Newsletter
ABO
Zeitschriften
Service
Die Forexpo findet erst ein Jahr später statt

Das Super-Messejahr 2021

Das Coronavirus hat in der forstlichen Messe-Landschaft einen Kahlschlag hinterlassen. Die prominenten Opfer in Deutschland sind die Forst Live und die KWF-Tagung. Die eine hat mit 400 Ausstellern und 30.000 Besuchern gerechnet, die andere mit 500 Ausstellern und 50.000 Besuchern.

Vor einigen Tagen hat es auch die Forexpo in Frankreich erwischt. Die Veranstalter haben zu der Messe, die vom 17. – 19. Juni in Mimizan stattfinden sollte hat 400 Aussteller und 28.000 Besucher erwartet. Nun findet sie erst ein Jahr später vom 16. – 18. Juni 2021 statt.

Wegen der coronabedingten Absagen steht der Forstbranche international gesehen ein dicht gedrängtes Messejahr 2021 bevor – ein Super-Messejahr sozusagen. Hier ein unvollständiger Überblick:

  • 16. bis 18. April 2021: Forst Live in Offenburg
  • 10. bis 14. Mai 2021: Ligna in Hannover
  • 18. bis 21. Mai 2021: Elmia Wood in Jönköpng, Schweden
  • 3. bis 5. Juni 2021: Swedish Forestry Expo in Stockholm, Schweden
  • 16. bis 18. Juni 2021: Forexpo, Frankreich
  • 30. Juni bis 3. Juli 2021: KWF-Tagung in Schwarzenborn
  • Zweites September-Wochenende 2021: DLG-Waldtage in Lichtenau

Man könnte vermuten, dass sich die auf Europa verteilten Veranstaltungen trotz der zeitlichen Nähe gar nicht in die Quere kommen – zumal die verschobenen Messen in den darauffolgenden Jahren wieder in ihren angestammten Rhytmus zurückkehren werden. Aber ganz so ist es nicht, denn es kommt ein austarierter Messekalender ins Ungleichgewicht – und das könnte Besucherströme und Austellerverhalten beeinflussen.

Ligna

Die Ligna kämpft zum Beispiel seit Jahren darum, dass ihr die Forstausteller die Treue halten. Wenn nur einen Monat später die KWF-Tagung stattfindet, dürfte das nicht leichter werden. Es könnte dem KWF außerdem schwer fallen, sich wie gewohnt mit seinem umfangreichen Fachprogramm zu beteiligen. Schließlich sind die Mitarbeiter im Mai schon voll mit der eigenen Veranstaltung ausgelastet. Sollte es wegfallen, wäre die Ligna wohl der große Verlierer.

Elimia Wood

Die Elmia Wood in Jönköping muss sich erstmals mit einer Konkurrenzveranstaltung arrangieren, die nur zwei Wochen später in Stockholm stattfindet. Fast alle großen Forstmaschinenhersteller wollen der bisherigen Weltleitmesse für Forsttechnik den Rücken kehren und an der Swedisch Forestry Expo teilnehmen.

Das wiederum macht die Elmia Wood für die deutschsprachigen Besucher uninteressant, die seit jeher zu Tausenden nach Jönköping pilgern, um die Weltneuheiten der großen Hersteller aus erster Hand zu studieren. Sie werden diese Reise nicht mehr antreten, wenn Anfang Juli im eigenen Land die KWF-Tagung über die Bühne geht. Und sollte der eine oder andere Forstmaschinenfan darüber nachdenken, die Swedish Forestry Expo zu besuchen, könnte das ebenfalls hinfällig sein. Mehr als ein paar Busse der deutschen Händler werden wohl kaum übrig bleiben.

Fazit: Der Elmia AB, mit der das KWF eigentlich eine enge Partnerschaft pflegt, dürfte der neue Termin der KWF-Tagung nicht gefallen, auch wenn das KWF ihr den Vortritt lässt.

KWF-Tagung

Und die KWF-Tagung selbst? Auch sie dürfte unter der Verschiebung leiden. Die wirtschaftliche Situation war dieses Jahr stabil, trotz der internationalen Handelskonflikte und der großen Probleme, die Stürme, Dürren und Borkenkäfer in Deutschland verursacht haben. Die Coronakrise könnte das ändern. Wer kann ausschließen, dass der Holzmarkt in den nächsten Monaten weiter schwächelt, Waldbesitzer den Holzeinschlag drosseln und Forstunternehmer weniger Arbeit haben? Das hätte nicht nur negative Folgen auf die Besucherzahlen. Auch mancher Austeller würde nicht mehr kommen, oder lieber einen kleineren Stand buchen. Gerade auf skandinavische Hersteller könnte das zutreffen, denn sie haben ja zwei große schwedische Veranstaltungen.

DLG-Waldtage

Bleiben die DLG-Waldtage. Sie folgen zwar erst mit einigem Abstand im September, finden aber nur 100 km von Schwarzenborn statt wie die KWF-Tagung. Außerdem klagen die meisten Austeller seit Jahren darüber, dass es zuviele Messetermine gibt. Nicht wenige könnten der DLG deshalb einen Korb geben, um sich auf die KWF-Tagung zu konzentrieren. Also noch ein Verlierer.

Heilmittel Kombi-Messe?

Alles in allem ist der neue Termin der KWF-Tagung also mit Problemen verbunden. Man fragt sich, warum das KWF nicht weiter in den Spätsommer gerückt ist. Für das internationale Messegeschehen wäre es gut gewesen, wenn sich die Termine nicht im Sommer drängten. Und national hätte das KWF der Ligna mehr Luft gelassen.

Unvermeidbar wäre in diesem Fall natürlich eine Überschneidung mit den DLG-Waldtagen. Aber könnten sich die beiden Messen nicht für das eine Mal zusammentun? Immerhin sind es zwei konzeptionell ähnliche Waldmessen in der gleichen Region. Es gibt zwar gegenseitige Vorbehalte, die eine solche Zusammenarbeit nicht erleichtern. Aber die Vorteile scheinen doch zu überwiegen. 

Oliver Gabriel

Auch interessant

von