Waldbau

Der Wald darf nicht der Wald von Gestern sein

Bearbeitet von Mirjam Kronschnabl-Ritz

Der Landesbetrieb HessenForst arbeitet an einem Wald mit Zukunft. Allein 2020 hat HessenForst fünf Millionen Bäume gepflanzt. Die Fachleute entscheiden im Fall jeder Schadfläche individuell, welche Maßnahme am schnellsten zu einem zukunftsfähigen Wald führt.

Waldflächen liegen brach, die dürren, toten Reste abgestorbener Fichten ragen in den Himmel und auch Baumarten wie Buchen und Birken sind sichtbar beschädigt. Nach Sturm Frederike im Januar 2018 folgten Hitze, Trockenheit und eine Kalamität jagte die nächste. Durch den Klimawandel wird es diese Jahre mit Wetter-Extrema in Zukunft häufiger geben.

Mischwald mit drei klimastabilen Baumarten

Umso dringender entwickelt HessenForst Konzepte für den Umgang mit den Schadflächen, denn hier sollen möglichst bald wieder Bäume wachsen und das Treibhausgas CO2 speichern. Ein vielfältiger, widerstandsfähiger und anpassungsfähiger Wald soll entstehen, der gleichzeitig auch in Zukunft hochwertiges Trinkwasser sowie den nachhaltigen Rohstoff Holz liefert und den Bürgerinnen und Bürgern Erholung bietet. Darum soll auf den Schadflächen ein Mischwald mit mindestens drei unterschiedlichen klimastabilen Baumarten heranwachsen, von denen jede Art mindestens 10 % Anteil am künftigen Waldbestand hat.

Die 3-Elemente-Strategie

Die Ausgangssituation für die Wiederbewaldung ist ebenso vielfältig, wie der Wald von Morgen. Für jede Fläche entscheiden die Forstleute situativ und auf wissenschaftlichen Grundlagen, welcher Weg zu einem zukunftsfähigen Wald führt. Die jeweils standortgerechte Strategie von HessenForst gründet im Prinzip auf drei Elementen:

1. Die Natur machen lassen

Überall dort, wo bereits jetzt rund um eine Schadfläche Bäume stehen, die auch ihrer Mischung im Klimawandel standortgerecht sind, lassen die Forstleute der Natur freien Lauf. Die unterschiedlichen Mutterbäume liefern Samen für die nächste Waldgeneration. Je kleiner die Fläche ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass es aus dem umliegenden Mischwald zum Samenanflug in der gewünschten Vielfalt und Qualität kommt

2. Wiederbewaldung auf ganzer Fläche

Damit der Wald von Morgen nicht so aussieht wie der von Gestern, werden insbesondere große Kahlflächen, auf denen bisher fast ausschließlich Fichten standen, neu begründet. Ohne aktive Pflanzung wüchsen dort sonst wieder risikobehaftete Fichten. Die neuen Bäume sind Eichen, Ahorne, Linden, aber auch Tannen und Douglasien. Eichenpflanzungen sind besonders aufwendig und teuer. Zäune sind oft noch nötig, um Reh- und Rotwild fernzuhalten. Die jungen Bäume müssen jahrelang immer wieder freigeschnitten, die Zäune auf Schäden kontrolliert werden.

3. Ergänzen, damit es vielfältig wird

In einem ehemaligen Fichtenwald hat sich hier und da bereits die neue Waldgeneration aus Birken, Lärchen und Fichten eingefunden. Aber an manchen Stellen tut sich die natürliche Verjüngung schwer. Hier hilft HessenForst nach und ergänzt beispielsweise mit Douglasien, Weißtannen oder Buchen, damit der Wald der Zukunft klimarobuster wird.

Quelle: HessenForst