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Debatte zum Für und Wider eines Nationalparks nicht mehr zeitgemäß

Debatte zum Für und Wider eines Nationalparks nicht mehr zeitgemäß

In Rheinland-Pfalz leistet man sich eine Debatte, die nach Ansicht des Bundesverbands Säge- und Holzindustrie Deutschland e.V. (BSHD) nicht mehr zeitgemäß ist: Die Frage nach dem Für und Wider eines Nationalparks. Naturschützer und Politiker wollen in diesem Zusammenhang große Waldflächen aus der nachhaltigen Bewirtschaftung nehmen. Für Lars Schmidt, BSHD-Vizepräsident und studierter Forstwirt, ist das Naturschutz an falscher Stelle. „Gerade die vom Menschen geprägten Kulturlandschaften wie Wirtschaftswälder leisten einen großen Beitrag zum Klima- und Artenschutz“, so Schmidt. Von einer durch umfängliche Holzeinschläge verursachten Entwertung der Wälder könne keine Rede sein.

Der BSHD nennt vier Faktoren, die für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung als aktivste und effizienteste Form des Natur- und Umweltschutzes sprechen.

Faktor 1: Höhere Artenvielfalt im Wirtschaftswald. Die Stilllegung großer Waldgebiete führt nicht zu einer größeren Artenvielfalt wie häufig argumentiert. Im Gegenteil: Untersuchungen zeigen, dass in einem nachhaltig und naturnah bewirtschafteten Wald die Artenzahl oft deutlich höher ist. Denn zielgerichtete Waldpflegemaßnahmen bringen Licht in die sonst dunklen Wälder, schaffen vielfältige Strukturen und ökologische Nischen. Die Lebensräume bedrohter Arten werden so durch Deutschlands Förster gepflegt. Wenn Waldflächen aus der Nutzung genommen werden, profitieren zwar einige wenige Arten, die Lebensräume anderer Arten wiederum verändern oder verschlechtern sich. Im Nationalpark im Bayerischen Wald und im Nationalpark Harz hat beispielsweise der Borkenkäfer weite Flächen zerstört. Stickstoffeinträge und daraus resultierende Vergrasung der Flächen verhindern vermutlich über Jahrzehnte eine flächendeckende Wiederbewaldung. Die Wiederaufforstung bzw. die Umwandlung der Fichtenwälder zu klimaresistenten Mischwäldern ist zudem durch das Bewirtschaftungsverbot eines Nationalparks nicht möglich.

Faktor 2: Holznutzung ist gut fürs Klima. Ein großflächiger Nutzungsverzicht von Wäldern wäre paradox. Denn je mehr Produkte aus nachhaltiger und naturnaher Holzwirtschaft genutzt werden, umso mehr wird auch zum Klimaschutz beigetragen. Jedes Holzprodukt bindet das klimaschädliche CO2 über seine gesamte Lebensdauer. Energieintensive Baustoffe wie Stahl oder Beton können durch den nachwachsenden Rohstoff Holz ersetzt werden, was einen hohen Anteil an Primärenergie – und damit CO2 – einspart. Letztendlich gibt es klimafreundliche Energie am Ende eines langen müllfreien Nutzungszeitraums. Wissenschaftler des Johann Heinrich von Thünen-Instituts (vTI) haben berechnet, dass die Deutschen durch die Verwendung des Bau- und Werkstoffs Holz im vergangenen Jahr rund 75 Mio. t CO2 einsparten. Durch die energetische Verwertung kamen weitere 30 Mio. t hinzu. Insgesamt entsprechen diese Einsparungen in einer Gesamthöhe von 105 Mio. t im vergangenen Jahr 13 % der gesamten Treibhausgasemissionen in der Bundesrepublik. Mit der Begrenzung von Nutzungsflächen lässt sich die Nachfrage allerdings immer weniger aus einheimischen Quellen decken. Die Rohstoffe müssen aus Ländern mit weitaus geringeren Umweltstandards und durch die weiten Transportwege unnötig hohen CO2-Emissionen eingeführt werden.

Faktor 3: Holz schafft Arbeitsplätze. Mehr als eine Million Menschen leben heute deutschlandweit direkt von der Waldbewirtschaftung und Holzverarbeitung. All diese Berufsgruppen erwirtschaften hohe Nettoerlöse. In der Vergangenheit gewonnene volkswirtschaftliche Erfahrungen zeigen jedoch auf, dass ein Nationalpark diesen Arbeitnehmern nicht nur den Rohstoff entzieht, sondern außerdem den Landeshaushalt mit einem hohen Zuschussbedarf belastet. Beispielsweise liegen die jährlichen Ausgaben bei den bestehenden Nationalparks Bayerischer Wald, Hainich, Kellerwald-Edersee und Harz zwischen 250 und 640 €/ha. Dem stehen Einnahmen von etwa 100 € gegenüber. Während die Menschen der Forst- und Holzwirtschaft ihre Einkommen selbst erwirtschaften, werden die Arbeitsplätze im Nationalpark vom Steuerzahler bezahlt. Ein Nationalpark würde die Region deshalb wirtschaftlich schwächen. Auch die häufig von Befürwortern angeführten positiven Effekte auf den regionalen Tourismus sind überbewertet. Zahlreiche Studien belegen sogar einen Rückgang der Übernachtungszahlen in den meisten Nationalparkregionen.

Faktor 4: Freier Zugang für alle. Wenn nicht gerade geerntete Stämme am Wegrand liegen, wird ein Wirtschaftswald selten als solcher wahrgenommen. Im Gegenteil: Viele Besucher fühlen sich in einem nachhaltig bewirtschafteten Wald wohler als in einem sich selbst überlassenen Waldgebiet. Wenn es nach den Verordnungen bestehender Nationalparks geht, können Waldbesucher diesen Vergleich nicht einmal anstellen. Denn das Betreten des Nationalparks ist in der Regel nur noch auf dafür gekennzeichneten Wegen gestattet und größere Wandergruppen dürfen lediglich mit Genehmigung der Nationalparkverwaltung in das Gebiet. Waldprodukte wie Beeren, Pilze, Schmuckreisig und Brennholz können aus den im Kerngebiet liegenden Gebieten nicht mehr genutzt werden. Viele Wege werden ganz gesperrt oder sogar unter hohen Kosten zurückgebaut.

Der Bundesverband Säge- und Holzindustrie Deutschland (BSHD) vertritt die Interessen der deutschen Säge- und Holzindustrie auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene. Bei der Umsetzung seiner Ziele setzt der BSHD sich für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung ein, die im Einklang mit ökonomischen, ökologischen und sozialen Interessen steht.

BSHD

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