Reife und überreife Kiefern in Norddeutschland – ist Vorrat ein Grund stolz oder sorgengeplagt zu sein?
Reife und überreife Kiefern in Norddeutschland – ist Vorrat ein Grund stolz oder sorgengeplagt zu sein?
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Das Projekt Kiefernstolz: Wie lässt sich Kiefernstarkholz nachhaltig nutzen?

20. Juni 2022

The heat is on – spätestens seit dem klimawandelbedingten massiven Absterben von Fichtenwäldern tritt die Baumart Kiefer, die bis zur BWI3 als noch flächen- und vorratsmäßig zweithäufigste deutsche Baumart galt, zunehmend in den Fokus von Wirtschaft und Wissenschaft. Mit dem Verbundprojekt Kiefernstolz sollen die Potenziale einer nachhaltigen Kiefernstarkholznutzung untersucht werden.

Im Rahmen des vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUB) geförderten Verbundvorhabens „Nachhaltige Nutzungspotenziale für Kiefernstarkholz – eine ganzheitliche Betrachtung ihres Aufkommens, Waldbaus, der Holzernte und ihrer Verwertung“ untersucht ein Team der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt, der Georg-August-Universität Göttingen sowie des Wilhelm-Klauditz-Instituts der Fraunhofer-Gesellschaft, wie zukünftig am besten mit hiebsreifen und überstarken Kiefern umgegangen werden kann. Dabei werden mehr als 70 % der deutschen Kiefernbestände betrachtet. Untersuchungsgebiet sind Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Sachsen-Anhalt, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg.

Worum es im Projekt Kiefernstolz geht

Im Rahmen von neuen Holzaufkommensprognosen werden zukünftige Nutzungspotenziale nach Stärkeklassen und Qualitäten abgeschätzt. Eine Simulation der künftigen Waldentwicklung trägt zur Analyse des unausgeglichenen Altersklassenaufbaus bei und berücksichtigt ein klimasensitives Risikomodell, sodass waldbauliche Endnutzungskonzepte angepasst werden können.

Entsprechende Endnutzungskonzepte bedürfen der forstökonomischen Kenntnis der individuellen Hiebsreife eines Baums. Gerade Kiefern bieten sich für einen Überhaltbetrieb zur Produktion von starkem und werthaltigem Holz an, wobei der Nutzen des Erhalts der Kiefer über den Kosten des Erhalts liegen soll. Der Analyse der Risiken des Ausfalls oder der Entwertung kommt hierbei besondere Bedeutung zu, wobei der Klimawandel die Zusammenhänge maßgeblich beeinflussen dürfte.

Im Bereich der forstlichen Arbeitswissenschaft und Verfahrenstechnologie werden optimale Holzbereitstellungsketten für die erwartbaren Bestandescharakteristika recherchiert und in Fallstudien erprobt und anhand gängiger Kriterien analysiert. Ziel ist eine Entscheidungshilfe für Praktiker.

Im Bereich der Holzforschung gilt es für die anstehenden Nutzungspotenziale passende Verwertungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Neben der Substitution der rückläufigen Baumart Fichte werden vor allem neue und innovative Produkte gesucht, die für die verschiedenen Sortimente und Qualitäten in Frage kommen. Hierfür interessant ist die Trennung des dauerhafteren Kernholzes vom gut zu imprägnierenden Splintholz, sowohl durch Sägeschnitt, als auch durch Weiterverarbeitung zu Schälfurnier. Für die Herstellung hochwertiger Holzprodukte werden hierbei die besonderen Holzeigenschaften der Kiefer bedingt durch ihren Wuchs und hohen Harzgehalt und deren Einfluss auf Prozesse und Verklebbarkeit untersucht.

Das Projekt ist die für die Dauer von drei Jahren angelegt und umfasst ein Fördervolumen von rund 1 Mio. €. Mit Zwischen- und Endergebnissen für die Praxis ist ab 2023 zu rechnen.

Weitergehende Informationen gibt es hier:

Text: Hergen Knocke/NW-FVA