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Corona und die Krise in Sachsen-Anhalts Wäldern

In Sachsen-Anhalt wirkt die Corona-Krise wie ein „Brandbeschleuniger für die Waldkrise“. In seiner Stellungnahme fordert der Waldbesitzerverband Sachsen-Anhalt nun endlich ein entschlossenes und konkretes Handeln von der Landesregierung.

Wie sehr Sachsen-Anhalt das Epizentrum der Trockenheit der Jahre 2018 und 2019 ist, ist in den Wäldern nicht mehr zu übersehen. Dürre, Sturm- und Borkenkäferschäden, haben die hiesigen Wälder in die schlimmste Krisensituation seit über 200 Jahren gebracht.

Mittlerweile fallen ganze Laubholzbestände im Südharz komplett aus. Drastisch zu sehen ist dies im Ziegelrodaer Forst, einem der umfangreichsten, naturnahen Eichenbestände in Deutschland. Ganze Eichen- und Buchenbestände sterben infolge der Dürre ab. In Relation zur Waldfläche sind die Schäden in Sachsen-Anhalt – amtsbekannt – bundesweit am schlimmsten. In dieser Situation wirkt die Corona-Krise wie ein Brandbeschleuniger für die Waldkrise. Absatzoptionen für das aufzuarbeitende Schadholz verringern sich oder werden ungewiss. Trotzdem gehen sowohl die Aufarbeitungen des Schadholzes, als auch die Aufforstungen – so gut es geht – weiter. Aber: Wohin mit dem Kalamitätsholz? Woher soll das Geld für die Aufforstungen kommen?

Waldeigentümer erneuern Kritik an Landesregierung

Während der Bund über 470 Mio. € auf die Fläche bringt, agiert die zuständige Ministerin in Sachsen-Anhalt immer als Letzte. Während sich in Süddeutschland die Politik seit Anfang 2018 für einen geordneten Holzabfluss einsetzte und der Absatz des Holzes durchgehend läuft, ist genau das in Sachsen-Anhalt nicht passiert. Die Politik – besonders die zuständige Ministerin – hat hier völlig versagt. Damit ist die Liquiditätsfrage für alle im Bündnis und im Cluster, bis hin zum Staatsforst, für die nächsten Jahre gestellt. Diese Frage ist keine um Almosen. Vielmehr muss allen klar sein, dass so die zerstörten Wälder (30.000 ha Kahlflächen), in weiten und wichtigen Teilen des Landes, nicht aufgeforstet werden können. Geht man von nur 15.000 ha im Privatwald aus, bei durchschnittlichen Mindestkosten von 7.500 €/ha, so braucht dieser alleine 112,5 Mio. €. Der Landesforst braucht noch einmal so viel. Beide können dieses Geld in den nächsten Jahren nicht erwirtschaften.

Wald und Forstwirtschaft sind systemrelevant

Unsere Wirtschaftswälder und die Forstwirtschaft sind für Deutschland in vielfacher Hinsicht systemrelevant. Sie binden 14 % des Kohlendioxids in Deutschland. Es geht um Multifunktionalität statt Eindimensionalität:

  • Ohne aktive Forstwirtschaft mit Aufforstung wird „irgendein Buschwald“ entstehen, wie der Heckenwald im Mittelmeerraum oder zu sehen am Bergbau in Teutschenthal, nicht aber der multifunktionale, Wald den unsere Gesellschaft braucht.
  • Wir haben eine Kulturlandschaft mit Sekundärwäldern aufgrund nachhaltiger Forstwirtschaft, weil unsere Gesellschaft diese bis heute benötigt. Sie braucht eben nicht sich selbst überlassene, nur dem Naturschutz dienliche Flächen. Sie braucht mehr als diese Eindimensionalität.
  • Sie braucht multifunktionale Wälder mit all ihren Schutz und Nutzfunktionen. So z.B. zum Erhalt der Trinkwasserqualität an den Talsperren im Harz oder für die Trinkwasserversorgung in Fläming und Letzlinger Heide sowie für alle weiteren Schutzfunktionen und eben besonders auch als Rohstoffquelle.
  • Es geht um Multifunktionalität statt Eindimensionalität. Das gelingt nur mit einer leistungsfähigen Forstwirtschaft. Insoweit dürfen keine Mittel der Forstwirtschaft genommen werden. Mehr noch muss alles geschehen, damit hinreichend Mittel für die Aufforstung unserer Wälder zur Verfügung stehen.

Krisen erfordern entschlossenes und konkretes Handeln.

Diesem Grundsatz hat sich die Landesregierung Sachsen-Anhalt, seit Sommer 2017 bis Ende Juli 2019 für unsere Wälder verweigert. Noch immer handelt sie zaghaft und nur in Reaktion zu Aktivitäten des Bundes. Damit muss Schluss sein. Politiker, die Mitgefühl haben, aber keine Antworten, sind weit davon entfernt eine intelligente und praktikable Forstwirtschaftspolitik zu praktizieren. Diese wird jedoch dringend benötigt. Dazu muss ein ressortübergreifender Einsatzstab aus dem Aktionsbündnis und allen notwendigen Ressorts der Landesregierung Sachsen-Anhalt – wie seit Jahren gefordert – auf den Weg gebracht werden. Dieser Einsatzstab muss nach Kompetenz und nicht nach politischer Beliebigkeit besetzt sein.

Die unverantwortliche Passivität so mancher in der Landesregierung müsse ein Ende haben, so der Waldbesitzerverband Sachsen-Anhalt: „Es geht um unsere Wälder und 20.000 Arbeitsplätze des Clusters Forst und Holz in Sachsen-Anhalt.“

Zum Thema: forstpraxis.de-Meldung

Red./Waldbesitzerverband Sachsen-Anhalt

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