Forstpolitik

DeSH sieht Holzverwendung durch LULUCF-Verordnung gefährdet

Bearbeitet von Marc Kubatta-Große

Die Europäische Kommission hat im Sommer 2021 mit ihrem „Fit for 55“ Programm zahlreiche Entwürfe für neue Verordnungen und Richtlinien zur Umsetzung des Green Deals veröffentlicht. Eine für die gesamte Forst- und Holzwirtschaft zentrale Verordnung ist die Überarbeitung der Klimabilanzierungsregeln zur Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft (LULUCF), die nach Ansicht des Deutschen Säge- und Holzindustrie Bundesverband (DeSH) zu extremen Einschränkungen der Waldbewirtschaftung und Holzverwendung führen kann.

Die Auswirkungen des Klimawandels sind in den vergangenen Jahren überall auf der Welt sichtbarer geworden. Mit welchen Maßnahmen und Instrumenten die Mammutaufgabe Klimaschutz umgesetzt werden muss, haben Vertreter aus aller Welt in Glasgow auf der Weltklimakonferenz COP26 diskutiert.

EU-Kommission widerspricht sich

Auf dem europäischen Festland hat die EU-Kommission mit ihrem „Fit for 55“ Paket im Sommer bereits einige ihrer Strategien vorgestellt, wie u.a. die Überarbeitung der LULUCF-Verordnung, deren Beteiligungsprozess diese Woche endete. „Die vorgeschlagenen Änderungen der Verordnung zeigen einen deutlichen Widerspruch zwischen Wunsch und Wirklichkeit bei Wald und Holz auf“, stellt DeSH-Geschäftsführerin Julia Möbus fest. Die EU-Kommission sei mit ihren Vorgaben nicht nur über das Ziel hinausgeschossen, sondern provoziere damit sogar negative Effekte für den Klimaschutz. Denn auf der einen Seite stelle die Kommission heraus, dass Holz ein wirksames Instrument zur CO2-Reduktion sein kann, konterkariere aber diese positiven Einflüsse durch Einschränkungen in der nachhaltigen Waldbewirtschaftung, die die Grundlage der Holzverarbeitung darstelle.

Unrealistische CO2-Minderungsziele

Ein zentraler Kritikpunkt des DeSH sind die vorgeschlagenen CO2-Reduktionsziele im LULUCF-Bereich und deren wissenschaftliche Herleitung. Als Grundlage für CO2-Minderungsziele im Ökosystem Wald mit sehr langwierigen Veränderungsprozessen einen Zeitraum von zwei Jahren mit großen Schwankungen und Waldschäden heranzuziehen, sei sehr fragwürdig und stelle kaum eine valide Prognosegrundlage dar. Da der Projektionsbericht des Umweltbundesamtes den LULUCF-Sektor in den nächsten Jahrzehnten sogar zur CO2-Quelle in Deutschland werden sieht, seien die Ziele dringend zu überprüfen und anzupassen, so Möbus.

Knapp die Hälfte des deutschen Waldes würde ausfallen

Andernfalls drohen erhebliche Einschränkungen der Waldbewirtschaftung und damit verbunden ein Verlust des Klimaschutzpotenzials von Holz. Holz speichert CO2 in Produkten über die gesamte Lebensdauer, erzeugt damit negative Emissionen, lässt sich immer wieder für neue Produkte wiederverwenden und ersetzt damit fossile Ressourcen.

Die vorgeschlagenen Ziele in der Verordnung werden ohne Änderung zwangsläufig dazu führen, dass knapp die Hälfte des deutschen Waldes nicht mehr bewirtschaftet werden und damit auch kein heimisches Holz mehr für nachhaltiges Bauen und Wohnen eingesetzt werden darf, warnt Möbus.

Wald kann nicht CO2 für alle Sektoren kompensieren

Damit werde man die gesellschaftlichen Herausforderungen jedoch nicht lösen, sondern müsse vielmehr dazu kommen, dass alle Sektoren ihren Beitrag zur Minderung der CO2-Emissionen leisten. Dazu gehöre auch, Holz mit seinen klimaschonenden Eigenschaften verstärkt einzusetzen.

„Dass mit der Verordnung der Wald einseitig zur Kompensation für alle Sektoren dienen soll, ist der absolut falsche Weg“, so Möbus abschließend.

Quelle: DeSH