Forstpolitik

Die UN-Klimakonferenz COP26 und die Rolle der Wälder weltweit

Bearbeitet von Jörg Fischer

Vom 1. bis zum 12. November fand im schottischen Glasgow die 26ste UN-Klimakonferenz (COP26) statt. Der Abschlussbericht wurde jedoch erst am 13. November „nach Verlängerung“ angenommen. Er enthält große Worte, doch nur wenig wirklich Verbindliches. Welche Bedeutung hat das Ergebnis der COP26 für die Wälder weltweit?

Die zähen Verhandlungen, die noch den ganzen Samstag lang andauerten, ergaben am Ende einen Kompromiss, der die ohnehin schon kaum konkreten Aussagen zum Kohleausstieg noch weiter aufweichte. So setzten Indien und China am Ende durch, dass in dem Bericht nur noch von einem schrittweisen Abbau der Kohleenergie die Rede ist. Doch auch darüber hinaus klingen die Ergebnisse der Klimakonferenz nach viel gutem Willen, dem aber meist die Verbindlichkeit fehlt.

Ergebnisse für den Wald

Am 2. November einigte sich die Staatengemeinschaft auf einen weltweiten Entwaldungsstopp bis 2030. Auch diese Aussage war jedoch kaum verbindlich, wurde sie doch nicht durch konkrete Maßnahmen unterstrichen und konnte leicht als „Freifahrtschein für die Entwaldung über weitere 10 Jahre“ verstanden werden.

Von Bedeutung war auch die Erklärung über nachhaltige Bioenergie, die am 10. November unterzeichnet wurde. In dieser wurde betont, dass der Nutzung von Bioenergie eine unverzichtbare Rolle zukommt, um den CO2-Ausstoß bis 2050 auf Null reduzieren zu können. Bis zum Jahr 2030 sollen demnach durch nachhaltige Bioenergie aus Holz die weltweiten Nettoemissionen um 600 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr und bis zum Jahr 2050 um eine Milliarde Tonnen CO2 gesenkt werden – mehr als die gesamte Luftfahrtindustrie derzeit ausstößt. Ein wichtiges, aber auch ehrgeiziges Ziel.

Erhalt der Wälder Zentralafrikas

Ein weiterer Programmpunkt auf der UN-Klimakonferenz widmete sich dem Erhalt der Wälder Zentralafrikas. So hielt das FSC-zertifizierte Forstunternehmen INTERHOLCO mit Sitz im Nordkongo, auf der COP26 eine Konferenz ab, die live aus dem COMIFAC-Pavillon übertragen und von Olman Serrano, dem Präsidenten der NRO ATIBT (International Technical Association for Tropical Timber), in Anwesenheit der Ministerin für Forstwirtschaft der Republik Kongo, Rosalie Matondo, moderiert wurde.

Ziel war es, die Zusammenarbeit zwischen dem kongolesischen Staat und den Akteuren des Privatsektors im FSC-zertifizierten Holzsektor zu veranschaulichen und aufzuzeigen, wie diese dazu beiträgt ein Waldgebiet effektiv zu erhalten und die Produktion von verantwortungsvollen Holzprodukten für den lokalen und internationalen Markt zu gewährleisten.

Auf der Konferenz wurde die nachhaltige Waldbewirtschaftung als beispielhaftes Modell hervorgehoben, das sich als erfolgreich erwiesen hat und in weiteren tropischen Wäldern in Afrika, Lateinamerika und Südostasien somit nachgeahmt werden kann.

Eine nachhaltige Waldbewirtschaftung bietet globale Lösungen, und zwar nicht nur in ökologischer Hinsicht (positive Auswirkungen auf den Schutz der biologischen Vielfalt, die Kohlenstoffbindung und die Verlangsamung des Klimawandels auf globalem Ausmaß), sondern auch in wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht (Gewährleistung fairer Arbeitsplätze, Armutsbekämpfung, finanzielle Mittel für Gemeinden, Steuern für die Regierung oder Unterstützung der Infrastruktur etc.).

Die kongolesische Regierung rief dazu auf, alle Beteiligten zu mobilisieren, um die Wälder zu erhalten. So erklärte der Präsident der Republik Kongo, Denis Sassou N‘Guesso, auf der COP26: „Die Länder des Kongobeckens erbringen durch ihre Ökosysteme unschätzbare Leistungen für die Welt. Aber was bekommen wir im Gegenzug? Sehr wenig. Die Industrieländer, die für historische Deregulierung des Klimawandels verantwortlich sind, zögern nämlich, die zur Erfüllung ihrer Verpflichtungen erforderlichen Mittel zu mobilisieren. Die großen Hindernisse bei der Anwendung von Artikel 6 des Pariser Abkommens, der die reichen Länder dazu verpflichtet, die Eindämmung der Folgen des Klimawandels und vor allem die Bemühungen der Entwicklungsländer zur Anpassung an den Klimawandel zu unterstützen, sind ein Beweis dafür.“ Mehr als 65 % der Landfläche der Republik Kongo ist von Wäldern bedeckt und absorbiert daher dreimal mehr Kohlenstoff als sie ausstößt.

Um Afrika etwas zurückzugeben, seien öffentlich-private Partnerschaften und Allianzen unerlässlich, heißt es in einem Bericht der Association Technique Internationale des Bois Tropicaux (International Tropical Timber Technical Association, ATIBT). Im Laufe der Jahre habe die Republik Kongo die Voraussetzungen für solche Partnerschaften geschaffen und entsprechende Regeln und Vorschriften eingeführt. Privatwirtschaftliche Akteure wie INTERHOLCO zeigen ein Wirtschaftsmodell, das die Wälder am Leben erhält: sustainable forest management (SFM). Die nachhaltige Waldbewirtschaftung gehe weit über die von INTERHOLCO verwaltete Forstkonzession hinaus und erfordere eine Zusammenarbeit zwischen allen Sektoren.

„Wir brauchen eine enge und direkte Zusammenarbeit zwischen dem Privatsektor, den Regierungen und den Entwicklungsinstitutionen. Wir müssen alle gemeinsam an einem Strang ziehen. Dann muss die Anpassung der Finanzströme an internationale Ziele erleichtert werden. Zuletzt müssen die Investitionen des Privatsektors mit den Strategien der Industrie in Einklang gebracht werden”, sagte Ulrich Grauert, Geschäftsführer von INTERHOLCO.

Die Rolle, die große afrikanische Wälder bei der Klimaregulierung zum Nutzen der gesamten Menschheit spielen, sollte in Maßnahmen umgesetzt werden, die den afrikanischen Gemeinschaften, für die diese Wälder eine Heimat sind, dringend benötigte wirtschaftliche Vorteile bieten.

An der Konferenz nahmen insgesamt 150 Personen teil. Regierungsvertreter, Privatpersonen, Wissenschaftler, Investoren, Entwicklungsagenturen, internationalen Organisationen und Nichtregierungsorganisation kamen zusammen.

Zum Schluss…

…kann man sagen, dass auf der COP26 viele große Worte und Versprechen zu hören waren. Die geschäftsführende deutsche Bundesumweltministerin, Svenja Schulze, sprach gar von einem historischen Abkommen. Das stimmt allerdings nur, wenn all den großen Worten auch Taten folgen. Und Taten sind es, die jetzt zählen.

Red./Mit Material von ATIBT