Holzernte

Debarking Heads: Kein Brutraum für den Borkenkäfer

Bearbeitet von Marc Kubatta-Große

Mit den Projekten Debarking Heads I und II wurde der Einsatz entrindender Harvesterköpfe in Deutschland wissenschaftlich untersucht. Ziel des Forschungsverbundes Debarking Heads II war es, den Absatz von im Wald entrindetem Rundholz zu stärken und eine Strategie zur insektizidfreien Bekämpfung des Borkenkäfers einzubinden, die mit dem Einsatz der Harvester-Entrindungsaggregate umsetzbar ist. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft unterstützte das Vorhaben mit Mitteln aus dem Förderprogramm Nachwachsende Rohstoffe.

„Die größte Stärke von Debarking Heads ist die ökologische und waldschutzrelevante Leistungsfähigkeit des Systems. Die Entrindung im Wald verbessert die Nährstoffrückführung in den Boden, ist ein effizientes Werkzeug zur Borkenkäferbekämpfung und reduziert den Kraftstoffverbrauch beim Holztransport“, erklärt Projektleiter Prof. Dr. Stefan Wittkopf von der Fakultät Wald und Forstwirtschaft der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT). Selbst die energetische Nutzung rindenlosen Holzes hat einen Vorzug: Asche- und Feinstaubbelastung fallen geringer aus.

Insektizid-Einsatz erübrigt sich

Ist nach Windwurf und Borkenkäferbefall aus Waldschutzgründen beim Abtransport des Holzes höchste Eile geboten, kann der Einsatz von Debarking Heads in Kalamitätshochzeiten den Handlungsspielraum für Waldbesitzende, Rücke- und Fuhrunternehmen deutlich erweitern. Die umgebauten Harvesteraggregate entfernen an Ort und Stelle das Gros der Rinde vom Stamm – ohne dabei den Holzkörper massiv zu verletzen. Rindenbrütenden Insekten wird so der Brutraum entzogen und ihre Weiterentwicklung unterbunden; der Einsatz von Insektiziden entfällt. „Am wirkungsvollsten ist die Entrindung im Frühjahr mit dem Auftreten des ersten Neubefalls, wenn die Borkenkäfer im Ei- und Puppenstadium sind“, sagt Prof. Wittkopf. Er sieht weiteren Forschungsbedarf zum Überleben von adulten Borkenkäfern in der geschälten Rinde.

Entrindetes Holz kann länger im Wald verbleiben

Dass bei den entrindeten Stämmen die Käferbesiedelung ausbleibt, minimiert den Zeitdruck beim Rücken und bei der Abfuhr des Holzes – ein logistischer Vorteil, weil günstige Wetter- und Bodenverhältnisse für den Transport abgewartet werden können. „Das entrindete Holz sollte für ca. eine Woche vor Ort abtrocknen, denn frisch entrindete Stämme können aufgrund ihrer enormen ,Seifigkeit‘ das Verladen und Sichern des Holzes erschweren“, weiß Andrea Hauck vom Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik e. V. (KWF). Beim Transport macht sich der Mehraufwand des Entrindens und Trocknens bereits bezahlt: Weil die Rinde nicht mittransportiert wird und sich mit dem Trocknen Masse und Gewicht der Stämme verringern, kann mehr Holz je Ladung transportiert werden. Der Treibstoffverbrauch pro Kubikmeter Rundholz sinkt; unter dem Strich werden weniger Fahrten notwendig.

Im Vorgängerprojekt Debarking Heads I hatten die Wissenschaftler außerdem gezeigt, dass die rindengebundenen Nährstoffe kontinuierlich und verlustfrei an den Waldboden abgegeben werden. Das Verfahren bewährt sich demnach besonders in Waldgebieten mit schwacher Nährstoffversorgung.

Flexible Unternehmen als Abnehmer akquirieren

Die ökologischen und logistischen Vorzüge des Verfahrens sehen die Projektbeteiligten als wichtiges Argument für die Akzeptanz beim Verkauf des im Wald entrindeten Rundholzes.

Bislang stehen Groß-Abnehmer mit eigenen Entrindungsanlagen der Waldentrindung eher skeptisch gegenüber. Um Holz aus der Aufarbeitung mit Entrindungsaggregaten auf dem Markt zu etablieren, lautet die Empfehlung, zunächst flexibel agierende kleine und mittlere Sägewerke als potenzielle Abnehmer zu akquirieren.

„Das Verfahren der Entrindung im Bestand mit Debarking Heads fasst in der Praxis Fuß“, resümieren Stefan Wittkopf und Andrea Hauck. Waren 2018 lediglich 15 entrindende Harvesteraggregate in Deutschland im Einsatz, wuchs ihre Anzahl bis 2020 auf mehr als 40. Auch in den Nachbarländern Deutschlands nimmt der Einsatz dieser Holzerntetechnik zu.

Quelle: Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR)