Der Pfanzelt-Rückeanhänger Logline L19
Der Pfanzelt-Rückeanhänger Logline L19
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Der 19-Tonner von Pfanzelt bewährt sich

26. April 2019

Der Forstbetrieb Schoo im Emsland hat zwei 19-t-Rückewagen bei Pfanzelt Maschinenbau gekauft. Das Flaggschiff der Pfanzelt-Rückewagen-Flotte muss sich nun mit 800er Breitreifen auch auf Moorböden bewähren.

Gleich zwei Rückewagen Logline L19 lieferte Pfanzelt Maschinenbau im vergangenen Herbst kurz nacheinander an den Forstbetrieb Schoo nach Geeste. Nach vielen Jahren im Einsatz stand für die beiden Vorgänger die Ersatzbeschaffung an. Unternehmer Matthias Schoo und seine beiden Söhne Michael und Markus dachten schon seit längerem darüber nach. Dass damit auch ein Hersteller-Wechsel verbunden sein würde, hatten die drei nicht unbedingt im Sinn. Der neue Rückeanhänger sollte nur größer und damit auch leistungsfähiger sein.

Inzwischen haben sich die Schoos mit dem größten Rückewagen aus dem Hause Pfanzelt eingearbeitet – und angefreundet. Nicht zuletzt weil das Modell L19 schon in der Standardausführung einige Besonderheiten bietet. Mit drei wohlüberlegt ausgewählten Komponenten als Sonderausstattung hat sich der Forstbetrieb Schoo die neuen Wagen individuell maßschneidern lassen.

Glücksfall Interforst

Matthias Schoo schilderte die Ausgangssituation für die Neuanschaffungen: „Wir hatten vorher zwei Rückewagen von 2012 und 2013 von einem anderem Hersteller im Einsatz und wollten in größere Rücketechnik investieren.“ Forwarder kamen allerdings nicht infrage, denn die Schoos wollen ihre insgesamt fünf Schlepper unabhängig vom Rückeeinsatz auch für andere Aufgaben nutzen. Dabei müssen sie oft auf der Straße fahren.

Gleich beim ersten Treffen mit Hans-Jörg Damm, dem Pfanzelt-Werksbeauftragten für Nordwestdeutschland, kam der Logline L19 ins Gespräch. Matthias Schoo und seine Söhne wollten sich gerne vorab ein aktuelles Beispiel ansehen – und gerne auch probefahren. Damm vermittelte einen Termin bei einem Forstunternehmen in der Nähe von Münster. Die Schoos fuhren hin und testeten ausgiebig bei realen Arbeitsbedingungen. Mit dem Resultat, dass Matthias Schoo nicht nur einen Wagen orderte. „Ich habe ihn nach der Vorführung gefragt, ob er einen Wagen bestellen will, und er hat geantwortet: Wieso einen, wir nehmen zwei“, erinnert sich Damm daran, dass er zunächst glaubte, sich verhört zu haben. Doch – ein Mann ein Wort – die Zusage galt. Allerdings mussten sich Matthias Schoo und seine Söhne etwas gedulden, denn Pfanzelt hatte Wagen und Kran für die Interforst verplant. „Das war am Ende sogar ein Glücksfall“, meint Matthias Schoo heute, weil die beiden L19 nur deshalb heute einem 10-m-Kran haben. Bestellt hatten sie ursprünglich 8,50 m.

Pfanzelt hatte die Wagen in München mit dem größeren Kran 71100 gezeigt. „Direkt nach der Messe hatten wir den kleineren noch nicht zur Verfügung“, erklärte Peter Voderholzer, der Marketingleiter von Pfanzelt. Nun, der Kran war drauf und dabei sollte es auch bleiben. Bei der Einarbeitung punktete der längere und stärkere Ausleger mit seinem Brutto-Hubmoment von 112 kNm und dem Schwenkmoment von 27 kNm so gut, dass die Schoos auch für den zweiten Logline L19 auf die 10-m-Variante mit Doppelteleskop umdisponierten. Dass sämtliche Hydraulikschläuche beim 71100 bis in die Kranspitze innen verlegt sind, war nur ein weiteres Argument für die Kaufentscheidung.

Moortaugliche Breitreifen

Während der größere Kran eigentlich nicht sofort als Besonderheit auffällt, sticht selbst Laien sofort ins Auge, mit welch breiten Reifen die neuen Rückeanhänger des Forstbetriebes Schoo unterwegs sind. Zum ersten Mal hat Pfanzelt einen Rückeanhänger mit 800 mm breiten Pneus ausgeliefert. Matthias Schoo dazu: „Die 800er Bereifung ist gigantisch. Die Kollegen staunen und von anderen Leuten werden wir immer wieder darauf angesprochen, was das denn für Mega-Gummiwalzen seien.“

Der Grund für die Riesenreifen ist einfach erklärt. Im Raum Lingen sind die Maschinen der Schoos oft auf moorigem Untergrund unterwegs. Darum punkten sie mit ihren überbreiten Pneus bei der Vergabe von Rückeaufträgen auf sensiblen Böden. Ein weiteres Extra der neuen Rückeanhänger ist die hydraulisch bewegliche Knickdeichsel. „Mithilfe von zwei innenliegenden Steuerungszylindern kann der Wagen damit auch versetzt zum Schlepper fahren“, weist Pfanzelt-Marketingchef Voderholzer auf ein Spurbild hin. Auf diese Weise werden die nie ganz auszuschließenden Fahrspuren gleich wieder eingeebnet.

Goldwerte Lenkdeichsel

Zur Entscheidung für die hydraulische Feder- und Knickdeichsel hat die Beratung von Hans-Jörg Damm beigetragen. Bei zwei Besuchen in Geeste entstand das ganze Bild, und die Deichsel ist ein wesentliches Detail. Wie Damm erläutert, ist der serienmäßg eingesetzte Achsbogie der Logline-Reihe ungedämpft. Nachdem Matthias Schoo und seine beiden Söhne viel auf Straßen unterwegs sind, war die Deichsel für sie eine wichtige Komponente. Der L19-Rückeanhänger soll, von ihr gefedert, auch bei zugelassenen 40 km/h so ruhig wie möglich hinter dem Schlepper laufen. „Man merkt ihn tatsächlich gar nicht“, bestätigt Michael Schoo, der seinen Rückewagen eben gerade über gut 20 km Strecke zum Einsatzort gefahren hat. Beim Hinterherfahren ließ sich beobachten, wie ruhig der Krangreifer auch bei voller Fahrt in seiner Ablage liegt. Der hohe Straßenanteil war übrigens auch ein Grund, weshalb Forwarder für Schoo nicht infrage kamen.

Die Lenkdeichsel hat noch weitere Vorteile, merkt Peter Voderholzer an: Mit den beiden geschützten, innen verbauten Hydraulikzylindern hebt und senkt sie den Rückeanhänger in unebenem Gelände und hilft auf diese Weise, das Gerät zu manövrieren. Sie sei sogar eine vollwertige Tilteinrichtung für den Kran. Diese Funktionen benötigen Matthias Schoo und Söhne zwar weniger, aber den zusätzlichen Fahrkomfort erfahren täglich im Praxiseinsatz. „Die Deichselfederung möchte ich nicht missen, die ist Gold wert“, schwärmt Michael Schoo geradezu.

Es macht sich bezahlt

Der gelernte Landmaschinenmechaniker und sein Bruder Markus, von Beruf Forstwirt, fahren auch die beiden L19. Als Schlepper stehen ihnen dafür ein T 174 von Valtra mit Rückfahreinrichtung und ein Fendt 820 mit Drehsitz zur Verfügung. Gesteuert werden die Ladekrane mit den Joysticks vom Fahrersitz aus.

Die Entscheidung für den Logline L19 war unterm Strich genau richtig, meinen die Schoos. Die Leistung, die sie inzwischen erreichen, spricht für sich. So hat Michael Schoo zuletzt bei einer Baufeldräumung in zehn Stunden rund 300 Fm Stammholz gerückt. Dabei hat die lange Kranreichweite einen leistungsteigernden Effekt: „Die 1,5 m mehr merkt man doch deutlich …“ Auch mit ihr lasten die Brüder die 19 t zulässiges Gesamtgewicht auf öffentlichen Straßen gut aus. Bei einem Leergewicht von 4,5 t stehen ihnen also 14,5 t als Nutzlast auf der Straße zur Verfügung. Zugute kommen ihnen dabei auch die ausziehbaren Rungenbänke, die man mit wenigen Handgriffen und ohne Werkzeug um 15 cm nach außen stellen kann. Dadurch gewinnt der Ladekorb 30 cm Weite hinzu. Schon nach gut einem halben Jahr im Einsatz zeichnet sich daher ab, dass sich das Gesamtpaket L19 bezahlt machen wird.

 

Werner Hoppe