Bereits mehrfach hat es dieses Jahr im Nationalpark Harz gebrannt. Er zeichnet sich durch große Flächen abgestorbener Fichten aus. Jetzt wird diskutiert, ob und inwieweit das viele stehende Totholz Waldbrände fördert.
Bereits mehrfach hat es dieses Jahr im Nationalpark Harz gebrannt. Er zeichnet sich durch große Flächen abgestorbener Fichten aus. Jetzt wird diskutiert, ob und inwieweit das viele stehende Totholz Waldbrände fördert.
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Das Thema Totholz treibt die Waldbesitzer um

13. Oktober 2022

Große Brände wie zuletzt der am Brocken im Nationalpark haben es gezeigt: Totholzbestände sind eine Feuergefahr, wirken als Brandbeschleuniger und behindern Löscharbeiten. Totholz wird allgemein als Grad für Naturnähe angesehen. Das Liegenlassen des Totholzes soll Lebensräume zum Beispiel für Pilze, Käfer oder Schnecken begünstigen. „Probleme bereiten vor allem größere Flächen mit stehen gelassenen Nadelbäumen, die während der Dürre der letzten Jahre abgestorben sind“, meint der Präsident des niedersächsischen Waldbesitzerverbandes, Philip Frhr v. Oldershausen.

„Es bringt jetzt nichts, den Nationalpark als Ganzes in Frage zu stellen“, so der Präsident weiter, „wichtig ist, dass wir die Diskussion auf eine sachliche Ebene bringen und Konzepte entwickeln, wie man mit bestimmten Situationen und Entwicklungen umgeht“.

Im Rahmen der nachhaltigen Waldbewirtschaftung wird üblicherweise durch die privaten Waldbesitzer, über die Fläche verteilt, Totholz im stehenden oder liegenden Zustand zur Biodiversitätserweiterung im Wald belassen. So hat sich die Totholzmenge im Vergleich der beiden letzten Bundeswaldinventuren in Niedersachsen um 30 % erhöht. „Bei der Diskussion über den Totholzanteil im Wald geht es weniger um die Frage, ob man überhaupt Totholz im Wald belassen soll, als um die Frage, wie man mit größeren Totholzkomplexen auf freier Fläche umgeht“, beschreibt v. Oldershausen die Situation. „Die mit einer Anhäufung von Totholz verbundene Brandgefahr darf nicht das Leben von Menschen und Tieren bedrohen. Je schneller es gelingt, einen klimastabilen Waldbestand zu etablieren, desto weniger brisant ist die Waldbrandsituation, dazu sind ausreichend Fördermittel erforderlich“, ist v. Oldershausen der Auffassung.

Die Dosis macht das Gift

Auch der Beauftragte des Waldbesitzerverbandes Niedersachsen für Waldbrandfragen Volker Schulte, Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft Celler Land, bestätigt: „Feuerwehrleute haben mich angesichts der Bilder aus dem Harz und der sächsischen Schweiz wiederholt auf das Thema Totholz angesprochen. Totholz ist ein wichtiger Bestandteil der naturnahen Forstwirtschaft. Im Wald verbleibende Holzreste aus Pflegemaßnahmen oder einzelne abgestorbene oder umgeworfene Bäume, die der natürlichen Zersetzung durch Spechte und Pilze überlassen werden, gehören dazu. Aber auch hier gilt die alte Erkenntnis: die Dosis macht das Gift. Wenn wie im Nationalpark Harz auf großer Fläche trockene Bäume dicht an dicht stehen bzw. liegen gelassen werden, entsteht unter dem Eindruck der Klimaveränderungen ein ganz anderes Risiko. Dieses müssen wir unvoreingenommen bewerten, bisherige Konzepte hinterfragen und erforderlichenfalls auch ändern.“

Konsens

Der Verbandspräsident gibt weiterhin zu bedenken: „Wir brauchen in einem so dicht besiedelten Land wie Deutschland zwingend einen Konsens zwischen Naturschutz und Brandschutz, ansonsten wird die Diskussion nicht enden.“ Zudem müssen wir uns über die Klimawirkung eines vitalen, zuwachsstarken Waldes als CO2-Senke bewusst sein. Die beste Klimaschutzwirkung erhalten wir, wenn Holz in langlebigen Holzprodukten verwertet wird. So wird das CO2als Kohlenstoff langfristig gespeichert und es werden energieintensivere Ressourcen eingespart. Ebenso werden bei der energetischen Verwertung von Holz fossile Energieträger ersetzt und dadurch erhebliche Mengen an CO2 eingespart.“

Bäume entziehen der Atmosphäre Kohlendioxid (CO2) und wandeln es in Kohlenstoff und Sauerstoff um. Den Kohlenstoff speichern sie in der Holzmasse und den Sauerstoff geben sie wieder an die Umgebung ab.

„Niedersachsen, hat bisher das Glück des Tüchtigen gehabt. Unseren Feuerwehren ist es auch Dank des Waldbrandfrüherkennungssystems gelungen, die weit überdurchschnittlich vielen Entstehungsbrände sehr schnell und effizient zu löschen. Somit konnten Großbrände verhindert werden, wofür Waldbesitzende und Forstleute außerordentlich dankbar sind“, bekräftigen Präsident v. Oldershausen und der Beauftragte für Waldbrandfragen Schulte.

Das Einsetzen einer Arbeitsgruppe seitens des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums, die unter anderem entscheidet, wo zusätzliche Brandschutz-Schneisen, Präventionen und Löschkonzepte notwendig sind, begrüßen die Waldbesitzer ausdrücklich. „Menschen müssen weiter für die Gefahr von Waldbränden sensibilisiert werden; ein Großteil der Waldbrände wird durch fahrlässiges oder vorsätzliches Verhalten des Menschen verursacht“, erinnert v. Oldershausen.

WBV/Red