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Der Insektizideinsatz steigt

Die Landesforstbetriebe betrachten Insektizide bei der Bekämpfung der Borkenkäfer als das letzte Mittel – wenn nichts anderes mehr hilft. Die Möglichkeiten des integrierten Pflanzenschutzes gehen vor: Die Förster kontrollieren frühzeitig und regelmäßig die Bestände, sie schlagen frisch befallenes Käferholz rasch ein und lassen es umgehend aus dem Wald fahren. Ist das nicht möglich, entrinden sie es oder lagern es unter Folie. Das Kronenholz wird vielfach gehackt, damit die Borkenkäfer es nicht besiedeln können.

Doch die Käferkatastrophe ist dieses Jahr so groß, dass auch die staatlichen Waldbesitzer nicht um die Chemie herumkommen, besonders weil Transportkapazitäten fehlen. Sie greifen auch dann zunächst zu umweltschonenden Methoden, stellen Trinet-Fangnetze auf und decken Frischholzpolter mit Storanet ab.

Aber selbst FSC-zertifizierte Landesforstbetriebe, in denen Insektizide wie Karate Forst flüssig oder Cyperkill Forst nur nach einer behördlichen Anordnung akzeptiert werden, setzen mittlerweile Spritzmittel ein. Für sechs Bundesländer haben wir folgende Zahlen ermittelt:

  • Bei ThüringenForst (FSC) stieg die behandelte Holzpoltermenge von 38 977 Fm im Jahr 2017 um das Vierfache auf 167 299 Fm im Jahr 2018 an. Dies entsprach rund 14 % des durchschnittlichen Jahreseinschlags. Dieses Jahr hat der Landesbetrieb bis zum 9. Juli etwa 97 700 Fm gegen holz- und rindenbrütende Borkenkäfer behandelt.
  • Die Niedersächsischen Landesforsten haben bis zum 14. Juni 2019 rund 222 000 Fm und im Jahr 2018 rund 744 000 Fm Holz gespritzt (Gesamteinschlag 2017: 1,6 Mio. Fm).
  • Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums haben die Bayerischen Staatsforsten 98 000 Fm Rundholz im Geschäftsjahr 2018 mit Borkenkäferinsektiziden behandelt (rund 3,4 % des Nadelstammholzeinschlags).
  • Nordrhein-Westfalen (FSC) gibt für 2018 eine Menge von 14 108 Fm als behandelt an. Für 2019 hat der landeseigene Forstbetrieb Mittel für eine Rundholzmenge von 60 000 Fm geordert, inklusive Storanet (Gesamteinschlag 2017: 540 000 Fm).
  • HessenForst (FSC) hat in den Jahren 2017/2018 genau 197 356 Fm Holz behandelt. 2017 waren es 21 631 und 2016 nur 8 230 Fm (Gesamteinschlag: 2 Mio. Fm).
  • Die Landesforsten Rheinland-Pfalz (FSC) haben 2018 bis auf einmalige Ausnahmen in den Forstämtern Neuhaus und Kaiserslautern auf den Pestizideinsatz verzichtet. Auch weiterhin ist die chemische Behandlung der Holzpolter nicht geplant.

Gemessen am Gesamteinschlag halten sich die behandelten Holzmengen im Landeswald dieser Länder in Grenzen, nur bei den Niedersächsischen Landesforsten ist der Anteil verhältnismäßig hoch. Zahlen aus dem Privatwald gibt es nicht.

Johann Müller/Red.

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