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Der Verantwortung stellen

Am 27. Mai hielt der Bundesverband Brennholzhandel und -produktion (BuVBB) seine Jahreshauptversammlung ab. Im Vorfeld hatte es einige Unsicherheiten gegeben, was die turnusgemäßen Vorstandswahlen anging. Inhaltlich hat sich der Verband selbst einen ziemlichen Spagat auferlegt.

In guter Tradition traf man sich schon am Vortag schon bei einem Mitgliedsbetrieb und danach zu einem gemütlichen Abendessen. Die Exkursion führte nach Laubach, zum gleichnamigen Schälfurnierwerk. Auch wenn die Teilnehmer natürlich allesamt Fachleute für Brennholz waren, so stieß die Furnierproduktion mit ihrem gigantischen „Spitzer“ und der komplizierten Trocknungs- und Ausbesserungsanlage doch auf reges Interesse. Eine Zahl ist sicher Allen im Gedächtnis geblieben: Gerade einmal 40 % beträgt die Ausbeute in so einem Schälwerk. Der Großteil des eingekauften Holzes muss also anderweitig verwertet werden. Das „Luxusbrennholz“ aus den makellos runden Restrollen ist dabei nur ein kleiner Teil. Sehr viel geht in Laubach auch in ein eigenes Heizkraftwerk und von dort zum Teil in ein Fernwärmenetz.

Binderberger Sägespalter
Luxusbrennholz: In Laubach werden unter anderem diese makellosen Restrollen des Buchen-Schälfurnierwerkes zu Scheitholz verarbeitet Foto: H. Höllerl

Nach diesen Eindrücken mit allerhand Fachsimpelei über die eingesetzte Technik ging es nach Wettenberg zum gemütlichen Teil auf die Burg Gleiberg mit ihrem traumhaften Blick über das mittelhessische Städtchen.

Spagat

Die eigentliche Mitgliederversammlung fand tags darauf in den Räumlichkeiten des Holz- und Technikmuseums Wettenberg statt. In seinem Jahresbericht ging der 1. Vorsitzende Klaus Egly auf die Vielschichtigkeit der Interessen ein, die der Bundesverband zu bedienen versucht. Während die großen Vollerwerbsbetriebe vor allem nach Wegen zur Stärkung ihrer Kundenbeziehungen suchen, soll für die Kleinbetriebe ein Fernschulungssystem aufgebaut werden, das ihnen die Möglichkeit zu Fortbildung bei minimalem Aufwand gibt. Die öffentliche Wahrnehmung des Verbandes ist enorm, zumal sich im Sommer des vergangenen Jahres das Pendant, die RAL-Gütegemeinschaft Holzbrennstoffe vollständig aufgelöst hat. Damit ist der BuVBB die einzige Branchenvertretung auf Bundesebene. Das ist auch politisch eine große Herausforderung, nachdem die mediale Diskussion bisweilen in eine Feinstaub-Hysterie abzugleiten droht. Für das professionelle Auftreten nach Außen war es ein bedeutender Schritt nach vorne, dass man bei der Firma Comgraph in Kamen Ende 2016 eine permanent besetzte Geschäftsstelle einrichten konnte. Der Geschäftsführer Gerd Müller berichtete von weiter steigenden Anfragen und einer thematischen Verschiebung: Waren es im Vorjahr vor allem Streitigkeiten bei Maß und Qualität von Brennholzlieferungen, nehmen die Grundsatzfragen zur Holzverbrennung und Emissionen stark zu. Mehr und mehr bitten auch Nicht-Mitglieder um Unterstützung bei Konflikten, was logischerweise nicht geleistet werden kann.

Zwei Klassen?

Bundesverband Brennholz
Der 1. Vorsitzende Klaus Egly: Dass es im Verband zwei verschiedene Kategorien von Mitgliedsbetrieben gibt, sorgt manchmal für Verwirrung Foto: H. Höllerl

Viel Diskussionsstoff bietet nach wie vor die freiwillige Zertifizierung, die nach langwieriger Erarbeitung der Qualitätskriterien zusammen mit dem KWF als Partner umgesetzt werden konnte. Während einige Teilnehmer die Vorgaben und insbesondere die Kontrollen als zu lax erachten, haben sich beileibe noch nicht alle Mitgliedsbetriebe zertifizieren lassen – unter anderem weil sie den Aufwand scheuen und nicht sehen, dass dieser vom Kunden entsprechend honoriert wird. Das führt dazu, dass es unter anderem zweierlei verschiedenen Werbeplakate gibt – einmal für den normalen Mitgliedsbetrieb und einmal für das qualifizierte Mitglied. Manch empfinden das als Zwei-Klassen-Gesellschaft. Egly wirbt dafür, es als zwei Sparten zu betrachten, mit denen letztlich auch sichergestellt werden kann, dass keines der Mitglieder gänzlich „durch den Rost fällt“. Eine Heimat zu bieten für Brennholzbetriebe jeder Größenordnung, ist ihm weiterhin ein großes Anliegen.

Wer wird Vorstand?

Im vergangenen Jahr hatte die Mitgliederversammlung festgestellt, dass die beiden Vorsitzenden Klaus Egly und René Kleinlein formal nach der Satzung nicht mehr kandidieren würden können, weil sie beide ihre eigenen Brennholzbetriebe abgegeben haben. Für eine mögliche Kandidatur galt es darum erst einmal eine Satzungsänderung zu beschließen, wonach auch qualifizierte Mitarbeiter wählbar sind. Klaus Egly ist zwischenzeitlich angestellt bei seinem Nachfolger. Kleinlein bekam die Ehrenmitgliedschaft verliehen – er war schon Gründungsmitglied des BuVBB. Sein 18-jähriger Sohn koste ihn weniger Nerven als der Verein, gab er bei der Verleihung zu Protokoll, dennoch habe er nie den Spaß an der Arbeit verloren.

Als Kandidaten für den Vorstand hatten sich zwischenzeitlich auch Günter Meiners und Markus Keil gemeldet, die mit Ihrem Projekt „Brennholz 4.0“ derzeit recht öffentlichkeitswirksam sind.  Sie vertreten mit ihrer neuen Messmethode jedoch grundsätzlich eine andere Linie als der Verband, der sich bisher auf die Fahnen geschrieben hat: Keine Umrechnung von verschiedenen Maßen! Nach Eglys Erfahrung führt dies in der Praxis immer wieder zu Verwerfungen. Vielleicht nicht zuletzt aus Sorge vor einem möglichen Richtungswechsel in dieser Frage traten Egly und Kleinlein noch einmal an. Bei der Wahl entschied sich denn auch eine deutliche Mehrheit der anwesenden Mitgliedsbetriebe für die Kontinuität und bestätigten die beiden im Amt. Die Herausforderer zeigten sich darüber jedoch keineswegs verärgert, sondern gaben an, sich trotzdem noch stärker in der Verbandsarbeit engagieren zu wollen – auch im Sinne einer Einarbeitung für die nächste Wahlperiode. Baustellen gibt es in nächster Zeit zur Genüge: Neben der weiteren Mitgliederwerbung und der Überarbeitung der Zertifizierungskriterien soll auch die Internetpräsenz komplett umgekrempelt werden, hin zu einer Anlaufstelle für Endverbraucher.

Heinrich Höllerl

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