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Der Macher im Hintergrund geht

Der Macher im Hintergrund geht

2001 führte das Land Baden-Württemberg für alle Hochschulen einen Aufsichtsrat als beratendes Gremium mit weitreichenden Zuständigkeiten für die strategische Entwicklung der Hochschulen und die konstruktiv-kritische Begleitung der Arbeit der Rektorate ein. Durch die jüngste Novellierung des Landeshochschulgesetzes (LHG) ist die Amtszeit der einzelnen Mitglieder nun auf neun Jahre begrenzt. Die anstehenden personellen Wechsel sind auch an der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg (HFR) Anlass für eine Rückschau.Die 41. Sitzung des sogenannten Hochschulrates der HFR ist für vier seiner Mitglieder zugleich die Letzte. Mit Stephan Meißner, dem Hauptgeschäftsführer des Papierzentrums in Gernsbach sowie Joachim Walter, Landrat in Tübingen und Vorsitzender des Landkreistages Baden-Württemberg, scheiden zwei der insgesamt fünf externen Mitglieder, mit Prof. Otmar Fuchß und Prof. Dr. Stefan Pelz zwei interne des insgesamt 11 Personen großen Gremiums aus.Obwohl in der jüngsten Gesetzesnovelle (2013) die Befugnisse und Zuständigkeiten des Hochschulrates (HSR) beschnitten und die des Senats als internes Hochschulorgan wieder gestärkt wurden, bleibt der HSR insbesondere für strategische Entscheidungen und Impulse eine gerade an Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW) sehr wichtige Institution. Über ihn bekommt z.B. die HFR wichtige Hinweise und Impulse aus den Kompetenz- und Beschäftigungsfeldern ihrer Absolventinnen und Absolventen. Der HSR ist insofern nicht nur ein kontrollierendes, sondern auch ein beratendes Gremium, das in den vergangenen 14 Jahren wesentlich zur Entwicklung der HFR beigetragen hat. So titelte das SCHWÄBISCHE TAGBLATT noch im September 2002: „Aus für FH Rottenburg“. Nicht zuletzt durch die engagierte Arbeit des damals noch jungen Hochschulrates gelang es zunächst, die Schließung oder Fusion mit einer anderen Hochschule abzuwenden. Von Anfang an arbeitete der HSR unter der Leitung von Stephan Meißner und unterstützte das Rektorat durchaus auch durch direkte Kontakte in die damalige Landesregierung. Seitdem sind nicht nur einige der Hochschulräte turnusgemäß oder wegen anderer Verpflichtungen aus dem Gremium ausgeschieden, sondern es haben sich auch die hochschulpolitischen Vorzeichen seiner Arbeit mehrfach verändert. Neben zwei Gesetzesnovellen sind vor allem die Umstellung auf die sog. „Bologna-Abschlüsse“ (Master und Bachelor) zu nennen, die Einführung der leistungsorientierten W-Besoldung für Professorinnen und Professoren, die Einführung und Wieder-Abschaffung der Studiengebühren, der Solidarpakt II und der neue Hochschulfinanzierungsvertrag sowie die kontinuierliche Zunahme der Hochschulautonomie, die Entwicklungsprogramme „Hochschule 2012“ und „Master 2016“.Mit Stephan Meißner scheidet nun u. a. die Persönlichkeit aus dem HSR aus, die stets im Hintergrund, aber immer einer klaren Linie folgend die Geschicke der HFR in den vergangenen eineinhalb Jahrzehnten wesentlich geprägt hat. Dabei half ihm seine große Erfahrung als Verhandlungs- und Sitzungsleiter sowie sein Sachverstand als Geschäftsführer einer holz- und forstnahen Branche, der Papierindustrie, für die er weit über Baden-Württemberg hinaus in der Verantwortung steht.„Herr Meißner war für die HFR ein Glücksfall. Ohne ihn hätten wir die vielen Reformen und anspruchsvollen Veränderungen unserer Rahmenbedingungen vom Schließungskandidaten zur Exzellenz-Hochschule mit nationaler und internationaler Reputation nicht so gemeistert“, betont Rektor Bastian Kaiser, „er hat uns besonnen und kreativ durch diese Zeit geführt und hat sich in einer unglaublichen Weise für die Hochschule engagiert. Dafür danken wir ihm und allen anderen Hochschulratsmitgliedern ganz herzlich.“Zum Herbst wird die Wissenschaftsministerin des Landes, Theresia Bauer, auf Vorschlag einer Findungskommission der Hochschule neue Mitglieder für den Hochschulrat ernennen.

Petra Martin-Jacob/HFR

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