Newsletter
ABO
Zeitschriften
Service
Gesicherter Nachwuchs mit 7 Baumarten ist die Risikovorsorge für zukunftsfähigen Wald

Dauerwald – Wald mit Zukunft

Wo liegt das Optimum zwischen ökologischer und waldbaulicher Stabilität einerseits und Ertrag andererseits? Im Rahmen des Projektes „Dauerwald“ werden die Auswirkungen forstwirtschaftlicher Maßnahmen erfasst. Am 29. Juli 2020 trafen sich Beteiligte mit den Verantwortlichen der Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft (ANW) in dem Forstbetrieb „Gut Hohenhaus“ in Herleshausen.

Ein zentrales Ziel verantwortungsvoller Waldpflege ist die Verringerung des flächigen Waldverlustrisikos bei gleichzeitiger Sicherung von Ertragspotentialen. Daher möchte die ANW durch das Projekt „Dauerwald“ für die wichtigsten forstlichen Standorte auf wissenschaftlicher Basis erfahren, welche ökonomischen und ökologischen Konsequenzen die jeweilige naturgemäße Waldbewirtschaftung hat. Unterschiedliche Baumarten mit unterschiedlichen Altern in einem gesunden intakten Ökosystem – man nennt einen solchen Wald „Dauerwald“ – sind beste Voraussetzungen für stabilen Wald. „Das ist der Wald, den die Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft (ANW) seit 1950 propagiert. Erst mit den beginnenden Waldschäden der 80iger Jahre und ganz besonders jetzt im Klimawandel beginnt man, sich für unsere Idee vermehrt zu interessieren“, so Hans von der Goltz, Bundesvorsitzender der ANW.

Wo liegt der Kompromiss zwischen Stabilität und Ertrag?

Die ANW glaubt, mit ihren bisher bewährten ökonomischen und ökologischen Grundsätzen Dauerwald entwickeln und erhalten zu können. Doch gilt dies auch in der heutigen Zeit, in der sich  alles rasant ändert? In letzter Konsequenz besteht hier noch Unwissenheit. Daher hat die ANW ein neues, vom Bundeslandwirtschaftsministerium gefördertes Projekt (Förderkennzeichen: 22020418) aufgelegt, in dem die ökonomischen und ökologischen Wirkungen unterschiedlicher Formen der Dauerwald-Bewirtschaftung untersucht werden.

Das Projekt startete am 1. September 2019 und läuft noch bis zum 31. August 2022. Für die geplanten Untersuchungen wurden bei 8 verschiedenen Waldbesitzern deutschlandweit 11 naturnah bewirtschaftete Waldflächen auf unterschiedlichen Standorten ausgewählt. Sie haben eine Größe von 5 bis 10 ha. Auf den Versuchsflächen soll mit Unterstützung des französischen Partners Association Futaie Irrégulière (AFI) und des Deutschen Büros für Wald- und Umweltplanung Arnsberg herausgefunden werden, was getan werden muss, um das Optimum zwischen ökologischer und waldbaulicher Stabilität einerseits und Ertrag andererseits nachhaltig zu erreichen. Das Projekt ist Bestandteil eines europäischen Netzwerkes vergleichbarer Flächen.

Die Stichprobenergebnisse sind eine Grundlage für ein Umsteuern, bzw. Beibehalten der bisher geübten Waldbaupraxis. Bei der Gesamtbeurteilung über mehrere Jahrzehnte fließen die Wirkungen des Klimawandels in die Analyse und die zukünftige Planung mit ein. Zusätzlich wurden durch das Europäische Forstinstitut (EFI) drei Übungsflächen (sogenannte Marteloskope) angelegt, auf denen Waldbesitzer, Studenten oder Förster mit dem Laptop sofort prüfen können, welche Auswirkungen ihr Pflegekonzept auf den Wald hat.

Wichtige Informationen

Der forstliche Betriebsleiter von Gut Hohenhaus, Stephan Boschen hat das Treffen am 29. Juli vorbereitet. Er bestätigte: „Wir haben sehr gerne zwei Dauerbeobachtungsfläche und ein Marteloskop in unserem Betrieb angelegt, weil wir bei der besorgniserregenden Waldschadenssituation neue Hinweise brauchen, wie wir unseren Wald zukunftsfähig entwickeln können“. Von der Goltz ergänzte: „Ich denke, wir werden schon mit den ersten Ergebnissen des Projektes wichtige Informationen bereitstellen können, wie Wald stabiler und trotzdem ertragsorientiert im Klimawandel bewirtschaftet werden kann“.

Infos: ANW Deutschland

Hans von der Goltz, Bundesvorsitzender der ANW

Auch interessant

von