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Holztransport DeSH Corona

DeSH: Schon 70 % aller Sägewerke spüren Corona

Die deutsche Forst- und Holzwirtschaft befand sich bereits vor der Corona-Virus-Pandemie im Ausnahmezustand: Stürme, Trockenheit und Borkenkäfer fordern die Branche seit über zwei Jahren. Nun herrsche eine bedrohliche Mehrfachbelastung, erklärt der Deutsche Säge- und Holzindustrie Bundesverband e.V. (DeSH) und wendet sich mit Vorschlägen zur Krisenbewältigung an die Politik.

Große Mengen Schadholz

Die ökonomischen Auswirkungen der Corona-Krise treffen die Forst- und Holzwirtschaft in einer ohnehin sehr belastenden Situation, so der DeSH. Zwischen 2018 und 2020 sind durch Stürme, Dürre, Brände und Käferbefall deutschlandweit rund 160 Mio. Fm Schadholz auf einer Fläche von 245.000 ha angefallen, so die jüngsten Zahlen des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Die Prognosen zeigen für 2020 kaum Entspannung. Im Gegenteil: Aufgrund des milden Winters und der Vorschädigung gehen Experten davon aus, dass sich die Käfersituation im Frühjahr zuspitzen wird.

Corona-Krise gefährdet Aufarbeitung

„Wir sollten uns auf die Ausweitung der Schäden einstellen“, erklärt DeSH-Hauptgeschäftsführer Lars Schmidt. Ohne zeitnahe Abfuhr aus dem Wald und eine schnelle Weiterverarbeitung wird das Holz für viele gesellschaftliche Anwendungsgebiete unbrauchbar. Für die Betriebe bedeutet das erhöhten logistischen Aufwand und aufwändige Kontrollen des Holzes. Doch bereits in den zurückliegenden Jahren arbeiteten Waldeigentümer, Forstleute, Spediteure und Sägewerke mitunter an ihren personellen, finanziellen und logistischen Grenzen. Die Corona-Krise verschärft die Situation drastisch. Einer DeSH-Umfrage zufolge sind bereits 70 % der Sägeunternehmen negativ von dessen Auswirkungen betroffen.

Transport- und Lagerkapazitäten erhöhen

Angesichts der parallelen Belastung durch Pandemie und fortschreitende Waldschäden appelliert der DeSH an die Politik, Schritte zur kurzfristigen Krisenbewältigung sowie einer langfristigen Konjunkturbelebung zu ergreifen. Um trotz der zu erwartenden Personal- und Transportengpässe handlungsfähig zu bleiben, schlägt der DeSH in einem Positionspapier folgende Maßnahmen vor.

  • Erhöhung des Gesamtgewichts für Holztransporte auf temporär 46 t, finanzielle Entlastung von Holzspediteuren durch Aussetzung der Mautpflicht, Flexibilisierungen des Kabotageverbots sowie der Lenk- und Ruhezeiten
  • zahlreiche Betriebe planen während der Corona-Krise in Kurzarbeit zu gehen. Die Einschränkung der Weiterverarbeitungskapazitäten macht die Ausweitung von Lagermöglichkeiten unerlässlich
  • schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren für Nass- und Trockenlagerplätze, Vereinfachungen bei der Erweiterung bestehender Rundholzplätze durch Flexibilisierung kommunaler Flächennutzungspläne sowie die Auflegung eines KfW-Sonderprogramms „Holzlagerung“

Drohende Überlastung

„Bund und Länder beweisen mit den Milliardenhilfen angesichts der Krise große Flexibilität. Die ist aber nicht nur auf finanzieller Ebene erforderlich, sondern auch in der Praxis bei den Betrieben und im Wald. Wir hoffen daher, dass die Politik den Ernst einer drohenden Überlastung im Cluster Forst und Holz erkennt und auch dort schnell und flexibel handelt“, so Schmidt abschließend.

Das vollständige Positionspapier des DeSH lesen Sie hier.

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