, dass die Verbraucher ihre Budgets infolge der eingeschränkten Reise- und Freizeitmöglichkeiten zugunsten der Themen Wohnen und Einrichten umgeschichtet haben. Ein schön eingerichtetes, gemütliches Zuhause sei in Corona-Zeiten noch wichtiger geworden.

Nur Küchenmöbel legen zu

In den ersten neun Monaten setzten die 465 deutschen Möbelhersteller mit 50 und mehr Beschäftigten 12,4 Mrd. € um, ein Minus von 6,7 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die konsumnahen Bereiche schnitten mit einem Umsatzrückgang von 5 % auf 9,6 Mrd. € deutlich besser ab als die Büro- und Ladenmöbel (-11,9 % auf 2,7 Mrd. €).

Als einzige Sparte über dem Vorjahresniveau lag die Küchenmöbelindustrie, die ihren Umsatz in den ersten neun Monaten um 1,8 % auf 3,8 Mrd. € steigerte. Die Polstermöbelindustrie registrierte einen Rückgang von 3,4 % auf 650 Mio. €. Die Sparte „Sonstige Möbel“ wies ein Minus von 10,5 % auf 4,6 Mrd. € auf. Das kleinste Segment der Branche – die Matratzenhersteller – setzte 550 Mio. € um, 4,1 % weniger als im Vorjahr.

Weitere Erholung erwartet

Aufgrund der Auftragslage sei die Branche zuversichtlich, dass sich die Möbelbranche im restlichen Jahresverlauf weiter erholen und mit einem guten Auftragspolster in das kommende Jahr starten werde, sagt Kurth. Nach internen Erhebungen der Fachverbände stiegen die Auftragseingänge in der deutschen Wohnmöbelindustrie in den ersten neun Monaten 2020 um 10,8 % und in der deutschen Küchenmöbelindustrie um 9,1 %. In der Polstermöbelindustrie wurde ein Plus von 2,6 % registriert. Auch die Auftragseingänge für den Monat Oktober seien weiter im deutlich positiven Bereich.

Auslandsgeschäft schwierig

Vor Herausforderungen steht die deutsche Möbelindustrie in ihrem Auslandsgeschäft, das sich – auch angesichts der derzeitigen, coronabedingten Schließung des Möbelhandels in einigen Nachbarländern – weiter schwierig gestaltet, wie Kurth erläutert. Zudem gelte es, Lieferengpässe etwa bei Spanplatten, Schaumstoffen oder Beschlägen zu managen, die durch den Lockdown und die ungewöhnlich hohe Nachfrage in den Sommermonaten entstanden sind. Für das Gesamtjahr 2020 geht der VDM für die Gesamtbranche weiterhin von einem Umsatzminus von bis zu 5 % aus. Küche und die wohnnahen Segmente dürften dabei besser abschneiden.

VDM/Red.