ForstBranche

Geplante Förderung von Agroforstsystemen entwickelt sich zum Förderflop

Bearbeitet von Rainer Soppa

Der Bundesrat soll noch dieses Jahr der am 24. November 2021 vom Bundeskabinett abgesegneten Fassung der GAP-Direktzahlungen-Verordnung (GAPDZV) zustimmen.

In Bezug auf die Agroforstwirtschaft enthält die konsolidierte Fassung dieser für die nationale Ausgestaltung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) so wichtigen Verordnung nach wie vor zahlreiche Fallstricke. Sollte hier nicht im letzten Moment noch die Notbremse gezogen und entsprechende Änderungsvorschläge von Experten aus Wissenschaft und Praxis eingearbeitet werden, droht die in Deutschland erstmals geplante Förderung von Agroforstsystemen ins Leere zu laufen. Dies wäre nach Ansicht des Deutschen Fachverbands für Agroforstwirtschaft (DeFAF) e. V. ein Scheitern mit Ansage.

Mittlerweile muss die Frage gestellt werden, ob die agroforstliche Bewirtschaftung, die wissenschaftlich vielfach belegt in der Landwirtschaft einen wesentlichen Beitrag zu mehr Klimaanpassung, mehr Klima-, Boden- und Gewässerschutz und mehr Lebensraumvielfalt leisten und nicht zuletzt vielerorts trotz Teilextensivierung zu einer höheren Flächenproduktivität beitragen kann, in Deutschland wirklich gewollt ist. An Beteuerungen und Beschlüssen, die Agroforstwirtschaft in Deutschland voranzubringen, fehlt es nicht (Bundestag-Drucksache 19/24389, Beschluss am 13.01.2021; Bundesrat-Drucksache 420/21, Beschluss am 25.06.2021). Eine große gesellschaftliche Bandbreite, inkl. namhafter Umweltverbände und Bauernvertretungen, forderte unlängst unter anderem die im Referentenentwurf der GAPDZV vorgeschlagene Förderhöhe von 60 €/ha Gehölzfläche anzuheben. Doch dies alles wurde ignoriert. Nachvollziehbar ist das nicht, weder aus verwaltungstechnischer Sicht und schon gar nicht vor dem Hintergrund des mit der neuen GAP verbundenen Ziels, die Landwirtschaft klimaangepasster gestalten sowie ökologische und ökonomische Ziele stärker miteinander verbinden zu wollen.

Interesse versus Akzeptanz

Das Interesse vieler Landwirtschaftsbetriebe an agroforstlichen Nutzungskonzepten ist groß. Doch die Akzeptanz in der Praxis schwindet schnell, wenn betriebsindividuelle Ziele bei der Gestaltung und Nutzung von Agroforstflächen durch unnötige Überreglementierungen nicht umgesetzt werden können und gleichzeitig die Honorierung gesellschaftlicher Leistungen auf einem äußerst geringen Niveau erfolgt.

Damit zu guter Letzt die geplante Förderung der Agroforstwirtschaft doch noch Erfolg hat, fordert der Deutsche Fachverband für Agroforstwirtschaft (DeFAF) e.V.:

  1. Die Förderbetragshöhe für die Bewirtschaftung von Agroforstflächen soll im Rahmen der Öko-Regelungen deutlich erhöht und diese somit kostendeckend und mit Bezug auf die vielfältigen ökologischen Leistungen der Agroforstwirtschaft angemessen gestaltet werden,
  2. es soll kein Mindestabstand von Agroforstgehölzen zu Nachbarflächen festgelegt werden,
  3. die Definition von Agroforstsystemen ist nicht auf Systeme mit vorrangiger Holznutzung zu beschränken,
  4. die allgemeine Definition von Agroforstsystemen soll nicht an spezielle Förderbedingungen für Öko-Regelungsmaßnahmen geknüpft werden,
  5. agroforstlich relevante Gehölzarten wie die Robinie sollen aus der Negativliste herausgenommen werden und
  6. der zulässige Flächenanteil der Gehölze ist auf mindestens 40 % zu erhöhen.

Es liegt nun bei den Bundesländern, diese Änderungen aufzugreifen und über entsprechende Anträge dafür zu sorgen, dass die GAPDZV über den Bundesrat noch in letzter Minute angepasst und den Willensbekundungen von Bundestag und Bundesrat, die Agroforstwirtschaft merklich voranzubringen, entsprochen wird. Der DeFAF e.V. ist bereit, solche Länderinitiativen mit entsprechender Expertise konstruktiv zu unterstützen.

DeFAF/Red