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Buchdrucker in Rindenstück

Das Borkenkäferjahr 2020 in Bayern

Im Blickpunkt Waldschutz Nr. 13/2020 blickt die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) auf das Borkenkäferjahr 2020 im Freistaat zurück.

Während in Nordbayern ein drittes Dürrejahr in Folge zu verzeichnen war, waren die Niederschläge im Süden Bayerns besser verteilt. Die hohe Ausgangspopulation aus 2019, sowie Sturmbruch im Winter und Frühjahr ließen ein weiteres kritisches Borkenkäferjahr 2020 erwarten. Rückblickend muss die Situation sehr differenziert betrachtet werden.

Die Ausgangslage

2019 legten die Fichtenborkenkäfer bis in mittlere Höhenlagen eine 3. Generation an. Dies bedeutete erneut ein riesiges Ausgangspotenzial an Borkenkäfern für 2020. Das Sturmtief „Sabine“ und seine „Nachwehen“ verursachten im Februar 2020 landesweit Schäden in den Wäldern. In Bayern entstanden rund 1,8 Mio. Fm Schadholz, mit deutlichen regionalen Unterschieden. Schadensschwerpunkte lagen im südlichen Allgäu und im südöstlichen Niederbayern. Es wurden zahlreiche Bäume einzeln und nesterweise umgeworfen oder gebrochen. Da bei Einzel- und Nesterwürfen die Brutraumkapazität besonders schnell überschritten wird und damit eine Fangschlagfunktion ausgeschlossen ist, musste bei der ersten Schwärmwelle bereits mit Stehendbefall gerechnet werden.

Mai bringt Verzögerung, aber keine Entspannung

Der April startete sonnig, ungewöhnlich warm und sehr trocken (-64 % Niederschläge zum langjährigen Mittel 1961 bis 1990). Der Schwärmflug der Fichtenborkenkäfer setzte Mitte April ein. In Mittel- und Unterfranken sowie in Niederbayern lagen die Fallenfänge schon in dieser Startphase vereinzelt über der Warnschwelle für Stehendbefall von 3.000 Buchdruckern/Falle/Woche. Der Hauptschwärmflug erfolgte bayernweit dann Ende April. Die ausfliegenden Käfer befielen zunächst im Wald vor allem liegendes frisches Fichtenholz von Holzpoltern und unaufgearbeitete Windwürfe von „Sabine“. Zudem konnten ausfliegende Käfer die gestressten, abwehrschwachen Fichten in den zu dieser Zeit extrem trockenen Regionen im Frankenwald, südlichen Allgäu und südöstlichen Niederbayern auch stehend befallen.

Die Eisheiligen (11. bis 15.5.2020) machten dieses Jahr ihrem Namen alle Ehre. Tiefe Nachttemperaturen hinterließen nicht nur Spuren an jungen Trieben und Blättern der Laubbäume. Bei der bis Anfang Mai angelegten ersten Generation kam es dadurch zu einer Entwicklungsverzögerung von etwa zwei Wochen gegenüber 2019. Der Ausflug zur Anlage der ersten Geschwisterbrut erfolgte in der zweiten Maihälfte. Von vielen, vor allem nordbayerischen Revieren wurde in dieser Zeit starker Stehendbefall gemeldet. Die unterdurchschnittlichen, aber zeitlich gut verteilten Niederschläge und teils starker Wind erschwerten die Bohrmehlsuche deutlich. Häufig konnten befallene Fichten nicht rechtzeitig gefunden und aufgearbeitet werden.

Ende Juni stiegen die Fangzahlen für Buchdrucker und Kupferstecher stark an. Der Hauptschwärmflug der 1. Generation inkl. der ersten Geschwisterbruten erfolgte Anfang Juli (Abb. 2). Damit erfolgte der Ausflug der 1. Generation mehrere Wochen später als in den Jahren 2017, 2018 und 2019. Dennoch musste mit erheblichem Stehendbefall gerechnet werden, da sich die Schwärmflüge von Altkäfern und den Jungkäfern der ersten Generation und der Geschwisterbrut überlagerten.

Schwärmverlauf des Buchdruckers in Bayern. Jede schwarze Linie stellt den Schwärmverlauf an einer Monitoringfalle in Bayern dar. Bis Anfang Juli schwärmten überwinternde Käfer des Vorjahres zur Anlage der 1. Generation sowie der 1. Geschwistergeneration. Ab Anfang Juli flogen die Käfer der 1. Generation aus, welche die 2. anlegten. Zum Teil wurde noch eine 3. Generation angelegt. Ab einer Fangsumme von 3.000 Buchdruckern in einer Woche kann Stehendbefall verursacht werden. Dieser Wert ist als rote Linie eingezeichnet.
Schwärmverlauf des Buchdruckers in Bayern. Jede schwarze Linie stellt den Schwärmverlauf an einer Monitoringfalle in Bayern dar. Bis Anfang Juli schwärmten überwinternde Käfer des Vorjahres zur Anlage der 1. Generation sowie der 1. Geschwistergeneration. Ab Anfang Juli flogen die Käfer der 1. Generation aus, welche die 2. anlegten. Zum Teil wurde noch eine 3. Generation angelegt. Ab einer Fangsumme von 3.000 Buchdruckern in einer Woche kann Stehendbefall verursacht werden. Dieser Wert ist als rote Linie eingezeichnet. Grafik: LWF

Gefährdungseinschätzung

Zu dieser Zeit war die Gefährdungseinschätzung der Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten für Bayern zweigeteilt. Ausschlaggebend waren hier insbesondere die Niederschlagsverteilung im Juni und Juli, die Vorschädigungen der Fichtenbestände der letzten Jahre durch Trockenheit sowie die Befallssituation im Frühjahr nach „Sabine“ (südliches Allgäu und Südostbayern). Aufgrund der besseren Wasserversorgung konnten die Fichten im Süden Bayerns – die Donau bildete in etwa die Grenze – mit verstärktem Harzfluss auf Borkenkäferbefall reagieren. Im Norden Bayerns war es gerade in dieser Zeit erneut sehr trocken, was die Fichten entsprechend in ihrer Abwehr schwächte.

Die 2. Generation war Ende August in den tiefen und mittleren Lagen fertig entwickelt. Mit den warmen Spätsommertagen Anfang September begannen diese Jungkäfer, vor allem nördlich der Donau, auszuschwärmen.

Im Jahresverlauf wird die Anlage weiterer Borkenkäfergeneration grundsätzlich durch die Tageslichtlänge gesteuert. Daher wird ab Mitte August, bei einer Tageslichtlänge unter 14 Stunden, keine neue Generation mehr angelegt; die Käfer bereiten sich auf die Überwinterung vor. Allerdings kann diese „Regel“ durch hohe Temperaturen im August und September aufgehoben werden. In diesem Jahr gab es erneut sehr hohe Temperaturen Ende August bis September, jedoch wurde ab Mitte August nur an wenigen Waldorten Eiablagen gemeldet. Dort wurde mit der Anlage neuer Brutsysteme eine 3. Generation angelegt.

Die Waldschutzexperten der LWF gehen davon aus, dass bis etwa Mitte September nur ein Teil der ausgeflogenen Jungkäfer der 2. Generation in den tieferen bis mittleren Lagen (ca. 500 m NN) noch eine 3. Generation angelegt haben. Später ausfliegende Jungkäfer bohrten sich zwar erneut ein, allerdings nur, um sich unter der Borke auf die Überwinterung vorzubereiten. Diese Jungkäfer legten aber keine weiteren Bruten an. Die 2. Geschwisterbrut ist zum größten Teil nicht mehr ausgeflogen. Sie überwintert als fertige Käfer unter der Rinde.

Befallsschwerpunkte

Der Borkenkäferbefall weist ein Nord-Süd-Gefälle auf, mit starkem Befall im Norden und Osten Bayerns. Im Süden des Landes sind die Befallswerte vergleichsweise überschaubar. Schwerpunkte der Buchdrucker-Kalamität sind nach wie vor die „Kolle-Gebiete“ in Niederbayern sowie weite Teile Unter- und Oberfrankens, hier insbesondere der Frankenwald. Dort verursacht der Borkenkäfer erhebliche Schäden bis hin zu Schadflächen mit einer Größe von teilweise mehreren Hektar.

Befallsschwerpunkte des Kupferstechers lagen 2020 ebenfalls in den nördlichen Bereichen Bayerns, aber auch in den von „Sabine“ stärker betroffenen Bereichen Niederbayerns und im Allgäu. Der Kupferstecher profitierte dort von dem hohen Brutraumangebot im Zuge der Sturmschäden und der Buchdruckeraufarbeitung.

Aktuell liegen noch keine abschließenden Schadholzmengen für 2020 vor. Zusammenfassend kann die bayernweite Gesamtsituation aber mit „Schäden auf hohem Niveau mit regional sehr deutlichen Unterschieden“ beschrieben werden.

Aktuelle Situation und Aufarbeitungshinweise

Die Fichten aus dem Sommerbefall haben in den letzten Wochen mit Nadelverfärbung und -verlusten und mit Rindenabfall bei grüner und roter Krone gezeichnet. Problematisch ist, dass bei Rindenabfall die unter der Rinde sitzenden Käfer „gezwungen“ werden, die Rinde zu verlassen.

Bei warmen Temperaturen fliegen sie ggf. noch im Oktober und suchen sich einen neuen Überwinterungsstamm. Bei kühlen Temperaturen verbleiben sie in den abgefallenen Rindenstücken – zum Teil in mehreren Stockwerken – oder ziehen sich in den Boden zurück. Dort sind sie für eine waldschutzwirksame Aufarbeitung unerreichbar! Für die Ausgangslage 2021 ist es daher entscheidend, Fichten mit Nadelverfärbung und abfallender Rinde schnellstmöglich aufzuarbeiten, um einen Rindenabfall zu verhindern!

Bedeutet dies jetzt eine Aufarbeitung von „Totholz“? Nein, schauen Sie unter, besser in die Rinde! Erst wenn die Fichtenkrone kahl und die Rinde stark ausgetrocknet, ist haben die Käfer die Fichte bereits verlassen. Hat die Krone wenigstens noch rote Nadeln, lohnt sich ein Blick in die Rinde. Ist diese zwar „mulmig“, aber noch etwas feucht, sind oftmals die Käfer in den tieferen Rindenschichten versteckt. Dann ist eine rasche Aufarbeitung notwendig!

Frische, im September befallene Fichten zeichnen v. a. mit Harzfluss. Bohrmehl ist nicht mehr sichtbar. Sie sollten möglichst gefunden und markiert werden, um sie im Laufe des Herbstes mit zweiter Priorität aufzuarbeiten und so die Ausgangsdichte für 2021 zu reduzieren.

Quelle: LWF/Red.

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