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Deutsche Buchenwälder sind Weltnaturerbe

Deutsche Buchenwälder sind Weltnaturerbe

Das Welterbekomitee der UNESCO hat am 25. Juni auf seiner 35. Sitzung in Paris entschieden, die „Alten Buchenwälder Deutschlands“ in die Liste des Welterbes einzuschreiben. „Heute ist ein großer Tag für den Naturschutz in Deutschland. Unsere Buchenwälder stehen nun auf einer Stufe mit weltweit so bedeutenden Stätten wie dem Yellowstone Nationalpark, den Galapagos Inseln oder dem Wattenmeer. Das ist ein großer Erfolg unserer Bemühungen für den Schutz der Buchenwälder in Deutschland, die die natürliche Vegetation unseres Landes prägen“, sagte dazu Bundesumweltminister Norbert Röttgen.
Anfang des Jahres 2010 hat Deutschland die Aufnahme herausragender alter Buchenwälder in die prestigeträchtige Welterbeliste der UNESCO beantragt. Dabei handelt es sich um ausgewählte Waldflächen in fünf Schutzgebieten:
  • Nationalpark Jasmund (Mecklenburg-Vorpommern)
  • Serrahn im Müritz-Nationalpark (Mecklenburg-Vorpommern)
  • Grumsin im UNESCO-Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin (Brandenburg)
  • Nationalpark Hainich (Thüringen)
  • Nationalpark Kellerwald-Edersee (Hessen).
Diese Gebiete repräsentieren die wertvollsten Relikte großflächiger naturbelassener Buchenwälder in Deutschland. Sie ergänzen hervorragend das seit 2007 bestehende UNESCO-Weltnaturerbe Buchenurwälder der Karpaten, mit denen die deutschen Gebiete nun eine gemeinsame Stätte bilden.
Das UNESCO-Welterbeübereinkommen stellt herausragende, einmalige Natur- und Kulturgüter unter weltweiten Schutz. Nach der Fossilienfundstätte Grube Messel (eingeschrieben 1995) und dem Wattenmeer (2009) sind die Buchenwälder die dritte Weltnaturerbestätte in Deutschland.
Die ausgewählte Waldflächen kurz vorgestellt:
 
 
Nationalpark Jasmund (Mecklenburg-Vorpommern)
Der Nationalpark Jasmund beherbergt die grandiose Kreideküste der Insel Rügen und die vom Meer umbrandete Halbinsel Jasmund mit ihrer hügeligen Hochfläche. Buchenwälder, Kreidefelsen und Meer bilden eine faszinierende Kulisse, die bereits die Maler der Romantik in ihren Bann zog und auch in der Gegenwart nichts von ihrem überwältigenden Reiz verloren hat. Hier scheint der Buchenwald ins Meer zu stürzen.
In dem 3.000 ha großen Schutzgebiet steht auf 2.100 ha der größte zusammenhängende Buchenwald an der Ostseeküste. Vorherrschender Waldtyp ist der baltische Waldgersten-Buchenwald. Er löst sich an den Kreidefelsen der Kliffhänge in ein dynamisches Mosaik aus offenen Bereichen, Gebüsch- und echten Urwaldstadien auf.Aufgrund der Steilheit und Unzugänglichkeit wurden die Wälder an den Kliffhängen forstlich nie genutzt.
Als Weltnaturerbegebiet wurde ein wenig, teilweise sogar vom Menschen unbeeinflusster, repräsentativer Landschaftsausschnitt im Osten des Nationalparks Jasmund, der vom Spülsaum der Ostsee über die Steilküste bis hin zur Hochfläche reicht, ausgewiesen. Die Größe des Gebietes beträgt 493 ha. Dieses wird umgeben von einer 2511 ha großen Pufferzone.
 
Müritz-Nationalpark (Mecklenburg-Vorpommern)
 
Wer Anfang Mai die Buchenwälder um die kleine Ortschaft Serrahn östlich von Neustrelitz durchstreift, kann sich an durchscheinendem frischen Grün satt sehen. Der Zauber dieses hügeligen Waldlandes voller Seen und Moore entfaltet sich auch in den späten Herbstwochen mit buntem Farbenspiel oder im Winter mit seiner kühlen Sparsamkeit. Im Teilgebiet Serrahn des Müritz-Nationalparks hat sich inmitten der ausgedehnten Wald- und Seenlandschaft ein alter Buchenwald erhalten, der erahnen lässt, wie die Buchenurwälder Deutschlands einst ausgesehen haben. Seit 50 Jahren hat der Mensch den Wald hier nicht mehr genutzt, die Entwicklungszyklen von Buchenwäldern werden eindrucksvoll erlebbar.
Der 32.200 ha große Müritz-Nationalpark schützt Tieflandbuchenwälder auf basenarmen eiszeitlichen Sanden. Der im Serrahn vorherrschende Waldtyp ist der Perlgras-Buchenwald.
  
Als Weltnaturerbegebiet wurden die zentralen Bereiche des 6.200 ha großen Teilgebietes Serrahn abgegrenzt, seine Größe beträgt 268 ha.
Grumsin im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin (Brandenburg)
 
Das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin nordöstlich von Berlin fasziniert durch seinen Wechsel von ausgedehnten Wäldern und weitem Offenland, von tiefen Senken und markanten Höhenzügen. Das ausgeprägte Relief spiegelt das Geschehen der letzten Eiszeit wider, als Gletscher das Gesicht der Landschaft mit ihren gewaltigen Eismassen überzogen und veränderten. Ein ganz besonderer und seit 20 Jahren nicht mehr genutzter Buchenwald ist der Grumsin. Dort finden sich in den Senken von Endmoränenzügen zahlreiche Moore und Kleingewässer, die eng verzahnt mit Buchenwäldern stimmungs­volle Waldbilder zaubern.
Im Grumsin sind alte naturnahe Tieflandbuchenwälder auf eiszeitlichen Sanden und Lehmen geschützt. Der vorherrschende Waldökosystemtyp ist der Flattergras-Buchenwald.
Der Grumsin wurde fast vollständig als Weltnaturerbegebiet abgegrenzt, seine Größe beträgt 590 ha.
Nationalpark Hainich (Thüringen)
 
Im Westen Thüringens zwischen Mühlhausen, Bad Langensalza und der Wartburg-Stadt Eisenach präsentiert sich im Frühling ein Buchenwald der ganz besonderen Art. Die ersten kräftigen Sonnenstrahlen zaubern wahre Blütenteppiche auf den Waldboden. Bevor der Bärlauch den Duft seiner weißen Blütensterne im Wald verströmt, übersät der rosa-violette Hohle Lerchensporn auf Hunderten Hektar den Waldboden. Sobald die uralten Buchen ihr Blätterdach geschlossen haben, wird es wieder dunkel am Waldboden und die Konkurrenz um das Licht beginnt. Über 30 Laubbaumarten konkurrieren neben der dominierenden Buche um einen Platz an der Sonne.
Der Nationalpark Hainich schützt auf 7.500 ha den typischen Mittelgebirgsbuchenwald auf Kalkgestein. Der vorherrschende Waldtyp ist der Waldgersten-Buchenwald.
Das Weltnaturerbegebiet umfasst die zentralen Bereiche des Nationalparks mit besonders naturnahen Altbuchenwäldern und gibt durch seine Ausdehnung und Lage das große Stand­ortspektrum der Waldgesellschaften wieder. Seine Größe beträgt 1.573 ha.
Nationalpark Kellerwald-Edersee (Hessen)
 
Mitten in Deutschland, südwestlich von Kassel, liegt ein in seiner Größe und Ursprünglichkeit für Deutschland außergewöhnlicher Buchenwald. Über 50 Berge und Kuppen prägen den großräumigen ruhigen Landschaftscharakter des Nationalparks Kellerwald-Edersee. Wie ein Buchenmeer präsentiert er sich dem Betrachter aus der Vogelperspektive, keine Straße und keine Siedlung zerschneidet die ausgedehnten alten Wälder. Immer wieder eröffnen sich dem Wanderer Ausblicke auf den gewundenen Edersee und seine weit in die Buchenwälder ragenden Buchten muten nahezu fjordartig an.
Der Nationalpark Kellerwald-Edersee schützt auf 5.700 ha den für die deutschen Mittelgebirge typischen bodensauren Buchenwald auf Tonschiefer und Grauwacke – Gesteine, die vor rund 350 Millionen Jahren aus Bodensedimenten urzeitlicher Meere entstanden sind. Der vorherrschende Waldtyp ist der Hainsimsen-Buchenwald, oft in steinig-karger oder steiler Ausprägung. Über 40 % der Buchen sind älter als 120 Jahre. Auf mehr als 1.000 ha findet man Buchenwälder, die älter als 160 Jahre ­- teilweise bis zu 260 Jahre – und reich an Totholz sind.
Das Weltnaturerbegebiet umfasste die repräsentativsten alten zusammenhängenden Kernflächen des Nationalparks werden. Ihre Größe beträgt 1.467 ha.
Weiterführende Hinweise zu den fünf Schutzgebieten:
 
 

Zum Thema: forstpraxis.de-Meldung

 
weltnaturerbe-buchenwaelder.de

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