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Das Prekariat der Bundesforste

Viel Staub aufgewirbelt hat in Österreich ein Filmbeitrag der Sendung Report, der am 8. November im ORF2 ausgestrahlt wurde. Im Film geht es um ein österreichisches Forstunternehmen mit Zweitsitz in Rumänien, das auf einer Fläche der Österreichischen Bundesforsten (ÖBf) im Tiroler Wattental rumänische Waldarbeiter in der motormanuellen Holzernte einsetzt. Die Arbeitskräfte arbeiten ohne Schnittschutzausrüstung und hausen unter primitiven Bedingungen in einem Wohnwagen an der Hiebsfläche – ohne fließend Wasser, ohne die Möglichkeit, Kleidung zu trocknen und ohne Toilette. Selbstredend, dass ihre Woche sieben Arbeitstage hat und sie kein 13. und 14. Monatsgehalt erhalten, wie es der Kollektivvertrag vorschreibt. Wenn ihnen am Monatsende der Lohn ausgehändigt wird, müssen sie bestätigen, dass sie die gesetzlichen Arbeitszeiten einhalten.Öffentlich gemacht hatte den Fall der Forstunternehmer Johannes Müller. Wie er berichtet, sind solche Praktiken für heimische Unternehmer existenzgefährdend. In einem Schreiben an den Minister Dr. Andreä Rupprechter beklagten sich die Tiroler Forstunternehmen schon im April, dass durch die Ausschreibungspraxis der ÖBf die Holzerntepreise zum Teil auf bis 10 €/ Fm gesunken seien.Die ÖBf wehrten sich gegen die Vorwürfe. Der Vorstandsvorsitzende Dr. Rudolf Freidhager bezeichnete die beschriebenen Verhältnisse als untragbar, hielt sie jedoch für einen Einzelfall, obwohl die beauftragten Forstunternehmen nur stichprobenartig kontrolliert werden. Und die Preise machten die Unternehmen schließlich selbst. Der Obmann des ÖBf-Zentralbetriebsrates widersprach Freidhager allerdings. Überprüfungen mit der Finanzpolizei hätten ergeben, dass solche Verhältnisse gang und gäbe seien.Peter Konrad, der Vorsitzende des Österreichischen Forstunternehmerverbandes (ÖFUV) bestätigte, dass die Ausschreibungen zu Dumpingpreisen geführt haben. Er forderte, dass die ÖBf ihrer Aufsichtspflicht nachkommen müssten und bemängelte insbesonders, dass die grenzüberschreitende Strafverfolgung in solchen Fällen scheitert. Der Verband sei mit den ÖBf im Gespräch, um eine Lösung zu finden.

Oliver Gabriel

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