ABO
Der Goldafter bevorzugt

Der Goldafter bevorzugt Obst und Wärme

Als Schädling von Wirtschaftsflächen tritt der Goldafter eher selten in Erscheinung. Allerdings können seine Raupen und Hinterlassenschaften wie Gespinstnester und Raupenhaare beim Menschen allergische Reaktionen hervorrufen.

In den letzten Jahren haben der Eichenprozessionsspinner und die mit ihm verbundenen Probleme immer wieder von sich reden gemacht. Aber es gibt eine weitere Art, die auch in Deutschland und der Schweiz immer wieder in den Medien auftaucht.

Es handelt sich um den Goldafter (Euproctis chrysorrhoea), ebenfalls eine Trägspinnerart. Die Art galt früher, zu Zeiten als es noch keine wirksamen Pflanzenschutzmittel gab, als gefürchteter Obstbaumschädling. Sein Bestand ging jedoch in der Mitte des letzten Jahrhunderts stark zurück. Die schneeweißen Falter mit ihrem goldbraunen Afterbusch (Namensgebung) könnten zukünftig als wärmeliebende Art vom Klimawandel profitieren. Hinzu kommen Naturschutz-, Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen in Form von Hecken und Gehölzanpflanzungen in der Landschaft, die für die Falter, gemeinsam mit vielen anderen Arten, förderlich sind, da hier nicht selten die bevorzugten Futterpflanzen eingebracht werden.

Verbreitung und Wirtspflanzen

In Mitteleuropa ist der Goldafter, vom Norden Skandinaviens abgesehen, überall vertreten. Bevorzugte Habitate der wärmeliebenden Art sind Gehölze im Offenland und öffentlichen Grün, wie Hecken, Solitärbäume und Alleen und gelegentlich auch warme Waldränder. Auch entlang von Autobahnen ist er zu finden. In geschlossenen Wäldern findet man ihn bisher jedoch nicht. Als Futterpflanze wird eine große Zahl von Gehölzen angenommen, von denen viele in Gärten kultiviert werden, wobei die Gattungen Malus, Pyrus, Prunus und Crataegus die begehrteste Nahrung darstellen. Aber auch die Baumgattungen Quercus, Acer, Populus und Ulmus werden in der Literatur als Nahrungspflanze häufig genannt [8].

Biologie und Befallssymptome

Die Schwärmzeit des nachtaktiven Goldafters liegt in den Monaten Juli und August. In dieser Zeit werden die Eier in der Kronenperipherie in länglichen Gelegen an Zweigen oder an Blattunterseiten abgelegt und zum Schutz mit der braun-goldenen Afterwolle bedeckt (Abb. 1). Nach rund zwei Wochen schlüpfen die Eiraupen und beginnen auf der Blattoberseite gesellig mit dem Fraß. Zunächst handelt es sich um einen Skelettierfraß. Danach werden die befressenen Blätter zu einem Gespinstnest zusammengezogen. Die fünf bis fünfzehn Zentimeter großen Nester befinden sich i. d. R. an oder in der Nähe der Triebenden und sind im Innern in Kammern unterteilt [10]. In diese Kammern ziehen sich die Raupen, in Mitteleuropa im zweiten oder dritten Larvenstadium – mit Einsetzen des Laubfalls – zurück, um dort ihre obligate Diapause zu verbringen [4] (Abb. 2). Im Frühjahr ab Ende März werden die Raupen wieder aktiv und beginnen ihren Fraß an Knospen und jungen Blättern (Abb. 3). Kurz nach dem Austrieb kann es bei hohen Populationsdichten zu Kahlfraß kommen. Bei ungünstiger Wetterlage und zur Häutung ziehen sich die Larven weiterhin in das Gespinstnest zurück (Abb. 4). Erst im letzten Larvenstadium vereinzeln sich die Tiere und verpuppen sich im Juni alleine oder in Kleingruppen in einem locker gesponnenen, gelblichen Gespinst [8].

Gefahren

Wirtschaftliche Schäden entstehen in der Regel kaum, sind jedoch im Obstbau oder in Baumschulen möglich. Eine größere Gefahr stellt der Goldafter für die menschliche Gesundheit dar. Die Raupenhaare, die Gelege und die Haare des Afterbusches der Falter verursachen durch hautwirksame Gifte und Allergene (z. B. Histamin, Kallikrein) bei Kontakt Hautausschläge und Entzündungen (Raupenhaardermatitis), welche meist etwas zeitverzögert auftreten, dann aber über mehrere Tage anhalten können [7]. Aus den USA, wo der Goldafter („Browntail Moth“) in einigen Bundesstaaten der Nordost-Küste als invasive Art geführt wird, gibt es zudem Berichte über das Auftreten von Atembeschwerden bei empfindlichen Personen [1, 6]. Da die Raupenhaare sehr leicht sind und zahlreich vorkommen, besteht durch Windverfrachtung die Gefahr einer Kontamination der Umgebung. Ähnlich der Raupenhaare des Eichenprozessionsspinners behalten sie über mehrere Jahre ihre Wirksamkeit und können bei Pflegearbeiten, z. B. Gehölzschnitt, Mahd oder Laubrechen, erhebliche Probleme bereiten [5].

Handlungsempfehlungen

In der freien Landschaft ist eine Bekämpfung in der Regel nicht notwendig, da die Populationen in der Mehrzahl nach zwei bis drei Jahren auf natürlichem Weg zusammenbrechen [10]. Im öffentlichen Grün, in Gärten sowie Obst- und Zierpflanzenbau ist eine Bekämpfung durch die mechanische Entfernung der Überwinterungsnester möglich. Die Gespinstnester sollten im Anschluss verbrannt werden. Im landwirtschaftlichen Bereich stehen zur Bekämpfung zudem noch Bacillus thuringiensis-Präparate zur Verfügung [2], die in der ersten bis zweiten Maiwoche des zweiten Fraßjahres ausgebracht werden sollten, wodurch eine Kontamination der näheren Umgebung der Befallsherde mit den Gifthaaren weitgehend vermieden werden kann. Bei allen Bekämpfungsmaßnahmen oder Pflegearbeiten in kontaminierten Bereichen ist Schutzausrüstung anzuraten, um Hautkontakt mit den Raupenhaaren zu vermeiden [3, 9].

Christoph Preisendörfer/LWF
 

Bildergalerie

Auch interessant

von