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Franz Prinz zu Salm-Salm

Demonstration vor dem Umweltbundesamt

Am 24. April zogen Waldbesitzer vom Tagungsort des Deutschen Forstwirtschaftsrates in Dessau vor den Eingang des Umweltbundesamtes.

Als Anlass für die Demo wurde die „maßgebliche Verantwortung des Umweltbundesamtes mit Sitz in Dessau bei der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln und deren für den Walderhalt und Waldschutz unerlässlichen Einsatz“ genannt. Das Umweltbundesamt (UBA) „verzögere und behindere all dies mutwillig“. 
Dem kurzfristigen Aufruf des Waldbesitzerverbandes Sachsen-Anhalt waren ebenso Waldeigentümer aus Brandenburg und Niedersachsen gefolgt, auch der Dachverband AGDW – Die Waldeigentümer sowie der Bauernverband Sachsen-Anhalt waren im Demonstrationszug vertreten.
Thomas Weber, Vorsitzender des Waldbesitzerverbandes Brandenburg, eröffnete die Demo im Namen der Waldbesitzerverbände. In Brandenburg sind bereits 20.000 bis 25.000 ha Kiefernwald massiv von Kalamitäten betroffen. Mit der Demo soll deutlich gemacht werden, sagte Weber, dass, wenn nicht gehandelt wird, nicht nur der Wald und damit zahlreiche Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer vor einem ökonomischen Totalschaden stehen, sondern auch ein Teil der Gesellschaft: „Denn Wald ist nicht nur ein Teil des Einkommens für die Waldbesitzer, sondern auch Teil der Gesellschaft für Menschen, die sich dort erholen wollen.“
In einer emotionalen Rede vor dem Umweltbundesamt machte der Vorsitzende des Waldbesitzerverbandes Sachsen-Anhalt, Franz Prinz zu Salm-Salm, die unsachlichen Vorgaben des Umweltbundesamtes deutlich. Wegen einer Verzögerungstaktik bestehe die Gefahr, dass die Genehmigungen der EU für den Einsatz der wenigen derzeit befristet zugelassenen Mittel auslaufen. Während im Rest der EU die Genehmigung für den Mitteleinsatz im Durchschnitt 150 Tage dauert, sind es in Deutschland rund 750 Tage, weil das UBA sich nicht mit dem über Jahrzehnte bewährten forstlichem Sachverstand auseinandersetzt, kritisierte Salm-Salm. Und das, obwohl nur 0,01 % aller Pflanzenschutzeinsätze in Deutschland im Wald stattfinden – und wenn auch nur dann, wenn der Wald sonst existenziell geschädigt würde. Zu den aus Sicht der Waldeigentümer unsachlichen Vorgaben des UBA gehört, dass bei Anwendung der Mittel nur 50 % des von Schadinsekten befallenen Waldes mit Pflanzenschutzmitteln behandelt werden dürfen. „Damit werden Eichenprozessionsspinner und Kiefernbuschhornblattswespe aber nicht konsequent bekämpft sondern auf 50 % der geschädigten Fläche geschützt“, so sei kein Waldschutz bei Schädlingsbefall mehr möglich.
Das UBA habe keine Versachlichung der Diskussion auf den Weg gebracht, lautet die Einschätzung von Salm-Salm. Auf die Frage von Medienvertretern, was er sich wünsche, antwortete er: Erstens ein Gremium, in dem der Forstsachverstand zu Hause ist. Zweitens eine kürzere Genehmigungsfrist für eine zulässige Befliegung bedrohter Waldbestände. Außerdem sollten die Auflagen sachgerecht gemacht werden, dazu gehört, dass die volle Fläche beflogen werden kann. Bei den Naturschutzgebieten ist gemeinsam mit dem Forstsachverstand nach erträglichen Lösungen zu suchen, die auch den Wald retten statt ihn der Vernichtung auszusetzen. „Und wir würden uns auch den Ausgleich für die betroffenen Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer wünschen“, sagte Salm-Salm, „denn wenn die Gesellschaft will, dass ein Wald kaputtgeht, dann muss der, der den Schaden hat, auch Unterstützung finden.“ Dazu sollte es einen staatlichen Fonds geben. Schließlich sorgen die Waldbesitzer auch dafür, dass ihr Wald in seinen Funktionen für Wasser, Luft und Erholung über Generationen erhalten bleibt – was in Zeiten des Klimawandels eine zunehmende Herausforderung darstellt.
Stephan Loboda
Franz Prinz zu Salm-Salm Vorsitzender des Waldbesitzerverbandes Sachsen-Anhalt stellte sich den Fragen der Medienvertreter. Foto: S. Loboda

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