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Der erste Komasu 875

Der erste Komasu 875

Die Niedersächsischen Landesforsten haben den ersten Komatsu 875 in Deutschland gekauft.
Die Komatsu Forest GmbH hat den 16-t-Forwarder in Vöhringen mit einer Langholzrunge ausgestattet
und mit einem Ladekran, der eigentlich für den 20-Tonner Komatsu 895 gedacht ist.
Solche Sonderaufbauten sind bei Komatsu Forest heute ganz normal.

Bei HSM weiß es jeder, auch die Umbauten der Firma Haas für John Deere sind allgemein bekannt. Dass auch Komatsu Forest die Forwarder regelmäßig an die Einsatzbedingungen in Mitteleuropa anpasst, ist dagegen nicht jedermann bewusst. Dabei ist das heute Standard. „Es gibt kaum einen Forwarder, der nicht mehr in irgendeiner Weise auf Einsätze am Steilhang oder den Kombi-Einsatz im Kurz- und Langholz angepasst wird“, erklärt Dr. Jürgen Munz, der Geschäftsführer der Komatsu Forest GmbH in Vöhringen-Wittershausen. Rund 80 % der Forwarder haben zumindest eine Rahmenverlängerung oder eine Drehrunge. Das ist heute Teil der Existenz vieler Forstunternehmer, die angesichts niedriger Dienstleistungspreise ihre Chance in der Nische suchen.

Ein Beispiel für diese Umbauten ist der Forwarder Komatsu 875, der im April an die Niedersächsischen Landesforsten ausgeliefert wurde. Die Landesforsten haben sich mit dem ersten 875 in Deutschland gegen den allgemeinen Trend für einen überdurchschnittlich großen Forwarder mit 16 t Nutzlast entschieden. Wie Fahrer Rüdiger Hein erzählt, wird die Maschine schätzungsweise zu 30 % im Laubholz eingesetzt. Um schwere Buchenabschnitte effizient laden zu können, besitzt der Forwarder als Sonderausstattung den stärksten Ladekran aus dem Komatsu-Programm. Der 165 F mit 165 kNm Bruttohubmoment ist der Standardkran des 20-t-Forwarders 895, kann jedoch auch für den 875 geordert werden. Als zweite Umbaumaßnahme besitzt der 875 wie alle vier Forwarder des Maschinenstützpunktes Nienburg eine drehbar gelagerte Langholzrunge am Heck. Ausgeklappt hat sie im Kurzholz die gleiche Funktion wie ein normaler Rungenschemel. Will der Fahrer einige Fuhren Langholz rücken, lässt sie sich in eine Klemmbank verwandeln. Der Fahrer steckt dafür das vorletzte, dritte Rungenpaar nach vorne um und klappt anschließend die Langholzrunge mit dem Kran ein. Sie sitzt dann etwas erhöht nahe an der Hinterachse der Maschine und kann mit ihren hydraulisch beweglichen Armen die Stämme festhalten. Natürlich hat sie nicht die Ladekapazität einer echten Klemmbank, aber dafür ist der Umbau von der Kurzholz- in die Langholzmaschine sehr schnell möglich, unter anderem weil nicht erst eine Klemmbank geholt werden muss.

Dieses „Niedersachsenheck“ ist aber nur eine der vielen „Individuallösungen“ bei Komatsu Forest. Zwar sind die Forwarder schon vom Werk aus mit unterschiedlich langen Hinterrahmen erhältlich. Um die Flexibilität weiter zu erhöhen, kann der Kunde zusätzlich aber noch einen Ausschubrahmen bestellen, mit dem er die Ladelänge bei Bedarf um 40 cm (Komatsu 855) bzw. 45 cm (Komatsu 835, 845) verlängern kann. Wer nur gelegentlich Langholz rücken muss, dem bietet Komatsu Forest desweiteren eine einfache Drehrunge an, in der das Stammholz mit Hilfe von Zahnleisten und dem Greifer fixiert wird. Für den professionellen Langholzeinsatz gibt es natürlich auch Lösungen: Mit einer Schnellwechselvorrichtung lässt sich hier der Rungenkorb abbauen und gegen eine Klemmbank ersetzen, die mittig über den hinteren Bogieachsen aufgesetzt wird; je nach Modell sind Größen von 1,0 m² bis 2,0 m² Querschnitt erhältlich.

Für die Arbeit am Hang bietet Komatsu außerdem seit 13 Jahren Traktionswinden für Harvester und Forwarder an. Die Forwarder-Variante wurde erst kürzlich in einer neuen Bauweise vorgestellt.

Einfache Umbauten wie den Rahmenausschub oder die Klemmrunge sind bei den verschiedenen Servicepartnern möglich. Die komplizierteren Arbeiten werden in der Vöhringer Werkstatt erledigt. Für die Traktionswinden sind sogar drei spezialisierte Monteure zuständig. Wichtig ist zu wissen: Maschinenbau-Ingenieur Armin Haug und Werkstattleiter Marcus Schweizer haben alle Umbauten in den letzten Jahren an die neuen Modelle angepasst und von der Konstruktion und Dokumentation bis hin zum Service zu definierten Produkten gemacht. Die Abmessungen der Maschine, der Laderaum und die Bodenfreiheit bleiben nach dem Umbau unverändert.

Seit 22 Jahren ist die Komatsu Forest GmbH inklusive Umfirmierungen heute in Vöhringen aktiv. In Österreich und Frankreich hat das Tochterunternehmen des schwedischen Herstellers weitere Zweigniederlassungen gegründet, um mit einem ortsnahen Service die speziellen Bedürfnisse der Forstunternehmer in diesen Ländern besser abdecken zu können. In Deutschland selbst hat Komatsu das Servicenetz von früher acht auf heute zwölf Partnerbetriebe ausgebaut. Die eigenen Mechaniker gewährleisten dabei, dass der direkte Kundenkontakt erhalten bleibt. Wie Jürgen Munz erklärt, ist der Service in einem gesättigten Maschinenmarkt wie Deutschland der Schlüssel für den Erfolg. Die eigenen Monteure und die der Partnerbetriebe werden aus diesem Grund regelmäßig geschult. In einer aktuellen Schulungsoffensive durchlaufen sie beispielsweise drei einwöchige Module. Die Maschinenfahrer schrauben nicht mehr soviel an den Maschine herum wie früher, sondern sie wollen bzw. müssen wegen der angespannten Dienstleistungspreise Holz machen. Zudem werden die Maschinen immer komplexer. Um den Anforderungen gerecht zu werden, baut Komatsu Forest den Standort Vöhringen dieses Jahr aus. Die Werkstatt wird dabei um ein Tor vergrößert, außerdem werden Schulungsräume eingerichtet.

Oliver Gabriel

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