Forstpolitik

Der Hype um den Tag des Waldes

Bearbeitet von Rainer Soppa

„Wiederaufbau von Wäldern – ein Weg zu Erholung und Wohlbefinden“, so lautet das Motto der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) zum diesjährigen „Internationalen Tag der Wälder“. Am heutigen Sonntag findet der zum 50. Mal statt. 1971 hatte die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) als Reaktion auf die globale Waldvernichtung dafür den 21. März (Frühlingsanfang) ausgerufen.

Durch die Folgen der Trockenheit in auch bei uns eine Art von Waldvernichtung angekommen. Damit dies kein Dauerzustand wird und auf den riesigen Flächen ein „neuer“ Wald entstehen kann, braucht es viel Geld, die richtigen Baumarten und vor allem Zusammenhalt zwischen Waldbesitzern, Politik und Öffentlichkeit. In der momentanen Diskussion in den Medien sind wieder einmal viele Emotionen dabei. Sie gehören zum Wald und das ist auch gut so.

Das der Wald als Thema in der Mitte der Gesellschaft und bei allen Interessengruppen angekommen ist, zeigt allein die Zahl der Pressemitteilungen, die uns zu dem Thema erreichten. Alle möglichen Gruppierungen, Parteien und Verbände haben ihre ganz eigene Meinung hierzu.

Wiederbewaldung – aber wie?

Besondere Bedeutung beim Thema Wiederbewaldung misst z. B. Nordrhein-Westfalens Forstministerin Heinen-Esser standortangepassten Baumarten und einer vielfältigen kleinräumigen Struktur bei: „Ich hoffe, dass langanhaltende Trocken- und Hitzeperioden ausbleiben und 2021 zu einem Jahr der Wiederaufforstung und Erholung unserer Wälder wird. Mit gesunden Wäldern können wir den Klimawandel und den Artenschwund eindämmen und auch Mensch und Natur ein Stück Erholung schenken.“ Die Bewältigung der massiven Waldschäden hat den Waldbäuerinnen und Waldbauern und der Forstwirtschaft in den zurückliegenden Jahren viel abverlangt. Ministerin Heinen-Esser: „Wir rechnen damit, dass Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer dieses Jahr verstärkt die Wiederbewaldung angehen. Ziel ist, dass es gelingt, die Kalamität in einen Impuls für zukunftsfähige Wälder umzuwandeln.“

CO2-Speicherleistung

Aktuell scheint dabei neben der Wiederbewaldung der Schadflächen das Thema CO2 ebenfalls an vorrangiger Stelle zu stehen. Darauf weist auch der Geschäftsführer der Forstkammer Baden-Württemberg, Jerg Hilt, als Vertreter der privaten und kommunalen Waldbesitzer hin: „Ohne den Wald und seine nachhaltige Bewirtschaftung würden die Treibhausgasemissionen in Deutschland jährlich um 127 Mio. Tonnen CO2 ansteigen“, verdeutlicht, der Forstkammer, die Klimaschutzleistung des Waldes. „Unsere ambitionierten Klimaziele erreichen wir nur, wenn wir den Wald nachhaltig bewirtschaften. Die Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer legen sich tagtäglich für den Schutz unseres Klimas ins Zeug. Vor allem am Tag des Waldes sollte diese Tatsache in unser aller Bewusstsein rücken.“

„Der Klimawandel bedroht die Wälder auf der ganzen Welt. Regelmäßig auftretende riesigen Waldbrände in Nordamerika, in Sibirien und Südeuropa und die Verwüstungen ganzer Landschaften durch immer heftigere Stürme sprechen für sich.“ so der Präsident des Hessischen Waldbesitzerverbandes, Michael Freiherr von der Tann.

Wer soll das bezahlen?

Die AGDW – Die Waldeigentümer und die Familienbetriebe Land und Forst stellten zum Tag des Waldes die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage vor. Danach sprechen sich 76 % der Bevölkerung für eine dauerhafte Unterstützung des Waldes und seiner Bewirtschafter aus Mitteln des neuen Energie- und Klimafonds (EKF) aus. „Der Wald speichert rund 14 % der bundesdeutschen CO2-Emissionen und ist damit der Klimaschützer Nr. 1“, sagten die beiden Vorsitzenden Hans-Georg von der Marwitz und Max von Elverfeldt. „Das Ergebnis dieser Umfrage bestärkt uns in unserem Einsatz für eine Honorierung der Klimaschutzleistung des Waldes und seiner Bewirtschafter“, erklärt Max von Elverfeldt, Vorsitzender der Familienbetriebe Land und Forst. Sein Verband setzt sich im Rahmen der bundesweiten Kampagne „Wald ist Klimaschützer“ für diese Honorierung ein. Der Hintergrund: Die Verursacher von CO2-Emissionen zahlen seit dem 1. Januar 2021 25 € pro Tonne CO2 in den Energie- und Klimafonds ein. „Wälder sind die Lebensgrundlage unserer Gesellschaft. Es handelt sich daher um eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die Wälder mit Blick auf die kommenden Generationen klimastabil umzubauen“, sagte Hans-Georg von der Marwitz, Präsident der AGDW – Die Waldeigentümer.

uIn eine ähnliche Richtung zielen die Äußerungen des baden-württembergischen Forstministers Peter Hauck: „Wir unterstützen die Waldbesitzer mit unseren bestehenden Beratungs- und Betreuungsangebote sowie den passgenauen Förderprogrammen bei ihren Arbeiten nach Kräften. Um nachhaltige Waldwirtschaft angesichts des Klimawandels und der hohen Anforderungen an die Schutz- und Erholungsfunktionen, die von den Waldbesitzern erbracht werden müssen auf Dauer sicherzustellen, brauchen wir einen dauerhaften finanziellen Ausgleich dieser Leistungen“.

Forderungen von allen Seiten

Nicht nur die Waldbesitzer haben eine Meinung zu dem Thema. „Im Kampf gegen die Klimakrise sind wir auf die Ökosystemleistungen der Wälder angewiesen. Um diese zu erhalten, muss ein drastisches Umdenken in der Forstwirtschaft stattfinden“ heißt es in der Pressemitteilung von Anna Deparnay-Grunenberg, Mitglied der Grünen Fraktion im Europäischen Parlaments. Deparnay-Grunenberg weiter: „Kahlschläge haben unmittelbar fatale Auswirkungen auf die Bodenqualität und den Wasserkreislauf. Dadurch wird dem Kohlenstoffspeicher Wald in kurzer Zeit enorme Mengen Biomasse entzogen, wodurch die Funktion als CO2-Senke in ihr Gegenteil verkehrt wird. Die Wälder werden nach einem Kahlschlag zu CO2-Emittenten! Großflächige Kahlhiebe (mehr als 0,3 ha) sollten deshalb generell verboten werden.“ Leider fehlt in dieser Meldung der Hinweis, wo solch große Kahlhiebe praktiziert werden.

Rendite für die Gesellschaft

Während der Corona-Pandemie entdecken immer mehr Menschen die positiven Wirkungen eines Aufenthaltes im Wald. Zeitweise wurden die Wälder von den vielen Menschen regelrecht überflutet. Daher ist es höchste Zeit, dass der Wald auch als unverzichtbarer Erholungsraum stärker in den Blick gerät. Das fordern gemeinsam der Deutsche Wanderverband (DWV) und der Bund Deutscher Forstleute (BDF).

Wie sehr die Probleme auch bei diesem Thema drängen, ist in vielen Regionen Deutschlands sichtbar. Zum Beispiel im Harz. Das nördlichste Mittelgebirge Deutschlands verzeichnet einen verheerenden Verlust alter Nadelwälder. Auf riesigen Flächen sind Fichten Stürmen, der Trockenheit und dem Borkenkäferbefall zum Opfer gefallen, auch Buchen und Eichen sind vielerorts gravierend geschädigt. Der Harzklub, ein regionaler Heimat-, Wander- und Naturschutzbund mit rund 13.000 Mitgliedern, richtet sich deswegen mit der Resolution „Der Harz(er) Wald geht nicht ohne uns“ an Politik sowie regionale und kommunale Entscheidungsträger. Die Resolution enthält fünf Haupt-Forderungen: So soll ein Waldschadensfonds Waldbesitzern schnelle Hilfe zum Beispiel für Aufforstungen gewähren. Auch die Gemeinwohlleistungen des Waldes sollten honoriert werden.

Auch der im Wald produzierte Rohstoff ist eine Rendite für alle: „Der Wald muss heute viele Rollen gleichzeitig übernehmen, ob als Erholungsort, als Lebensraum oder als Ursprung klimafreundlicher Rohstoffe. Angesichts des fortschreitenden Klimawandels und der einmaligen Möglichkeiten, die uns der Wald als Antwort darauf bietet, sollte es das Ziel sein, alle diese Möglichkeiten zu nutzen und so gemeinsam die Zukunft des Waldes zu gestalten“, erklärt Lars Schmidt, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Säge- und Holzindustrie Bundesverbands e.V. (DeSH).

Wir brauchen den Wald

Bei allen Wünschen und Forderungen bleibt positiv zu registrieren, dass sich sehr viele Menschen Gedanken um die Natur und den Wald und seine Zukunft machen. Und das ist gut so. So wie es der Prof. Dr. Drs. h.c. Gerd Wegener, ehemaliger Ordinarius für Holzkunde und Holztechnik aus München, einmal sagte „ohne Wald gäbe es die Menschheit nicht und ohne Wald kann der Mensch auch nicht überleben“.