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Eichen-Habitatbaum mit Spechthöhle und Konsolenpilzen.

Der Schutz alter Bäume ist keine moderne Idee

Die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt (NW-FVA) und Universität Göttingen untersuchten die Geschichte eines Naturschutzkonzepts und machen dadurch eine überraschende Entdeckung im Bezug auf den Schutz alter Bäume als Biodiversitäts-Hotspot.

Der Schutz alter Bäume als Lebensraum für Tiere und Pflanzen ist ein Konzept, das 200 Jahre alt ist – zu dieser überraschenden Erkenntnis kommen Wissenschaftler der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt und der Universität Göttingen. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Conservation Biology erschienen.

Alte Bäume wichtig für Biodiversität

Alte Bäume können wahre Schatzkammern der Biodiversität sein. Häufig weisen sie eine große Krone und eine Vielfalt an besonderen Strukturen wie Höhlen, Faulstellen, absterbende Äste oder eine grobe Borke auf. Diese Strukturen bieten vielen seltenen Tieren und Pflanzen einen Lebensraum, also ein Habitat – daher werden solche Bäume auch als Habitatbäume bezeichnet. Das Artenspektrum reicht von Höhlen bewohnenden Vögeln, Fledermäusen oder Käfern bis hin zu Pilzen, Moosen und Flechten. Ausgewählte Habitatbäume alt werden zu lassen, ist daher ein wesentlicher Beitrag zur Erhaltung der biologischen Vielfalt. Mittlerweile ist ihr Schutz fester Bestandteil einer naturnahen Forstwirtschaft. Doch die so modern anmutende Idee des Schutzes von Habitatbäumen ist bereits 200 Jahre alt.

Lebensraum und Naturdenkmal

Um das Jahr 1800 hatten weitsichtige Forstwissenschaftler und Naturkundler erkannt, wie wichtig der Schutz von Habitatbäumen als Brut- und Ruhestätte für solche Vögel und Fledermäuse ist, die natürliche Gegenspieler von Schadinsekten sind. „Deswegen müssen dergleichen Bäume von jeder Holzart geschont werden, so lange sie zu diesem Zweck passen“, forderte schon 1819 der badische Forstmann Karl von Sponeck. Hinzu kam das vor 200 Jahren erwachende Interesse am Erhalt von alten Bäumen als Naturdenkmal. Wie das Forscherteam aus Göttingen und Hannoversch Münden herausfand, war das Konzept des Habitatbaumschutzes der Forstwirtschaft in Mitteleuropa bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus Fachzeitschriften, Büchern und Verwaltungsanweisungen allgemein bekannt. Die tatsächliche Umsetzung dieses Konzepts war jedoch vor allem dem Einsatz einzelner Förster zu verdanken, die Specht- und Höhlenbäume erhalten konnten. Ungeachtet dieser ersten Schutzbemühungen kam es über viele Jahrzehnte zu großen Verlusten an Alt- und Habitatbäumen. Eine Trendwende konnte erst mit der verbindlichen Einführung von Konzepten zum Habitatbaumschutz in öffentlichen Wäldern ab den 1990er Jahren erreicht werden.

Foto: P. Meyerheim

Abb.: Eichen-Habitatbaum im 19. Jahrhundert, ausgestattet mit verschiedenen Schlaf- und Brutkästen für Vögel und Fledermäuse. Lithographie von Paul Meyerheim aus dem Jahre 1865.

Wertvolle Hinweise für die Zukunft

Die Forscher zeigen zudem auf, wie die Idee des Habitatbaumschutzes bereits im späten 19. Jahrhundert von Europa nach Nordamerika gelangte. Dort wurden entsprechende Schutzkonzepte ab den 1970er Jahren erstmals großflächig umgesetzt. Dieses erfolgreiche Vorbild förderte die Entwicklung und Umsetzung von systematischen Schutzkonzepten für Habitatbäume in vielen Ländern weltweit. „Unsere Studie zeigt auf, wie sich diese letztendlich sehr erfolgreiche Naturschutzidee unter sich verändernden sozialen und ökologischen Rahmenbedingen langfristig entwickelt hat“, so Dr. Andreas Mölder von der Abteilung Waldnaturschutz an der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt. „Daraus lassen sich wertvolle Hinweise ableiten, damit auch andere Naturschutzkonzepte dauerhaft erfolgreich umgesetzt werden können“, ergänzt Prof. Dr. Tobias Plieninger von der Universität Göttingen.

 

Quelle: NW-FVA

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