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Constantin Film und Wohlleben schaden Wald und Klima

Während in den wissenschaftlichen Fachkreisen, national und international unstrittig ist, dass Nutzungsverzicht im Wald beiden – Wald und Klima – schadet, wird über Constantin Film hierzulande nunmehr das Gegenteil mit einem Film über „Deutschlands bekanntesten Förster“, Peter Wohlleben, in die Kinos gebracht. Begründete Kritik kommt von Waldbesitzern aus Sachsen-Anhalt: „Constantin Film und Wohlleben schaden Wald und Klima“

Wohlleben, um es kurz zu fassen, plädiert dafür Wälder sich selbst zu überlassen und auf die in Deutschland übliche Praxis der nachhaltigen Holzwirtschaft zu verzichten, da dies für den Arten- und Klimaschutz besser sei. Fakt hingegen ist, dass durch die Bewirtschaftung von Wäldern ein wirksamer Klimaschutz geschieht. Eine Quantifizierung der Klimaschutzwirkung von Waldökosystemen beruht auf vier Säulen: Waldspeicher, Holzproduktspeicher, stoffliche Substitution und energetische Substitution.

Ohne Waldwirtschaft hätte Deutschland jährlich 90 bis 100 Mio. t zusätzliche CO₂-Emissionen. Wälder sind deshalb wichtige Kohlenstoffspeicher = Waldspeicher. Neben dem Waldspeicher gibt es den Holzproduktspeicher. Gegenstände aus Holz bestehen zu 50 % aus Kohlenstoff. Wie der Waldspeicher, entlastet der Produktspeicher die Atmosphäre von CO₂. Zudem substituiert im Wald geerntetes Holz andere Stoffe wie Aluminium, Stahl oder Beton = stoffliche Substitution, oder Holz ersetzt fossile Brennstoffe zum Zweck der Energiegewinnung = energetische Substitution.

Diese in der Wissenschaft unstrittige Erkenntnis – siehe dazu renommierte Forstwissenschaftler wie Prof. Ammer (Göttingen) oder Prof. Irslinger (Tübingen) – lässt sich mit der Feststellung zusammenfassen, dass Wirtschaftswälder besser für den Klimaschutz sind als stillgelegte Wälder.

Statt Nachhaltigkeit propagiert der Constantin Film ein „bambihaftes“ Schlaraffenland

Zudem geht die „Vermenschlichung“ in Wohllebens Werk unverantwortlich an der Sache vorbei. So legitim anschauliche Vergleiche sind, um komplexe Sachverhalte zu beschreiben, so falsch ist es z.B. Bäumen eine soziale Mutter-Kind-Beziehung anzudichten, wie es Film und Autor tun. Realität ist: Mit dem Keimen und Wachsen von Baumsamen fängt ein brutaler Kampf ums Überleben zwischen den Bäumen an. Angesichts dessen Bäume zu vermenschlichen, um „moralische“ Schlüsse zu ziehen, ist nicht nur falsch, sondern gefährlich. Dies Vorgehen verschließt den Blick auf Klimawandel, CO₂-Bindung und die Notwendigkeit insoweit Wälder aktiv zu gestalten, um sie als Ressource und CO₂-Speicher nachhaltig zu nutzen und zu erhalten. Statt Nachhaltigkeit propagiert der Film ein „bambihaftes“ Schlaraffenland. Kommerziell mag das gut sein. Unserer Verantwortung gegenüber Wäldern und Menschen – zumal in Zeiten des Klimawandels – widerspricht es.

Insofern verwundert es, dass das Bundesumweltministerium (BMU) und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) wie parteinahe Stiftungen (Friedrich-Naumann-Stiftung) die Position von Wohlleben propagieren bzw. den Vertrieb und die Promotion des Filmes unterstützen.

 

Zum Thema: forstpraxis.de-Meldung (2017) Auch im Wald: Fakten statt Märchen – Wissenschaft statt Wohlleben

Zum Thema: forstpraxis.de-Meldung (2019) Offener Brief an Herrn Peter Wohlleben und die Redaktion „stern“

Zum Thema: forstpraxis.de-Meldung (2020)

Waldbesitzerverband für Sachsen-Anhalt/Red.

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