Fuhrman Sandro Kollan
Direktbeladung eines Kundenfahrzeuges neben der Autobahn. Das spart Leerkilometer
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Der Fuhrmann aus Gnewikow

09. August 2019

Sandro Kollan schätzt lange Geschäftsverbindungen. Bei den Zugfahrzeugen setzt der Holztransporteur auf MAN, bei Aufbauten und Anhängern auf BEFA. Meist sitzt der Chef auch selbst am Steuer. Wir konnten ihn einen Tag lang bei der Arbeit begleiten.

Mit 39 Jahren schon ein alter Hase im Geschäft: Fuhrmann Sandro Kollan
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Sandro Kollan trägt den „Fuhrmann“ voller Stolz schon in seinem Firmennamen. Sein Betrieb Fuhrmann Sandro Kollan (FSK) sitzt in Gnewikow. Was schon fast polnisch klingt, ist ein Ortsteil von Altruppin in Brandenburg. Der 39-Jährige betreibt den Holztransport schon seit 2007 – in den ersten Jahren gemeinsam mit einem Partner. 2016 trennten sich die Wege. Seither hat Kollan sein Unternehmen auf acht Mitarbeiter und neun Lastzüge vergrößert.

Den Fuhrpark stellen Lkw von MAN und die Aufbauten und Anhänger die Firma Belziger Fahrzeugbau (BEFA). Hinzu kommt ein Logo 12 von Doll Fahrzeugbau. „Auflieger in dieser Art hat BEFA nicht im Programm. Das ist mit BEFA abgesprochen“, sagt Kollan. Die Wahl der Fahrzeugmarke überrascht nicht. Sandro Kollan hat bei der regionalen Niederlassung der Münchner eine Ausbildung als Lkw-Mechaniker durchlaufen und ist folglich mit der MAN-Technik bestens vertraut. Zwei Fremdmarken im Fuhrpark sind gebrauchte Mercedes Actros, die kurzfristig wegen erhöhter Auftragslage beschafft wurden. BEFA sieht der Unternehmer als einen mittelständischen Fahrzeugbauer in der Region, der auf Sonderwünsche eingeht und auch kurzfristig bei Problemen hilft. „Die Fahrzeuge aus Bad Belzig haben sich bei uns bewährt. Sie sind robust und durchdacht konstruiert.“

Chef und Senior

Beim Treffen zur eintägigen Mitfahrt ist auf dem Firmenhof von den üblicherweise orangenen Lastzügen von FSK schon nichts mehr zu sehen. Nur noch ein grüner MAN TGS 26.440 6×4 mit Epsilon M 120 Z steht da. „Das ist unser ältester Zug, seit fast zehn Jahren dient er uns treu.“ Die neueren Fahrzeuge überlässt Kollan seinen Angestellten: „Die sollen Freude an den Fahrzeugen und der Arbeit haben. Gute Arbeit muss belohnt werden.“ Der Chef fährt sozusagen den Senior des Fuhrparks. Doch auch mit diesem leistet er täglich das volle Pensum: „Wir haben ihn vor einiger Zeit bei BEFA überholen lassen. Nach fast zehn Jahren sind außer reinen Verschleißteilen praktisch noch alle Originalteile dran.“ Die gute Qualität zeigt sich auch an diesem Tag bei sehr unterschiedlichen Aufträgen. In einem Wald bei Kremmen lädt Kollan 3 m lange Kiefernabschnitte und fährt diese an einen Lagerplatz nahe der Autobahnauffahrt. Dort wartet schon ein Lkw, der die Ladung übernimmt. In kurzer Zeit ist umgeladen und der Zug abgefegt. Wir warten kurz auf einen Waldbesitzer, der uns Brennholz zeigen will. Der fährt zu den Poltern voraus. Diesmal muss Kollan an einer engen Kreuzung im Wald wenden. Geübt stößt er den Zug über Eck zurück, fährt in die Gegenrichtung zu den ersten Stämmen am Wegesrand, vorwiegend Eiche und Birke. Zügig verteilt er zuerst die langen Stämme und ergänzt dann die kürzeren auf dem Zug.

Auf der Fahrt zur Entladestelle berichtet Sandro Kollan über seinen Betrieb: „Unsere Fahrer haben recht viel Freiheit, ihren Tagesablauf einzuteilen. Jeder hat seinen festen Zug, der so weit wie möglich nach seinen Wünschen ausgestattet ist. Die meisten Fahrzeuge haben den MAN-Hydrodrive, den spritsparenden und leichten zuschaltbaren Vorderachsantrieb. Die Lkw haben Fernverkehrshäuser, denn es fallen immer wieder weitere Touren an. Im Gegensatz zu vielen anderen Unternehmen haben wir keine Telematik. Ich will nicht, dass sich die Fahrer so kontrolliert fühlen. Sie arbeiten eigenverantwortlich, und das klappt interessanterweise sehr gut.“

Die Mitarbeiter haben ihre Fuhraufträge mit Lage der zu übernehmenden Polter sowie Kennzeichnung der Stämme. So kommt es vor, dass ein Kollege beispielsweise am Freitag schon recht früh Feierabend macht und dann seine Partie für die kommende Woche erst am Samstag lädt. Oder er fährt die ausgelassene Tour am Samstag zu einem Kunden, bei dem er jederzeit entladen kann.

Trotz des guten Betriebsklimas gab es schon Kollegen, die zu einem anderen Fuhrunternehmen gewechselt haben. Kollan ist dabei entspannt: „Ich bin denen nicht böse. Die Leute wollen und sollen auch Erfahrungen in anderen Betrieben und auf anderen Fahrzeugen sammeln. Tatsächlich sind diese Fahrer fast alle wieder zurückgekommen.“

Langjährige Kunden

Wie schon erwähnt, schätzt Kollan Kunden- und Lieferantentreue. Seine Kunden sind Waldbesitzer, große und kleine Sägewerke, Holzhändler und Exporteure, Holzverarbeiter und Palettenhersteller, Papierfabriken und Spanplattenproduzenten. Diese Vielfalt ermöglicht der Firma FSK, die Leerkilometer gering zu halten. Bahn- und Containerverladungen, sowie Rückladungen von Schnittholz oder in Zusammenarbeit mit Kollegen senken die Einsatzkosten.

Die Firmenfarbe von FSK sticht ins Auge. Der schwarze Rahmen und die schwarzen Felgen kontrastieren dazu
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Die gute Verbindung zum Aufbauer BEFA bestätigt die Auslieferung eines neuen MAN TGS 26.500 6×4 H (Hydrodrive) mit Kurzholzaufbau. Der steht pünktlich zum 39. Geburtstag des Vaters von drei Kindern auf dem Hof. Die Fernverkehrskabine krönt ein Alubügel von Jumbo Fischer mit vier Scheinwerfern. Rahmen und Felgen des orangenen Lkw sind – wie bei Kollan üblich – schwarz gehalten. Mit dem ebenfalls orange lackierten Aufbau stechen die Lastzüge sofort ins Auge. Dass der Hilfsrahmen und alle anderen Stahlteile vor der Lackierung gegen Korrosion behandelt wurden, ist selbstverständlich. Die glatt ausgeführte Stirnwand ist beidseitig mit senkrecht laufenden Winkelprofilen verstärkt und hat über der Kabine Luftschlitze. Ihre Belastbarkeit ist nach DIN zertifiziert. Die Rungenschemel D7 stammen von Exte. Die Heckausführung ist verwindungsoffen. Durch Laserzuschnitt in abgerundeter Detailausführung wird die Elastizität des Heckaufbaus bei Belastungen wie Fremdbe- oder -entladung verbessert. Dieser Punkt ist Kollan wichtig. Über das Heck ist ein trittsicheres Profilblech für das Begehen des Kranbereichs montiert.

Der Epsilon-Kran M 12 Z besitzt einen Ausschub, 8,3 m Reichweite und 109 kNm Hubmoment. Der Typ ist bei Kollan seit vielen Jahren bewährt und von den Fahrern geschätzt. Auf den Komforthochsitz „MasterDrive“ mit hydraulischer Vorsteuerung haben seine Jungs bisher verzichtet. Ein pneumatisch klappbares, gewölbtes Dach genügt ihnen als Schutz vor Regen, Schnee oder Sonnenstrahlung. Der verstärkte Alutank für das Hydrauliköl fasst 225 l. Der Ölkühler sitzt links vor dem Doppelachsaggregat. Drei Werkzeugkästen in Edelstahlausführung bieten reichlich Platz für Spanngurte, Motorsäge, Werkzeuge aller Art und sonstiges Zubehör. Über der Abgasreinigungsanlage ist ein Wasserbehälter mit 25 l angebracht. Acht Arbeitsscheinwerfer leuchten das Umfeld des Fahrzeugs aus.

Christof Nehls wird den neuen MAN mit einem schon vorhandenen BEFA-Anhänger fahren: „Die Belziger bauen grundsolide und für mich als Fahrer sehr gut bedienbare Aufbauten und Anhänger. Kürzlich haben wir ein Fahrzeug mit 1,6 Millionen Kilometern abgegeben. Der Lkw war technisch noch einwandfrei und hat problemlos den TÜV bestanden. Das liegt auch an der Konstruktion aus Feinkornstahl.“

Im Herbst soll schon wieder ein neuer Zug als Nummer 10 in den Fuhrpark kommen. Unternehmer Kollan: „Wir haben eine gute Auftragslage und rechnen damit, dass das so bleibt. Wichtig ist, dass wir ein vielseitiges Leistungsangebot haben. Die neuen Lastzüge werden ihren Teil dazu beitragen.“

Gerlach Fronemann