Ausbildung

Der Wohlleben-Studiengang kommt nach Eberswalde

Bearbeitet von Oliver Gabriel

Vor rund einem Jahr haben Peter Wohlleben und Prof. Pierre Ibisch angekündigt, einen neuen forstlichen Studiengang aufzubauen. „Ökologische Waldbewirtschaftung“ sollte er heißen. Jetzt hat sich die Leitung der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde (HNEE) entschieden, ihn in ihr Lehrprogramm aufzunehmen. Das teilte am 15. November das Wissenschaftsmagazin Geo mit, das sich ebenfalls für den neuen Studiengang engagiert.

Zwar waren Wohlleben und Ibisch immer optimistisch, dass es diesen Studiengang tatsächlich einmal geben wird. Aber man reibt sich doch die Augen, dass er nun ausgerechnet nach Eberswalde kommt. Dort hatte sich die Professorenschaft sehr entschieden gegen dieses Studium ausgesprochen.

Im März veröffentlichten die forstlichen Hochschulen in Deutschland darüber hinaus zum ersten Mal in ihrer Geschichte eine gemeinsame Erklärung. Sie verwahrten sich darin gegen die Unterstellung, dass „die derzeitige Lehre an forstlichen Hochschulen nicht auf einem umfassenden Verständnis von Wäldern als komplexen Ökosystemen beruhe und sich auf die Anlage von Holzäckern und damit die Plantagenwirtschaft beschränke.“

Nicht wenige Beobachter waren damals davon überzeugt, dass der neue Studiengang an den traditionellen forstlichen Hochschulstandorten keine Chance haben würde. War die ganze Aufregung jetzt also nur ein Sturm im Wasserglas?

Neue Impulse sind wichtig

Prof. Dr. Matthias Barth, der neue Präsident der HNEE, begründete die Entscheidung wie folgt: „Wir haben es uns an unserer Hochschule zur Aufgabe gemacht, die Nachhaltigkeitstransformation in die Gesellschaft voranzutreiben und Studierende mit den Schlüsselkompetenzen zur Gestaltung einer nachhaltigen Entwicklung auszustatten. Dafür bedarf es der kontinuierlichen Weiterentwicklung bestehender Studienprogramme und der Impulse durch neuartige Studiengänge. Von daher unterstütze ich die Konzeption des geplanten Studiengangs und freue mich sehr auf die weitere Zusammenarbeit. Im Austausch mit allen Beteiligten bin ich zuversichtlich, dass wir hier gemeinsam ein attraktives Angebot etablieren können, das Bedarfe auf dem Arbeitsmarkt der Zukunft aufgreift und das Portfolio der nachhaltigkeitsorientierten Studienprogramme sinnvoll ergänzt.“

Die Studieninhalte sind noch offen

Zur Erinnerung: Der neue Studiengang, der nun „Sozialökokogische Waldbewirtschaftung“ heißen wird, soll voraussichtlich 2023 an den Start gehen und jährlich etwa 20 Absolventen und Absolventinnen zum Bachelor-Abschluss führen. Die Umweltstiftung Greenpeace, die Elobau-Stiftung und die Stiftung „ZukunftJetzt!“ finanzieren dafür drei Stiftungsprofessuren.

Unter der Leitung von Prof. Pierre Ibisch werden die genauen Inhalte des Studiums zwar noch erarbeitet, fest steht aber die Zielrichtung des Studiums. Es will die langfristige Gesundheit und Vitalität des Waldes als komplexes Ökosystem mit all seinen Ökosystemleistungen bei allen Überlegungen in den Mittelpunkt stellen. Es will ein ökologisches Primat einführen, ohne dabei die wirtschaftliche Nutzung der Wälder auszuschließen. Pierre Ibisch formuliert es gerne auch so: Wenn es noch keine Forstwissenschaften gäbe, wie würde man diese Fachrichtung auf Grundlage der heutigen ökosystemaren Erkenntnisse und des heutigen Wald- und Menschenbildes ausrichten?

Der Nationale Waldgipfel von Wohlleben

Dass sich der Streit um den neuen Studiengang legen könnte, war schon Anfang August beim Nationalen Waldgipfel von Wohllebens Waldakademie zu spüren (ab Min. 3:18:30). Dort entwickelte sich nach anfänglichen Hakeleien zwischen Bastian Kaiser, dem Hauptautor der öffentlichen Erklärung, und Prof. Ibisch, Wohlleben und Jörg Schröder von Geo eine sachliche Diskussion, in der die Teilnehmer am Ende durchaus Symphatie für einander zeigten. Der Moderator Gerald Hausstädter fasste sie abschließend mit den Worten zusammen, dass man sich im gegenseitigen Verständnis näher gekommen sei.

Auch an der HNEE in Eberswalde hat die Diskussion in den Monaten seitdem offenbar eine konstruktive Richtung eingeschlagen. So wie es Prof. Ibisch immer gewollt haben will. Seinen Aussagen zufolge, hat die HNEE die öffentliche Erklärung der Forsthochschulen ohnehin nie offiziell unterschrieben, sondern nur ein einzelner Professor.

Oliver Gabriel