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Corona: Herausforderung für die Holzpackmittelindustrie

Die Corona-Epidemie stellt für die deutsche Holzpackmittelindustrie in mehrfacher Hinsicht eine Herausforderung dar. Dazu der Geschäftsführer des Bundesverbandes Holzpackmittel, Paletten, Exportverpackung (HPE) e.V., Marcus Kirschner.

Die fortschreitende Ausbreitung des Virus in Asien bremst die dortige Wirtschaft und hat unmittelbare Auswirkungen sowohl auf die deutschen Exporte als auch auf die Einfuhren. Dies spüren die HPE-Mitgliedsbetriebe kundenseitig. „Die Häfen sind voll. Waren fließen nicht ab. Container und Transportmöglichkeiten sind gebunden. Lagerplätze werden auch in den Versenderländern knapp. So auch in Deutschland“, fasst Kirschner die Entwicklungen zusammen. Viele HPE-Mitgliedsbetriebe unterstützen deshalb ihre Kunden durch die Zurverfügungstellung von Lagerplätzen und lagern bereits verpackte Waren zwischen. „Allerdings fehlen den Kunden der HPE-Mitglieder zunehmend Zulieferteile aus Asien, aber auch Abnehmer in den großen Wachstumsmärkten, was sich auf die Produktion hierzulande und damit auch auf die Hersteller von Holzpackmitteln und Paletten auswirkt“, so Kirschner.

Ein weiteres aus der Krise erwachsendes Problem: Für die deutsche Forst- und Holzwirtschaft könnte auf dem deutschen Rohstoffmarkt eine besonders kritische Situation entstehen. „Der hohe Anfall an Kalamitätsholz stellt die Forstbetriebe vor enorme personelle und finanzielle Herausforderungen. Dabei dient der Export von Nadelrundholz nach Asien als wichtigstes Ventil zur Entlastung der Märkte, da auch die Kapazitäten der Säger am Limit sind“, so Kirschner und erklärt weiter: „Viele Qualitäten finden zudem wenig Abnehmer. Der Sortieraufwand, qualitativ adäquates Holz zu bekommen, ist für Säger und Holzpackmittelhersteller deutlich gestiegen.“ Nach Angaben des Hauptverbandes der Deutschen Holzindustrie (HDH) e.V. ist im Betrachtungszeitraum Januar bis November allein der Export von Nadelsägerundholz 2018 von 264.000 m³ auf mehr als 2,3 Mio. m³ gestiegen. Vergleichbares zeigte sich bei den Ausfuhren von Nadelschnittholz, bei dem die Ausfuhren nach China im gleichen Zeitraum von etwa 90.000 auf mehr als 560.000 m³ gestiegen sind.

„Somit ist die Situation für die Holzpackmittelhersteller doppelt belastend: Sowohl durch den hohen Anfall von Kalamitätsholz am Holzmarkt, dem nun durch die Corona-Epidemie ein wichtiges Abflussventil abhanden zu kommen droht, als auch durch die Versorgungsengpässe und Absatzeinbußen der Kunden.“ Die deutsche Holzpackmittelindustrie brauche einwandfreies Frischholz, um den Anforderungen des ISPM 15 Standards und darüber hinaus gerecht zu werden. „Dazu müssen in Forst und Säge entsprechende Kapazitäten zur Verfügung stehen. Kundenseitig sind stabile Märkte für alle Produkte, die in oder auf Holzpackmitteln transportiert werden, unabdingbar“, bekräftigt der HPE-Geschäftsführer.

Natürlich räume auch die Holzpackmittelindustrie der Verhinderung der Weiterverbreitung des Virus Priorität ein. Dazu Kirschner abschließend: „Pandemiepläne in den Unternehmen regeln, was bei welchen Eskalationsstufen zu tun und wer wofür verantwortlich ist. Alles sowohl unter den Prämissen des Gesundheitsschutzes der Mitarbeiter und Geschäftspartner als auch zur Sicherstellung der gewohnten und geschätzten Lieferfähigkeit. Denn eines ist sicher: Auch wenn vielerorts in den Regalen Toilettenpapier, Desinfektionsmittel oder Mehl fehlt – es braucht Paletten, um die Waren in die Geschäfte zu bringen und es braucht Holzpackmittel, die die Ersatzteile zu den Maschinen bei den Herstellern dieser Waren bringen.“

HPE/Red.

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