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Deutsche Möbelindustrie bilanziert 1. Halbjahr

Nach einem leichten Umsatzanstieg im zweiten Halbjahr 2018 hat sich die Konjunktur bei den deutschen Herstellern bis zum Sommer 2019 abgekühlt. Von Januar bis Juni 2019 lagen die Umsätze der Branche bei rund 8,9 Mrd. € und damit um 1,8 % unter dem Vorjahreszeitraum.

Die heimischen Hersteller generieren nahezu zwei Drittel ihrer Umsätze im Inland. Im Handel findet verstärkt eine Verlagerung in Richtung Onlinevertrieb statt. So meldet der Bundesverband E-Commerce einen Anstieg der Umsätze in den Bereichen Möbel, Lampen und Dekoration von 14,4 % im zweiten Quartal 2019. „Diese Entwicklung schreitet weiter voran und wir halten mittelfristig einen Anteil der Möbel-Onlineumsätze von 25 % innerhalb der nächsten 5 Jahre durchaus für realistisch. Das bedingt selbstverständlich auch Anpassungsprozesse auf Seiten der Hersteller, die den gesamten Prozess von der Produktentwicklung bis hin zur Vermarktung digital denken müssen“, so Jan Kurth, Geschäftsführer des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie (VDM).

Geschäftslage der Unternehmen

Nicht nur durch das Thema Online ist die Branche stark in Bewegung. Die aktuelle Lage der Unternehmen kann derzeit zwar als angespannt bezeichnet werden, sie ist aber nicht durchweg schlecht, wie die vom VDM im Sommer durchgeführte Umfrage zur wirtschaftlichen Lage zeigt: Die aktuelle Geschäftslage wird von 48 % der Teilnehmer als befriedigend bzw. gut (39 %) eingeschätzt. Nur 13 % bewerten die aktuelle Geschäftslage als schlecht. Im Vergleich zum Sommer 2018 zeigt sich damit für die Mehrheit (39 %) der Befragten ein gegenüber dem Vorjahr unverändertes Stimmungsbild.

Unterschiede offenbaren sich in der Einschätzung der aktuellen Geschäftslage im Inland und im Exportgeschäft. Während die Lage im Inlandsgeschäft von den meisten Befragten (61 %) als befriedigend bewertet wird, ist das Bild beim Exportgeschäft negativer: 46 % schätzen dieses zwar als befriedigend, weitere 32 % allerdings als schlecht ein.

Umsatz in den Segmenten

Der Umsatz in den einzelnen Segmenten der deutschen Möbelindustrie entwickelte sich von Januar bis Juni 2019 nach Angaben der amtlichen Statistik wie folgt (Vergleich zum Vorjahreszeitraum): Küchenmöbel (Umsatz 2,5 Mrd. €) +1,4 %; Büromöbel (Umsatz 1,1 Mrd. €) +1,6 %, Laden-/Objektmöbel (910 Mio. €) +1,4 %; Polstermöbel (470 Mio. €) -3 %; sonstige Möbel (Wohnmöbel, Möbelteile, 3,5 Mrd. €) -5,4 %; Matratzenindustrie (390 Mio. €) -4,2 %

Im Vergleich zur amtlichen Statistik weisen die internen Erhebungen der Fachverbände positivere Zahlen aus, was in erster Linie an den dort enthaltenen Unternehmen mit ausländischen Betriebsstätten bzw. an den Vertriebsgesellschaften liegen dürfte. So zeigen die Auftragseingänge in der deutschen Wohnmöbelindustrie von Januar bis Juni einen Anstieg um 4,6 %, in der Polstermöbelindustrie +3,8 %; Küchenmöbelindustrie +0,05%.

Exporte

Die deutschen Möbelexporte legten im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 2,4 % auf 5,7 Mrd. € zu. Der Absatz in die EU-Länder lag bei +3,8 %; Frankreich +9,1 %, Schweiz +1,3 %, Belgien +10,9 %, Italien +8,1%. Demgegenüber waren die Möbelausfuhren in so wichtige Absatzmärkte wie die Niederlande (-0,1 %) und Tschechien (-4,7 %) rückläufig. Die Möbelausfuhren nach Großbritannien reduzierten sich von Januar bis Juni um 2,1 %.

Bedeutende Wachstumsmärkte für deutsche Möbel liegen zunehmend auch außerhalb der EU. Besonders hervorzuheben ist die hervorragende Performance deutscher Möbelhersteller in den großen Wachstumsmärkten USA (+9,7 %) und Russland (+27,5 %). Auch Märkte wie Japan, Kanada und Südkorea entwickeln sich derzeit positiv, allerdings bewegen sich die Ausfuhren in diese Länder noch auf einem relativ niedrigen Niveau. Nach China sanken die deutschen Möbelausfuhren um 20,9 %. Nach unserer Einschätzung drücken aufgrund der Handelsbeschränkungen mit den USA mehr heimische Produkte auf den chinesischen Markt, was Importe abschwächt.

Die Industrieexportquote – dies ist der Anteil der von den heimischen Möbelherstellern direkt ins Ausland gelieferten Ware am Gesamtumsatz der Branche – lag im ersten Halbjahr 2019 bei 32,5 Prozent und damit in etwa auf dem Niveau des Vorjahres. Im ersten Halbjahr 2018 lag der entsprechende Wert noch bei 32,6 Prozent. Trotz des minimalen Rückgangs konnte die Exportquote in der Möbelindustrie damit seit der Jahrtausendwende verdoppelt werden.

Die Entwicklung der einzelnen Exportmärkte fällt je nach Segment unterschiedlich aus. So werden in der Küchenmöbelindustrie – dieses Segment weist mit 41,6 Prozent branchenweit die höchste Exportquote aus – deutliche Zuwächse bei den Ausfuhren in die Niederlande registriert (+4,7%), während sich die Exporte in die USA nur leicht positiv (+2,5%) und nach Russland negativ (-6,5%) entwickeln. Der Rückgang der Ausfuhren nach China fällt hier noch deutlicher aus (-25,6%). Allerdings spielen bei den außereuropäischen Exportmärkten die je nach Produkt unterschiedlichen Zollsätze eine wichtige Rolle, die sich einerseits auf die Absatzmöglichkeiten auswirken und andererseits zu Verzerrungen in der Außenhandelsstatistik führen.

Importe

Die deutschen Möbelimporte sanken sie im ersten Halbjahr um 0,7 % auf 6,7 Mrd. €. Polen verlor 1,2 %, blieb jedoch wie in den vergangenen Jahren das mit Abstand wichtigste Möbelherkunftsland. Mehr als jedes vierte nach Deutschland importierte Möbel (26 %) stammt inzwischen aus Polen. Insgesamt gingen die Einfuhren aus den EU-Ländern leicht um 3,8 % zurück. Trotz der Verschiebungen weg von Osteuropa hin zu Südostasien weist die Struktur der deutschen Möbelimporte weiterhin eine hohe Konzentration auf: Allein auf die drei wichtigsten Lieferländer Polen, China und Tschechien entfallen aktuell über 55 % der gesamten deutschen Möbelimporte.

Neben der weiterhin hohen Importkonkurrenz wirken einige Kostenfaktoren verstärkt auf die Branche ein. Insbesondere die steigenden Logistikkosten stellen sich als Renditebremse dar. Die befragten Unternehmen der deutschen Möbelindustrie berichten von einem durchschnittlichen Anstieg der Logistikkosten von 7 % im Vergleich zum Sommer 2018. Die Personalkosten verteuerten sich im gleichen Zeitraum um 4 % und die Massivholzkosten um 3 %.

Ausblick

Die Vorzeichen für die weitere Entwicklung im zweiten Halbjahr bewertet die Branche insgesamt verhalten.

Red./VDM

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