Würfel zeigen COP26 und COP27
COP27 - werden die bisher gesetzten Klimaziele eingehalten? Darüber wird vor dem Hintergrund der globalen Krisen in diesem Jahr diskutiert.
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COP27: die Weltklimakonferenz und der Wald

07. November 2022
In Ägypten findet derzeit die Weltklimakonferenz COP27 statt – vom 7. bis zum 18. November geht es dabei um die großen Fragen des Klimaschutzes und die Folgen des Klimawandels. Auch der Wald ist Thema.

Um unvorhersehbare Klimaveränderungen abzuwenden, muss das 1,5-Grad-Ziel eingehalten werden, warnen Klimaforscherinnen und -forscher bereits seit Jahren. Die Folgen des Klimawandels sind wirtschaftlich kostspielig und bedrohen die Natur. Letztere sei aber auch ein Treiber, um die Klimafolgen abzuschwächen, betonen Forstbranche und Umweltschutz. Auf der Weltklimakonferenz gibt es demnach viel zu besprechen. Welchen Stellenwert hat die Natur aktuell weltpolitisch – und welchen hat der Wald?

Das Thema Wald bei der Weltklimakonferenz

Für den Wald bedeuten anhaltend wärmere Temperaturen und seltenere Niederschläge große Veränderungen. Vertrocknete Bäume, Schädlingsbefall oder Waldbrände sind einige Beispiele. Damit ist der Wald durch den Klimawandel gefährdet. Als aktiver CO2-Speicher gilt er aber als wichtiger Klimaschützer und möglicher Lösungsweg, um große Mengen Kohlenstoff und andere Treibhausgase aus der Luft zu filtern.

So sagte Georg Schirmbeck, Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrates (DFWR), in Bezug auf die Konferenz: „Deutschland hat bei der klimafreundlichen Nutzung von Holz weltweite Vorbildfunktion. Andere Länder wie Korea oder die Mongolei sind hingegen Vorreiter bei technischen Möglichkeiten zur Waldbrandprävention oder bei nationalen Aufforstungsprogrammen. Wir müssen uns diesen forstlichen Wissensschatz zunutze machen und das Beste aus allen Welten verbinden.“ Schirmbeck erhofft sich daher ein starkes Signal für die weltweite Entwicklung der Wälder auf dem Weltklimagipfel. „Für erfolgreichen Klimaschutz gilt: Global denken und regional handeln. Es ist Aufgabe der Bundesregierung, die Holznutzung in Deutschland, die nach hohen Standards erfolgt, zu stärken.“

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) hat ein Schreiben über die entwicklungspolitischen Schwerpunkte der Weltklimakonferenz veröffentlicht. Der Wald müsse geschützt und wiederhergestellt werden, heißt es darin. Das BMZ finanziere dafür international Projekte und wolle auch auf der COP27 erneute Gelder für den Waldschutz ankündigen.

Umwelt im Fokus der Weltpolitik

Umweltverbände sehen Chancen in der Weltklimakonferenz. „Diese Konferenz stellt einen Schlüsselmoment nicht nur für den Klimaschutz dar. Es ist dringend geboten, die Natur mehr in den Fokus zu rücken. Die Biodiversität und die Integrität von Ökosystemen muss sich sowohl in den Arbeitsprogrammen zur Minderung von Treibhausgasen als auch zur Anpassung an die Erderhitzung widerspiegeln. Die Natur spielt darüber hinaus eine wesentliche Rolle zur Steigerung der Widerstandsfähigkeit gegenüber Extremwetterereignissen. Die vielfältigen Klimafunktionen der Ökosysteme und der Artenvielfalt sind bisher viel zu wenig beachtete Potenziale im Kampf gegen die Klimakrise“, so NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger.

Steffi Lemke, Ministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV), sagte außerdem: „Wir sind mit drei existenziellen Großkrisen konfrontiert, die sich gegenseitig verstärken: Die Klimakrise, das rasant fortschreitende Artenaussterben und die Krise der zunehmenden Verschmutzung – sie alle bedrohen das Leben der Menschen auf diesem Planeten. Neben dem Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine und seinen fürchterlichen Auswirkungen dürfen diese drei Krisen nicht aus dem Blick geraten. Von der Weltklimakonferenz COP27 muss deshalb das klare Signal ausgehen, dass wir diese Krisen zusammendenken und gemeinsame Lösungen finden. Wir müssen die Natur schützen, damit sie uns schützt. Gesunde Ökosysteme, ob Wälder, Moore oder Auen, binden CO2, sorgen für Artenvielfalt und machen unsere Landschaften widerstandsfähiger gegen die Klimakrise. Ohne diese natürlichen Klimaschützer wird es nicht gelingen, die Pariser Klimaziele zu erreichen.“

Nationale Klimaziele, internationale Verantwortung

Wie die Tagesschau zur COP27 berichtet, haben viele der Nationen, die auch auf den COP26 in Glasgow mitkonferiert haben, ihre Klimaziele bisher nicht ausreichend umgesetzt. Andere weltpolitische Krisen scheinen in den Vordergrund gerückt zu sein. Auch Deutschland könnte Expertenmeinungen nach die selbstgesteckten Klimaziele verfehlen. Doch haben die Staaten den Klimawandel und die Gefahren für die Ökosysteme vergessen?

Das wird sich in den kommenden beiden Wochen in Ägypten zeigen. In einer Pressemitteilung der UN zum Klimagipfel heißt es, man fokussiere sich auf die Versprechen, die auf vergangenen Konferenzen gemacht wurden. Simon Stiell, der Exekutivsekretär des Rahmenübereinkommens der Vereinten Nationen über Klimaänderungen, betonte zum aktuellen Anlass die Verantwortung, die die Weltbevölkerung trägt: jeder müsse an jedem einzelnen Tag alles dafür tun, die Klimakrise abzuwenden.

IUFRO präsentiert Studie über das Wald- und Klimaschutz-Programm REDD+

Im Rahmen des Global Landscapes Forum (GLF), einer Begleitveranstaltung zur Weltklimakonferenz in Ägypten, stellt die International Union of Forest Research Organizations (IUFRO) am Freitag, 11. November, die Effekte des seit rund zehn Jahren laufenden UNO-Programms REDD+ auf Wälder, Kohlenstoff, Biodiversität und Menschen vor. Als Basis dienen zwei Studien, die ein internationales Forschungsteam der in Wien beheimateten IUFRO erst kürzlich veröffentlichte: „Forests, Climate, Biodiversity and People: Assessing a Decade of REDD+“ und „A Decade of REDD+: Stakeholder Perceptions of its Implementation“.

Darüber hinaus werden die Podiumsteilnehmerinnen und -teilnehmer laut IUFRO Einblicke in die Wahrnehmung der REDD+-Umsetzung durch lokale Interessengruppen geben und potenzielle Synergien zwischen FLR (Forest Landscape Restoration oder Wiederherstellung von Waldlandschaften) und REDD+ erläutern.

Was ist REDD+?

Im Rahmen von REDD+ investieren Länder des globalen Nordens in Maßnahmen, mit denen Länder des globalen Südens gegen Entwaldung und Wald-Degradation vorgehen bzw. ein ökologisch, ökonomisch und ökologisch nachhaltiges Waldmanagement vorantreiben. Das Akronym „REDD+” steht für „Reducing Emissions from Deforestation and Forest Degradation and the role of conservation, sustainable management of forests and enhancement of forest carbon stocks in developing countries”.

Termin: IUFRO präsentiert REDD+ auf Welt-Klimagipfel

  • Wann? Freitag, 11. November 2022, 14:00 bis 15:00 Uhr (EET, UTC+2); das entspricht in Österreich 13:00 bis 14:00 Uhr
  • Wo? Global Landscape Forum in Sharm-el-Sheikh (Sideevent der Weltklimakonferenz COP27) oder online
  • Infos und Registrierung: https://bit.ly/3EPAV65

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