Bärlauch-Feld im Deister
Wo sich der Bärlauch wohl fühlt, da bildet er schnell dichte Teppiche aus.
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Der Bärlauch hat wieder Saison

20. März 2022

Der Bärlauch – Frühlingsbote und beliebte Küchenpflanze. Jetzt im März beginnt er wieder in unseren Wäldern zu sprießen. Für viele gehört das Sammeln dieser Wildpflanze zum Frühling dazu. Aber es droht Verwechslungsgefahr mit anderen giftigen Pflanzen. Wir erklären die wichtigsten Regeln, die beim Sammeln und beim Verzehr von Bärlauch zu beachten sind.

(Vollständig überarbeitet am 18. März 2022)

Die wichtigsten Regeln gleich vorweg: Das Sammeln von Bärlauchpflanzen sollte pfleglich erfolgen – das gilt selbstverständlich grundsätzlich für das Sammeln von Naturprodukten in der freien Landschaft. Außerdem sollte die Größe eines Handstraußes nicht überschritten werden.

Wo finde ich Bärlauch?

Der Bärlauch legt bereits zeitig im Jahr los. Jetzt im März beginnt er zu sprießen. Finden kann man die Pflanze bis in den Mai hinein. Die beste Erntezeit ist jedoch März-April, da der Bärlauch im Mai zu blühen beginnt, wodurch er an Intensität – also Geschmack – verliert. Grundsätzlich bleibt er aber genießbar.

Typisch für den Bärlauch ist sein intensives Knoblauch-Aroma, das besonders stark während der Blütezeit im Mai zu riechen ist. Dieser Eigenschaft hat die Pflanze auch Namen wie „Waldknoblauch“ oder „Wilder Knoblauch“ zu verdanken. Um Bärlauch im Wald zu finden, muss die Devise also lauten: Immer der Nase nach! Anhand des Knoblauchdufts lässt sich das nächste Bärlauchfeld leicht aufspüren. An dieser Stelle sei angemerkt: Auch wenn die Hände schnell den Geruch nach Knoblauch annehmen, eine typische Knoblauch-Fahne bekommt man von ihm nicht.

Bärlauch bevorzugt schattige bzw. halbschattige Standorte in Laubwäldern. Er wächst gern auf feuchteren Standorten, also in Auwäldern und in der Nähe von Fließgewässern. Stauwasser oder trockene Sandböden meidet er hingegen. Kalkhaltige Böden kommen dem Bärlauch gelegen, besonders wenn die Bodenstruktur nicht nur feucht, sondern auch locker ist. Freiflächen mit intensiver Sonneneinstrahlung eignen sich für die Bärlauchpflanze nicht. Wo der Bärlauch sich wohlfühlt, da bildet er schon bald dichte Teppiche am Waldboden aus.

Aber man kann Bärlauch nicht nur im Wald finden. Passen die Bedingungen, so wächst die Pflanze auch in Parkanlagen und auf anderen Grünflächen im urbanen Raum. Viele Fundorte in der Stadt lassen sich über Mundraub.org finden.

Worauf muss ich bei der Bärlauchernte achten?

Da zur gleichen Zeit wie der Bärlauch auch Herbstzeitlose und Maiglöckchen Saison haben und diese oft an ähnlichen Stellen wachsen, besteht erhöhte Verwechslungsgefahr. Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal sind die Stängel und die Blätter der Pflanzen:

  • Bärlauchblatt: Stängel sprießen einzeln aus dem Boden, meist in Gruppen dicht beieinander. Auch der Knoblauchduft ist ein typisches Erkennnungszeichen des echten Bärlauchs. Hier hilft eine „Fingerprobe“: Im Zweifelsfall einfach ein Blatt zwischen den Fingern zerreiben; bleibt ein intensiver Geruch nach Knoblauch zurück, dann kann ziemlich sicher davon ausgegangen werden, dass es sich um Bärlauch handelt.
  • Maiglöckchen: Es wachsen immer zwei Blätter an einem Stängel.
  • Herbstzeitlose: Es entwickeln sich stängelumfassende Blätter, d.h. die Blätter liegen zuerst eng am Stängel und öffnen sich dann.
  • Gefleckter Aronstab: Junge Blätter dieser Pflanze sind im Anfangsstadium mit den Bärlauchblättern zu verwechseln. Allerdings sind die Blattnerven des Aronstabs unregelmäßig geformt, während die des Bärlauchs parallelnervig verlaufen. Erst im ausgewachsenen Zustand bilden die Blätter des Aronstabs die unverwechselbare Pfeilform sowie dunkle Flecken aus. Am Ende der Blätter ist ein Widerhaken am Stielansatz zu erkennen.
  • Wie gefährlich kann eine Verwechslung sein?

    Trotz der genannten Tipps ist grundsätzlich größte Vorsicht geboten! Ist man sich nicht sicher, dann sollte ein Fachmann gefragt oder die Pflanze lieber nicht angerührt werden, denn bei Verwechslung droht eine Vergiftung.

    Herbstzeitlose und Maiglöckchen speichern in ihren Blättern Inhaltsstoffe, die nach dem Verzehr lebensgefährliche Vergiftungserscheinungen auslösen können. Anzeichen sind Erbrechen, Krämpfe, akute Kreislaufbeschwerden und blutiger Durchfall. Diese Symptome treten bereits zwei bis sechs Stunden nach dem Essen auf.

    Auch alle Teile der Aronstab-Pflanze sind giftig und enthalten in großen Mengen Oxalat sowie flüchtige Scharfstoffe. Schon beim bloßen Berühren der Pflanze kann es zu Rötungen der Haut und Blasenbildung kommen. Nach dem Verzehr von Pflanzenteilen können sich Übelkeit, Erbrechen und Durchfälle einstellen. Auch ein Anschwellen der Lippen sowie Entzündungen der Mundschleimhäute mit schmerzhaftem Brennen auf der Zunge und im Rachen können die Folge sein.

    Im Verdachtsfall ist daher immer ein Arzt aufzusuchen.

    Was ist mit dem Fuchsbandwurm?

    Wild wachsender Bärlauch birgt noch weitere Gefahren. Da die Blätter direkt über dem Boden wachsen, besteht das Risiko, dass die Pflanzen mit Eiern des kleinen Fuchsbandwurms behaftet sind. Erst ab 60 °C Kochtemperatur werden diese abgetötet. Wer auf sein Bärlauch-Pesto also nicht verzichten möchte, sollte dafür keinen wild gesammelten Bärlauch verwenden.

    Ist Bärlauch eigentlich gesund?

    Die Inhaltsstoffe in den Bärlauchblättern sind tatsächlich vielseitig. Die schwefelhaltigen ätherischen Öle wirken sich positiv auf Verdauung und Atemwege aus. Aber auch Leber, Galle, Darm und Magen profitieren vom Verzehr von Bärlauch. Der Waldknoblauch hilft außerdem bei Bluthochdruck, regt den Stoffwechsel an und senkt den Cholesterinspiegel – ein kleines Multitalent also.

    Einige wichtige Regeln am Schluss

  • Da in den Wäldern lediglich zur Erholung freies Betretungsrecht gilt, ist das Sammeln für den gewerblichen Zweck grundsätzlich verboten und bedarf einer Genehmigung durch die Forstbehörden.
  • Das Sammeln von Bärlauch sollte pfleglich erfolgen, d.h. die Lebensgemeinschaft Wald darf dabei nicht geschädigt, gestört oder verunreinigt werden
  • Es muss Rücksicht auf die Brut- und Setzzeiten der Waldtiere genommen werden, die i.d.R. von März bis September gelten.
  • Sperrungen z.B. aufgrund von Holzerntemaßnahmen sind zu beachten, daher dürfen diese Flächen nicht betreten werden.
  • Als Richtschnur gilt das Sammeln von etwa handstraußgroßen Mengen.
  • Was kann ich mit meinem Bärlauch machen?

    Im Netz findet sich eine Vielzahl an Rezeptideen mit Bärlauch. Ein leckeres Rezept hat unser Kollege Rainer Soppa ausprobiert:

    Zutaten für 4 Portionen

  • 6 Blatt Gelatine
  • 20 Blatt Bärlauch
  • 250 ml Buttermilch
  • 250 g Sahne
  • Salz
  • Pfeffer
  • Zubereitung

    Gelatine einweichen. Bärlauch waschen, gut abtropfen lassen, grob schneiden und dann mit Buttermilch und Sahne pürieren, mit Salz und Pfeffer würzen. Gelatine auflösen und unter die Bärlauchmasse rühren. In passenden Förmchen über Nacht kühl stellen.

    Vor dem Verzehr die Förmchen kurz in heißes Wasser halten und auf einen Teller stürzen. Nach Belieben mit Salat anrichten.

    Wo finde ich weitere Rezepte?

    Auf eine interessante Alternative zur klassischen Verwendung des Bärlauchs weisen die Kolleginnen von Kraut&Rüben mit ihrem Rezept für Bärlauch-Kapern hin, die aus den Blütenknospen des Bärlauchs gewonnen werden. Das Rezept für eine Bärlauch-Suppe können wir auch empfehlen. Natürlich finden sich unter dem Stichwort „Bärlauch“ noch viele weitere leckere Anregungen. Lassen Sie sich inspirieren.

    Weitere interessante Infos haben auch unsere Kolleginnen von wOnne in ihrem Bericht über den Bärlauch zusammengestellt.

    Wir wünschen viel Spaß beim Bärlauch sammeln und verarbeiten.

    Quelle: MLR

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